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Segeberg Mindestens 1000 gute Gründe, um zu leben
Lokales Segeberg Mindestens 1000 gute Gründe, um zu leben
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22:25 22.10.2013
Werben für mehr Verständnis für Mitschüler, die Probleme haben: Aenne Abel (links), Magdalena Meder und Thies Gerke vom Norderstedter Kinder- und Jugendbeirat. Quelle: Fuchs
Norderstedt

Ein Fall in den eigenen Reihen hat den Kinder- und Jugendbeirat Norderstedts auf dieses Thema gebracht. Der beste Freund ihres Kollegen Konrad nahm sich mit 16 Jahren das Leben, völlig unerwartet für seine Umwelt. Sein Verhalten habe ganz und gar nicht den gängigen Klischees entsprochen, sagt Jugendbeirat Thies Gerke. „Er war freundlich, witzig und bei allen beliebt. Es hat keiner gemerkt, dass er sich schlecht fühlt.“

Welche Warnzeichen es gibt, wenn Jugendliche lebensmüde werden und wie Eltern, Freunde und Mitschüler darauf reagieren sollten, will der Jugendbeirat mit einer Aktionswoche zeigen, die noch bis zum 30. Oktober im Norderstedter Rathaus läuft. Es gibt eine Ausstellung zum Thema (Obergeschoss vor dem Plenarsaal), einen Fachvortrag (24. Oktober, Plenarsaal, 15.30 Uhr), eine Mahnwache auf dem Rathausplatz (26. Oktober, 17 bis 19 Uhr) und eine Podiumsdiskussion (30. Oktober, Sitzungsraum 2, 15.30 Uhr).

Auch eine Homepage hat der Jugendbeirat zum Thema aufgebaut (www.1000-gründe.de). „Jedes Leben ist wertvoll und einzigartig und deswegen ist es umso trauriger, wenn ein junger Mensch dieses aufgibt“, so Beiratsvorsitzende Magdalena Meder. „Es gibt 1000 Gründe zu leben“, heißt dann auch die Homepage.

Den Vortrag am morgigen Donnerstag hält Gabriele Francke vom Verein Suizidprävention in Hildesheim. Der unterhält mit 50 ehrenamtlichen Kräften ein tägliches Krisentelefon, führt Trauergespräche mit Hinterbliebenen und verwaisten Eltern, so Francke. Begriffe wie Selbstmord und Freitod will die Fachfrau in diesem Zusammenhang nicht genannt wissen. „Selbstmord war früher strafbar und suggeriert eine Handlung aus niederträchtigem Beweggrund. Und Freitod nannte man es zu Goethes Werther-Zeiten. Aber Jugendliche, die Hand an sich legen, haben den Tunnelblick und tun es nicht aus freien Stücken.“ Die Wanderausstellung unter dem Motto: „Zuhören ist cool, Wegsehen ist tödlich“, die nun auch in Norderstedt gezeigt wird und die ihr Verein eigens für Schulen konzipiert hat sei einmalig, betont Gabriele Francke. „Unsere Erfahrung ist, dass an diesen Schulen die Schüler nicht mehr so stark gemobbt werden, weil sie sensibilisiert sind, dass es besser ist, auf andere zuzugehen und ihnen zuzuhören als sie zu beleidigen.“

Das Beispiel von Konrads Freund zeige, dass verborgene Selbstzweifel Mitschüler zu diesem letzten Hilfeschrei veranlassten. Darum sei es so wichtig, auf Warnsignale zu achten, betont Beirätin Aenne Abel. Dazu zählten ständige Schlaflosigkeit, riskantes Verhalten, Gefühle von Hilflosigkeit und Isoliertheit, plötzliche Freude nach einer depressiven Phase. Etwa 600 Jugendliche unter 25 Jahren in Deutschland begehen jedes Jahr Suizid, so das Statistische Bundesamt.

• Kontakte:

www.1000-gründe.de

www.suizidpraevention-hildesheim.de

außerdem: TIP Zentrum für Suizidprävention Kinder, Jugendliche und deren Angehörige, Kanalstr. 80, Lübeck, Telefon: 04 51/8 71 13 06

Burkhard Fuchs

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