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Milchbauern können von ihren Erträgen leben – im Moment

Kükels Milchbauern können von ihren Erträgen leben – im Moment

Zum neunten Mal hat am Freitag die „Milchviehbereisung“ des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) stattgefunden. War in der Vergangenheit Landwirtschaftsminister Robert Habeck mitgereist, ließ er sich dieses Mal wegen der Jamaika-Sondierungen in Berlin entschuldigen.

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Jörn Siemann (32) ist Jungbauer, er wirtschaftet mit Milchvieh und Ackerland in seinem Familienbetrieb.

Kükels. Etwa 50 Interessierte, unter anderem Staatssekretäre, Landtagspolitiker, Mitarbeiter der Uni Kiel und zahlreiche BDM-Mitglieder, informierten sich auf zwei Milchviehbetrieben im Kreis Segeberg. Erste Station war der Betrieb von Jörn Siemann. Der 32-Jährige betreibt seinen Milchviehbetrieb zusammen mit seinen Eltern und zwei Auszubildenden, als zweites Standbein betreibt er Ackerbau. Die Milchproduktion musste er zuletzt reduzieren, 900000 Kilogramm Milch haben seine knapp 100 Kühe produziert. Im Vorjahr waren es noch eine Million Kilogramm. „Wir bekommen derzeit 42 Cent pro Kilogramm, davon kann man leben“, sagt der Jungbauer. Doch wenn der Preis wieder sinke. . . Er habe Kredite abzubezahlen, brauche Planungssicherheit. Eine gute Lösung wären für ihn Handelsverträge, die Milchmenge und Preis über einen bestimmten Zeitraum garantieren.

LN-Bild

Zum neunten Mal hat am Freitag die „Milchviehbereisung“ des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) stattgefunden. War in der Vergangenheit Landwirtschaftsminister Robert Habeck mitgereist, ließ er sich dieses Mal wegen der Jamaika-Sondierungen in Berlin entschuldigen.

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Der Jungbauer öffnete gern seinen Betrieb den Interessierten, hofft er doch so Gehör zu finden und auf seine Situation aufmerksam zu machen. Denn zwei weitere Problematiken liegen ihm am Herzen. Er wünscht sich mehr Handwerkszeug von den Landwirtschaftsministern, um die vielen neuen Verordnungen umsetzen zu können. Das andere große Thema ist die Grundproblematik. Pachtpreisniveau und Landpreise seien horrend gestiegen, bis zu 48000 Euro pro Hektar.

Auch BDM-Beirätin Kirsten Wosnitza ging auf die Risiken eines landwirtschaftlichen Betriebes ein. Es sei abzusehen, dass der Milchpreis wieder sinke, so dass man mit der Milchindustrie und dem Handel gemeinsam Antworten auf die Marktrisiken finden müsse. Auch betonte sie, dass man sparsam mit den knappen Ressourcen umgehen müsse und sich deswegen keine Überschussproduktion an Lebensmitteln leisten könne.

In Vertretung für den Landwirtschaftsminister überbrachte der zuständige Abteilungsleiter im Ministerium, Hans-Georg Starck, dessen Botschaft. Aufgrund des niedrigen Milchpreises in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Milchviehbetriebe in Schleswig-Holstein um 329 (sieben Prozent) auf 4089 gesunken. Nun liege der Milchpreis zwar über 40 Cent pro Kilogramm Standardmilch, doch sei die Krise noch nicht überstanden. Der höhere Preis sei auf Fett gebaut (Fett ist knapp, Missernten bei Kokos- und Palmfett; Bestandteile vieler Lebensmittel und Kosmetika), der Milchpulverberg müsse abgetragen werden und man müsse sich für neue Krisen wappnen. Weitere Mengendisziplin-Maßnahmen werden EU-weit erfolgen müssen, auch über eine entschädigungslose Reduzierung der Milchproduktion müsse nachgedacht werden.

Im Anschluss besuchte die Gruppe den Hof von Familie Unruh in Kisdorf (mit Weidehaltung). Außerdem gab es noch zwei Referate zu hören.

 Silvie Domann

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