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Segeberg Mit dem Winter kommt die Leere
Lokales Segeberg Mit dem Winter kommt die Leere
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00:20 16.01.2016
Sie würden ihre Einrichtung gerne erweitern: Die Herbergseltern René und Mi-Young Petzold vor der Karl-May-Jugendherberge am Goßen Segeberger See. Quelle: Fotos: Johanna von Criegern

Am Anfang bin ich allein. Die Korridore der Jugendherberge in Bad Segeberg liegen verlassen da. Nur meine Schritte hallen wider. Im Zimmer mache ich das Licht an. Die Lampe surrt. Sonst nichts. Keine Stimmen. Kein Gelächter. Stille.

Das neue Jahr hat gerade begonnen, die Ferien der Herbergseltern Mi-Young und René Petzold sind vorbei. Ich bin der erste Gast in diesem Jahr. Während der Hauptsaison von Juni bis September wird 3500 Mal im Monat in den 168 Betten übernachtet. Insgesamt sind es ungefähr 21 000 Übernachtungen im Jahr. Außerhalb der Saison gibt es gerade einmal 500 Übernachtungen in einem Monat.

Vor drei Jahren übernahm das Ehepaar Petzold die Jugendherberge am Kastanienweg. Damals verbuchte die Herberge 30 Übernachtungen in einem Wintermonat, die Einrichtung war mehrere Wochen geschlossen.

„Jetzt kommen im Winter Musikgruppen, um zu proben“, erzählt der Herbergsvater. Seminare finden statt. Es ist mehr Leben in der Karl-May-Jugendherberge. Es lohne sich nicht, im Winter zu schließen, meint René Petzold. Strom und Heizung müssten trotzdem gezahlt werden.

Im Sommer kommen Familien, Schulklassen und Sportgruppen. Vor allem die Karl-May-Spiele bringen Gäste. Dann kommen ständig Neue an, andere fahren ab. 6000 Brötchen und 100 Kilogramm Brot essen die Gäste pro Monat im Sommer. Ungefähr 60 Menschen frühstücken dann in jedem der vier Tagesräume. In diesen Tagen fühle ich mich einsam, während ich auf meinem Brötchen herumkaue. Von einer Person kann dieser Raum nicht ausgefüllt werden.

Aber ich habe auch Glück: Eine Dusche für mich allein! Zur Hochsaison müssen sich zwölf Gäste eine Dusche teilen. Das wollen Mi-Young und René Petzold ändern. Sie wollen umbauen: Mehr Zimmer, mehr Duschen, ein Speisesaal. Sie könnten nicht alle Buchungsanfragen bestätigen, weil ihnen der Platz fehle. Finanzielle Unterstützung erhoffen sie sich vom Kreis Segeberg, das Geld vom Deutschen Jugendherbergswerk reiche nicht aus.

Sie verweisen auf die Jugendakademie Bad Segeberg, die jährlich Gelder vom Kreis erhalte. 2010 bekam die Akademie zwei Millionen Euro, um ihre Gebäude zu sanieren. Sie argumentieren, dass durch die Jugendherberge die regionale Wirtschaft gefördert werde: Lebensmittel kauften sie in der Umgebung, Mitarbeiter kämen aus der Region. Ihre Gäste kauften im Ort ein, gäben Geld für Kino, Tierpark und Theater aus. Tatsächlich gibt es Studien, die besagen, dass Urlauber den größten Teil ihres Geldes nicht für die Unterkunft, sondern für die An- und Abfahrt sowie für Freizeitbeschäftigungen ausgeben. Von dem Ausbau erhofft sich das Ehepaar Petzold 4000 Übernachtungen mehr pro Jahr.

Mir reichen schon eine Handvoll Gäste, mit denen ich frühstücken kann. Dann reist eine Schulklasse an. Ab und zu dringen die Stimmen der Schüler in mein Zimmer durch. Endlich Gesellschaft!

4500 Jugendherbergen
Das Deutsche Jugendherbergswerk, das über 100 Jahre alt ist, hat in Deutschland nach eigenen Angaben ungefähr 530 Standorte und ist somit der größte Anbieter von Jugendunterkünften innerhalb Deutschlands. Mitglieder können in insgesamt 4 500 Jugendherbergen weltweit übernachten, weil das DHJ zu „Youth Hostelling International“ gehört. Partner sind unter anderem Bildungseinrichtungen wie das Goethe Institut oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Ln-Praktikantin Johanna von Criegern

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