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Mitschnacker: ignorieren und weglaufen

Trappenkamp Mitschnacker: ignorieren und weglaufen

Pilotprojekt an der Dr. Gerlich-Schule Trappenkamp. Erstklässler trainieren Verhalten gegenüber Fremden.

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Wie allen Kindern fällt es Artjom schwer, bei der Übung ernst zu bleiben, doch er reagiert genau richtig, als der „böse Fremde“ Uwe Jensen ihn erst aus dem Auto heraus anspricht und schließlich sogar aussteigt: Abstand wahren, ignorieren und schnell weglaufen.

Quelle: Fotos: Nadine Materne

Trappenkamp. Mit Fremden geht man nicht mit. Das wissen die Erstklässler der Dr. Gerlich-Schule in Trappenkamp bereits. Doch wer ist fremd? „Sind wir Fremde?“, fragt Birte Rütze in den Raum der 1c. Die Schüler sind sich nicht einig, gut die Hälfte antwortet mit nein. Doch Rütze und ihr Kollege Uwe Jensen sind an diesem Tag das erste Mal in der Klasse. Sie kommen von der EWTO-Schule (Europäische Wing Tsun Organisation) in Dänischenhagen und sollen die Kinder für das Thema Fremdtäter und Mitschnacker sensibilisieren.

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Wie allen Kindern fällt es Artjom schwer, bei der Übung ernst zu bleiben, doch er reagiert genau richtig, als der „böse Fremde“ Uwe Jensen ihn erst aus dem Auto heraus anspricht und schließlich sogar aussteigt: Abstand wahren, ignorieren und schnell weglaufen.

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„Wir sagen unseren Kindern, nicht mit Fremden mitzugehen, doch oft wissen sie nicht, was das bedeutet“, sagt Trainerin Rütze. „Für manche Kinder ist man schon kein Fremder mehr, wenn sie den Namen kennen.“ Auch glaubt ein Teil der Kinder, böse Fremde am Aussehen zu erkennen. „Die haben einen grünen Pullover und schwarze Hosen an“, sagt einer der Schüler. Rütze stellt klar: „Jeder, der nicht zu eurer Familie gehört, ist ein Fremder. Auch wir, auch eure Lehrer, auch wenn ihr sie schon etwas länger kennt.“ Und natürlich sind böse Fremde nicht an Kleidung oder Aussehen zu erkennen.

In mehreren Rollenspielen trainieren die Schulanfänger, wie sie reagieren sollen, wenn sie angesprochen werden: Nicht auf den Fremden reagieren, weiterlaufen, dabei gerade gehen, den Kopf hoch. „Groß machen, keine Opferhaltung“, erinnert Rütze, während die Kinder entsprechend an ihrem Kollegen vorbeigehen sollen. Nicht einfach für die Kleinen, denn Trainer Jansen spricht jeden von ihnen an: „Hey Kleine, willst du einen Bonbon?“ Immer wieder müssen die Kinder lachen, gucken doch aus dem Augenwinkel zu dem Mann, den sie ignorieren sollen. Dass solche Übungen mit Kinder wiederholt werden müssen, zeigt sich spätestens bei der nächsten Situation auf dem Spielplatz.

Eigentlich wissen die Kinder genau, was sie machen sollen, wenn sie von Fremden angesprochen werden: ignorieren, weglaufen, wenn sie nicht in Ruhe gelassen werden. „Auch wir sind Fremde“, erinnert Rütze. Doch es dauert nicht lang, bis sie doch die ersten Kinder an der Hand hat. „Ich habe meinen Schlüssel im Klassenzimmer liegen gelassen“, sagt sie zu einem Mädchen, das sich daraufhin bereitwillig an die Hand nehmen und aus dem Sandkasten führen lässt. Der Trick funktioniert häufig. „Erschreckend, nicht wahr?“, sagt Jansen. Immer wieder erklärt Rütze, was falsch gemacht wurde.

Schließlich fallen die Kinder nicht mehr drauf rein. Bei der Übung am Wagen dann lassen sich die Kinder nicht mehr anlocken, halten Abstand und fangen zu rennen an, als Jensen, den bösen Fremden mimend, sogar das Auto öffnet und aussteigt.

300 Euro hat das Training für die drei ersten Klassen gekostet, finanziert hat das die Schule, sagt Schulleiter Sven Teegen. Es war ein Beschluss der Schulversammlung, immer wieder gebe es Gerüchte, dass Autos in Schulnähe halten und Kinder angesprochen werden, sagt er. Nun werde überlegt, das Training für alle Erstklässer obligatorisch einzuführen. Dann allerdings müsste man neue Wege der Finanzierung finden.

„Wir sagen Kindern, sie sollen nicht mit Fremden mitgehen, doch sie wissen nicht, was fremd ist.“
Trainerin Birte Rütze, EWTO-Schule

Nadine Materne

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