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Segeberg Milde Temperaturen: Viele Fledermäuse sind weiter aktiv
Lokales Segeberg Milde Temperaturen: Viele Fledermäuse sind weiter aktiv
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22:20 28.12.2015
Ist der Klimawandel verantwortlich? Der Winterschlaf der Fledermäuse wird immer kürzer. In den warmen Dezembernächten wurden gar herumschwärmende Fledermäuse vor den Höhlen beobachtet. Quelle: Fotos: Dpa/nam

Eigentlich müssten Fledermäuse, die genügend Winterspeck gesammelt haben, jetzt im tiefsten Schlaf „hängen“. Doch offensichtlich hält es einige bei den zweistelligen Gradzahlen der vergangenen Wochen nicht lange im Quartier. Einem überraschten Anwohner am Bad Segeberger Kalkberg fielen umherfliegende Fledermäuse auf. „Und das zu Weihnachten!“Auch der Fledermausreferent des Naturschutz-Landesverbandes (Nabu) Stefan Lüders fällt nach Durchsicht der Daten zu den registrierten Ein- und Ausflügen der Fledermäuse auf, dass in diesem Dezember vergleichsweise rege Flugaktivitäten festzustellen sind. Seit 1991 liefern Lichtschrankeneinheiten an den Haupteinflügen zur Kalkberghöhle, dem Höhleneingang und am Entdeckungsloch Daten zum Ein- und Ausflug der Fledermäuse. Die Lichtschranken registrieren ununterbrochen über das ganze Jahr alle Bewegungen.

Danach herrschte zum Beispiel in der „Heiligen Nacht“ alles andere als Ruhe. In den zwei kontrollierten Ein- und Ausfluglöcher sind etwa 200 Einflug-Bewegungen von Lichtschranken kontrolliert worden. Weniger flogen wieder heraus. Das milde Wetter habe zur Folge, so vermutet Lüders, „dass die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen oder gar nicht richtig in den tiefen Schlaf gekommen sind“.

Dabei sind nach seinen Beobachtungen die Fledermauskästen (gerade seien 800 im Kreis Ostholstein vom Nabu kontrolliert worden) weitgehend leer. Wasser- und Fransenfledermäuse seien weg, ausgeflogen.

Lüders ist sich sicher, dass die meisten dieser Tiere in den Kalkberghöhlen ihren Winterschlaf halten. Der Vorteil dieser Höhle sei, dass sie bei fast jedem Wetter immer gleiche Verhältnisse aufweise. In den Spalten der Höhlen können sich die Fledermäuse ihre Nischen suchen, wo sie besonders energiearm überwintern können. „Diese Möglichkeit gibt es in Schleswig-Holstein fast nur in den Kalkberghöhlen.“ Wie kommt es nun zum Phänomen der schwärmenden Fledermäuse mitten im Winter? Lüders: „Ich kann mir vorstellen, dass einige Tiere in Bunkern und Kellern oder dicken Nistkästen geblieben sind und jetzt erst Richtung Berg fliegen.“ Winterschlaf ist übrigens nicht gleich Winterschlaf. Einige Tiere werden auch im harten Winter zwischenzeitlich aktiv. Die Fledermäuse schlafen auch nicht von September bis April durch, sondern sie werden auch wach, um sich zum Beispiel fortzupflanzen, so Lüders. Die Gelegenheit dafür ist optimal: „Wo kommen sonst so viele Tiere einer Art zusammen?“

 Für Stefan Lüders ist es nicht besorgniserregend, wenn die Fledermäuse jetzt nicht gleich von ihren Fettreserven zehren müssen, sondern als Zwischenmahlzeit erfolgreich auf Insektensuche sein können. Der „Anker“ für die Fledermäuse bleibe aber — egal wie der Winter ausfällt — das stabile Mikroklima in den Segeberger Höhlen. „Da hängen jetzt über 20000 Tiere“, weiß Lüders. Der Trend sei aber eindeutig: Der Winterschlaf der Nachtschwärmer werde immer kürzer. Früher sei der Hauptausflug aus den Höhlen Anfang April, das sei sei jetzt immer mehr in den März gerückt.

Wenn jemand verirrte, „aufgewachte“ Fledermäuse im Haus entdecke, könne er sich beim Naturschutzbund (☎ 04551/8964330) melden. Der prüft dann, ob die Tiere geschwächt oder verletzt sind.

Wolfgang Glombik

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