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Segeberg Mit Kaffee, Charme und Mini-Wahlmobil
Lokales Segeberg Mit Kaffee, Charme und Mini-Wahlmobil
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09:29 10.10.2016
Für mehr Beteiligung bei der Kirchenwahl tourt Pastor Steffen Paar mit seinem umdekorierten Auto durch Sülfeld Quelle: Nadine Materne
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Sülfeld

Ein schwarzer Rover Mini Cooper, wie ihn „Mr. Bean“ schon fuhr. Jahrgang 1997, schwarz lackiert, 190 000 gelaufene Kilometer. Die Beinfreiheit ist beschränkt – aber irgendwas ist ja immer. An der Heckscheibe hängt ein Zettel, auf der eine Möwe verkündet: „Wahlmobil“. Und drinnen sitzt Sülfelds Pastor Steffen Paar. Ausgestattet mit Sonnenschirm, Sitzbank, Kaffee und Gebäck will er sich den Sülfeldern in den kommenden Wochen „unaufdringlich in den Weg stellen“. Auffallen. Denn: Am 1. Advent ist Kirchenwahl.

Die Benachrichtigungskarten haben die evangelischen Kirchenmitglieder längst erreicht. Und viele werden direkt im Papierkorb gelandet sein. Das ist Paar bewusst: „Wer nicht regelmäßig in die Kirche geht, heiraten will, mit einer Taufe oder einem Todesfall zu tun hat, der fragt sich womöglich, was er mit der Wahl zu tun hat.“ Die Kirchenwahl sei im Bewusstsein der Bürger nicht so wichtig, wie etwa Bundestagswahlen. Dabei sei der Einfluss der einzelnen Stimme bei der Kirchenwahl ungleich größer, verdeutlicht Paar.

Das zwölfköpfige Gremium in Sülfeld entscheidet über einen Haushalt „im Millionenbereich“, bei Personalbesetzung in der Kita und Neuerungen der Friedhofssatzung. Es wirkt an der Ausgestaltung des Konfirmandenunterrichts mit, in der Jugendarbeit und der Gestaltung der Gottesdienste. „Das ist ein verantwortungsvolles Amt“, betont Pastor Paar. „Und gerade die Entscheidungen zu Kita und Friedhof betreffen alle Menschen, nicht nur Kirchenmitglieder.“ Es gehe auch um ganz praktische Dinge, wie die Organisation von Gemeindefesten.

Bei der Beteiligung an der Kirchenwahl schlägt sich die Bedeutung jedoch kaum nieder: Um die 20 Prozent seien es vor sechs Jahren in Sülfeld gewesen. „Legitimation sieht anders aus“, findet Paar. Dabei ist das noch ein guter Wert. Vor acht Jahren bei der Kirchenwahl – damals noch in der Nordelbischen Kirche – hat die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei nur zwölf Prozent gelegen.
Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2013 gingen über 70 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne.

Mit seinem Mini-Wahlmobil unternimmt der Pastor nun den Versuch, den künftigen Sülfelder Gemeinderat eine größere Wählerunterstützung zu sichern, indem er das Gespräch mit den potenziellen Wählern sucht: Sülfeld, Grabau, Borstel, Tönningstedt, Petersfelde – in allen Ortsteilen will sich der Pastor mit seinem auffälligen Mini hinstellen, Passanten ansprechen und damit Bewusstsein schaffen für die Kirchenwahl.

„Vielleicht geht es im Gespräch mit den Leuten am Ende gar nicht um Kirche oder die Wahl“, sagt Paar. Vielleicht aber doch. Und wer will, kann das kleine Auto auch gleich als Wahlkabine nutzen, und in den weichen Ledersitzen die Briefwahlunterlagen ausfüllen. „Ich habe alles dabei: Stimmzettel und das Wählerverzeichnis“, sagt Paar.

15 Kandidaten zwischen 36 und 72 Jahren stehen in Sülfeld am 27. November zur Wahl. Zwölf Plätze sind im Kirchengemeinderat zu besetzen. „Wir haben eine gute Mischung aus jungen und älteren Leuten, aus Akademikern und Menschen mit einer Ausbildung unter den Kandidaten“, glaubt Paar. Von Ärzten und Pädagogen bis hin zu Angestellten in Einzelhandel und Verwaltung. „Ein guter Querschnitt“, findet Paar. Schade sei nur, dass keiner der Kandidaten aus dem Ortsteil Grabau komme.

Bis zu zwölf Stimmen kann jeder der knapp 1800 Wahlberechtigten abgeben – bei 2100 Kirchenmitgliedern. „Ganz neu ist, dass auch erstmals schon 14-Jährige wählen dürfen“, betont Paar. Bei der Wahl gehe es nicht darum, welcher der Kandidaten der fleißigste Kirchgänger ist, sondern diejenigen auszuwählen, denen man die Leitung der Gemeinde zutraue. Die Gewählten sollen der Kirche ein Gesicht geben, und ihm dem Pastor, ein Gegenüber sein. „Ich habe viele Ideen“, sagt Paar, doch die könnten auch am Ziel vorbeischießen.

Am 4. November beginnt Steffen Paar mit seiner Wahlmobiltour. Erster Stopp: Borstel. Der Pastor mischt sich gern unter die Leute. „Und selbst wenn kein einziger bei mir wählt, ich aber zehn neue Leute kennengelernt habe“, sagt er, „dann hat sich die Aktion schon gelohnt.“

Von Nadine Materne

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