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Mit 43 Jahren noch mal Student: Lehrer im 4. Bildungsgang

Bad Segeberg Mit 43 Jahren noch mal Student: Lehrer im 4. Bildungsgang

Adrian Nickel – Chemiefacharbeiter, Landwirt, Bäckermeister – arbeitet seit 2009 als Vertretungskraft am BBZ , nun will er es noch einmal wissen und studiert auf Lehramt.

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In praxisnahem Unterricht bringt Adrian Nickel (2.v.l.) als Honorarkraft Flüchlingen am BBZ Deutsch bei – etwa beim Kuchenbacken.

Quelle: nam

Bad Segeberg. „Jetzt fühle ich mich sischer“, schreibt Bakak auf ein Plakat über Wünsche und Hoffnungen. „Si-cher – ohne s“, korrigiert Adrian Nickel. „S-c-h - ist sch. Wie in schlafen.“

LN-Bild

Adrian Nickel – Chemiefacharbeiter, Landwirt, Bäckermeister – arbeitet seit 2009 als Vertretungskraft am BBZ – Nun will er es noch einmal wissen und studiert auf Lehramt.

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„Ich mag die Arbeit mit den jungen Leuten, wenn sie wild sind. Das ist Lebendigkeit.“ Adrian Nickel

Als Honorarkraft wird der Bäckermeister am Berufsbildungszentrum Bad Segeberg unter anderem im praxisbetonten Deutsch-Unterricht für Migranten eingesetzt. Eine Stunde zuvor standen die Schüler und Nickel in der Backstube und haben Butterkuchen gebacken – die Vokabeln stehen noch an der Tafel. Seit 2009 ist Nickel Vertretungskraft für sogenannte Fachpraxislehrer. Doch Nickel will mehr. An drei Tagen in der Woche drückt er selbst wieder die Schulbank und studiert im 2. Semester auf Lehramt in Hamburg. Mit 43 Jahren. Im 4. Bildungsgang.

Spät-Studenten wie Nickel erfassen Statistiker gar nicht mehr separat. Laut Statistischem Bundesamt betrug das Durchschnittsalter der Studienanfänger im Wintersemester 2014/2015 genau 23,5 Jahre. Von insgesamt 2,7 Millionen Studienanfängern waren 131 785 Personen „37 Jahre und älter“. Genauer wird’s nicht.

Selbst im Bildungswesen, wo es eine Reihe von Möglichkeiten für den Seiteneinstieg für Fachfremde gibt, ist Nickel – gelernter Chemiefacharbeiter, Landwirt und Bäckermeister – ein Exot: Mit 16 Jahren begann er 1988 die Ausbildung zum Chemiefacharbeiter. „Die Motivation kam aus dem Elternhaus.“ Doch nach Ausbildung und Bundeswehr hielt es ihn nicht lange in dem Job bei einem großen Chemiekonzern.

„Die Leute dort waren 25 und dachten schon an ihre sichere Rente. Das fand ich furchtbar.“ Auch war ihm die Arbeit mit chemischen Stoffen und deren Auswirkungen auf seine Gesundheit nicht geheuer.

Er kündigte und jobbte eine Weile in verschiedenen Berufen, absolvierte unter anderem ein mehrmonatiges Praktikum in einem integrativen Kindergarten und einer Jugendwerkstatt. Der erste Ausflug in die Pädagogik. Doch durch eine Neurodermitis-Erkrankung und einer damit einhergehenden Ernährungsumstellung auf Bio-Produkte entschied sich Nickel 1997, mit 25 Jahren, für eine landwirtschaftliche Ausbildung. „Ich wollte wissen, wie man anbaut, was man isst.“ Bei Düsseldorf begann er auf einem Naturlandhof, das zweite Jahr absolvierte Nickel in Velbert auf einem Demeter-Hof. Hier lernte er auch das Backen in der Höfebäckerei „von der Pike auf. Alles wurde von Hand gemacht, die einzige Maschine war ein Teigkneter“, erinnert sich Nickel.

Die Liebe führte ihn dann in die Nähe von Kassel, wo er die Backstube des Versuchsbetriebs der Uni übernahm. „Mit Sondergenehmigung, wenn ich die Meisterschule besuche.“ Die beendete er 2004 und zog mit seiner Familie – das dritte Kind war unterwegs – ins Saarland, wo Nickel Leiter einer Bäckerei in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen wurde.

Drei Ausbildungen in 16 Jahren. Der Wechsel des Berufsfeldes ist ein Thema, das die Arbeitsmarktforschung kaum untersucht – höchstens bei den Berufsanfängern: Ein Fünftel wechselt nach der Ausbildung die Branche laut eines Berichts des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von 2007. Andere, ebenfalls ältere Untersuchungen zeigen eine hohe Kontinuität bei deutschen Arbeitnehmern:

Drei Prozent wechseln pro Jahr den Job – die Hälfte aber unfreiwillig. Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer in einer Firma liegt bei über zehn Jahren.

Zehn Jahre könnte Nickel am BBZ schaffen. 2009 hat er sich hier als Vertretungskraft beworben, nachdem seine Frau als Agraringenieurin ein tolles Angebot in Neumünster erhalten hatte, erzählt er. Am BBZ kam er vor allem im praxisnahen Unterricht mit den Schülern in der Ausbildungsvorbereitung zum Einsatz. Eine eher schwierige Klientel. „Aber ich mag die Arbeit mit den jungen Menschen, wenn sie jung und wild sind“, sagt Nickel. „Das ist ein Zeichen von Lebendigkeit.“ BBZ-Leiter Heinz Sandbrink findet: „Herr Nickel ist ein Naturtalent.“ Aber durch die fehlende Lehrer-Qualifikation könne man ihn immer nur befristet einstellen – je nach Bedarf. „Es wäre schade, wenn wir ihn deshalb verlieren würden“, so Sandbrink, der selbst über einen Umweg in den Lehrerberuf fand. Deshalb habe er Nickel auch vorgeschlagen, nochmal studieren zu gehen, um eine vollwertige Lehrkraft zu werden.

In drei Jahren will Nickel fertig sein mit dem Master und als Gewerbelehrer für Ernährungslehre und Politikwissenschaft sein Referendariat starten. Durch seine Chemieausbildung und Praxiserfahrung kann er einige Seminare und Praktika überspringen. Das Studium sei der richtige Schritt gewesen, sagt Nickel. „Lehrer sein, das bin ich. Ich bin angekommen.“ Nur wie lange, das könne er heute noch nicht sagen. Berufsausbildung Nummer fünf? Nicht ausgeschlossen.

 Nadine Materne

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