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Segeberg Mit viel frischem Wind zur neuen Orgel für St. Marien
Lokales Segeberg Mit viel frischem Wind zur neuen Orgel für St. Marien
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20:22 10.09.2016
Kirsten Geißler (l.), Andreas Maurer-Büntjen, Birgit Noack werben für die Sommerserenade des Kammerensemble des Marinemusikkorps Kiel.

Zinnfraß bohrt sich durch einige Pfeifen minderwertiger Qualität in der alten Marcussen-Orgel von St. Marien. Der Platz auf der Empore ist schlecht gewählt, sorgt für schrillen Klang. Manche Taste bleibt stumm, wenn Kantor Andreas Maurer-Büntjen sie anschlägt. Und die Elektrik sorgt dafür, dass Brandschützer nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Seit Langem bekannt: Das 150 Jahre alte Instrument (40 Register, drei Manualen) ist nicht zu retten. Schuld seien vor allem zahlreiche „Verschlimmbesserungen“, heißt es seitens der Kirche. Der jetzige Zustand gehe vor allem auf die mangelhafte Sanierung durch eine Orgelbaufirma 1976 zurück. Seit Langem wird Geld für ein neues Instrument gesammelt, die rund eine Million Euro kosten wird.

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Die Ausschreibung läuft – Pfingsten könnte ein Modell präsentiert werden. Mit kreativen Ideen werden weiter Spenden gesammelt.

Zeit für einen Zwischenstand, denn die Ausschreibung für den Neubau ist raus. Der in Süddeutschland ansässige Claudius Winterhalder, die belgische „Manufacture d'orgue Thomas“ sowie die Luzerner Orgelbau AG Goll sind im Rennen. Das Herz der neuen Orgel soll für Bach schlagen, die französische Romantik soll sie gut abbilden können, tiefe Töne sollen eine Basis für die Klänge bilden, die den verschiedenen Anlässen in St. Marien entsprechen. „Wir hoffen, im November eine der Firmen beauftragen zu können. Vielleicht können wir Pfingsten ein Modell präsentieren“, so Maurer-Büntjen.

Derweil wird im Segebergischen weiter gesammelt. Der Orgelbauverein „Neue Orgel für St. Marien“ übertrifft sich geradezu selbst mit kreativen Vorschlägen. Etwa einen Abend mit „NDR-Wetterfrosch“ Meeno Schrader und Organist Manuel Gera (Hamburger Michel), die zeigen wollen, wie Wetter klingt – in Wort und Musik. Der eine mit Wissen den Verstand ansprechend, der andere improvisierend die Sinne: „Gleiches Thema, zwei Ebenen“, sagt Jochen Dähn, das „Zugpferd“ der Ideengruppe des Vereins. Interaktiv werde das Publikum über seine Smartphones und eine Leinwand eingebunden. Kantor Maurer-Büntjen schmunzelt: „Es ist ein Testballon. Wir sind selbst ganz gespannt.“

Eine weitere Aktion ist ein buchstäblich „beflügeltes Konzert“: Pfarrer Dr. Michael Gnan dirigiert seine mit kleinen Schellen versehenen Tauben durch die Kirche. Der katholische Geistliche aus Bayern hat eine alte Tradition aufgegriffen, die noch heute in Indien, auf Bali und in einigen arabischen Ländern bekannt ist.

Für ein Konzert des Kammerensemble des Musikkorps Kiel (Leitung: Fregattenkapitän Friedrich Szepansky) haben sich der Lions Club Segeberg-Siegesburg und der Förderkreis Kirchenmusik zusammengetan.

Maurer-Büntjen: „Szepansky versteht es einfach meisterhaft, die Aufgaben in den Stücken neu zu setzen.“ Und das alles für eine neue Orgel, denn wie sagte Nobelpreisträger Albert Schweizer, ein Bachfan, schon: „Eine Kirche ohne Orgel ist wie ein Körper ohne Seele.“

Marinemusikkorps, Wetterphänomene und klingende Tauben

134 333 Euro zeigt das Spendenbarometer auf der Homepage der Kirchengemeinde Segeberg gegenwärtig an. Damit die Summe wächst, stehen die nächsten Veranstaltungen in der Marienkirche an:

„Wind-Spiel“ heißt es am Sonntag, 18. September ab 19 Uhr. Manuel Gera (Hamburger Michel) improvisiert an der Orgel, Meteorologe Meeno Schrader spricht über Wetterphänomene, und das Publikum wird multimedial über QR-Code und Smartphone eingebunden werden. Der Eintritt (nur Abendkasse) beträgt das, was der Luftdruck in Hektopascal anzeigt in Cent.

Das Kammerensemble des Marinemusikkorps Kiel ist am Dienstag, 20. September, zu Gast in St. Marien. Los geht das Konzert unter anderem mit Werken von Händel, Mozart, Reger um 19 Uhr.

Eintritt: 12 Euro. Karten gibt es im „Druckwerk“ und an der Abendkasse.

„Schwingungen“, ein Konzert mit Pfarrer Michael Gnan und seinen Schellen tragenden Tauben sowie dem Segeberger Flötenensemble, dem Kammerchor und Andreas Maurer-Büntjen an der Orgel ist für Donnerstag, 29. September, ab 19 Uhr geplant. Statt Eintritt wird um eine Spende gebeten.

• www.kirchenmusik-segeberg.de

Heike Hiltrop

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