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Segeberg „Mobbing ist überall“ – vor allem an Schulen
Lokales Segeberg „Mobbing ist überall“ – vor allem an Schulen
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22:06 29.12.2017
Besonders an Schulen ist Mobbing verbreitet. Neue Medien machen es Mobbern noch leichter ihre Opfer zu belästigen.
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Bad Segeberg

Ein Netz gegen Mobbing gestalteten die Schüler in Trappenkamp beim Anti-Mobbingtag Anfang Dezember. Und im Berufsbildungszentrum in Bad Segeberg sammelten die Schüler Dinge an sich selbst, die sie mögen, auf Plakaten – um jedem Einzelnen klar zu machen, warum er oder sie es nicht nötig hat, andere abzuwerten, um sich besser zu fühlen, begründen die Organisatoren die Aktion. Ein guter Ansatz, denn: „Mobber haben meist selbst ein Problem“, erklärt Psychologin Silke Ohrtmann. „Sie wollen meist gar nicht piesacken, sondern ein Machtgefühl haben, das sie vielleicht brauchen, um etwas zu überspielen. Oder um selbst nicht untergebuttert zu werden.“ Dann greife das Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. „Bevor ich gemobbt werde, mobbe ich“, so Ohrtmann weiter. „Teenager suchen ihre Rolle, sie wollen eine Position haben, in der sie sicher sind, in der man ihnen nichts anhaben kann.“

Das Spendenkonto

Empfänger:

Deutscher Kinderschutzbund

Segeberg gGmbH

Konto: Sparkasse Südholstein

DE42 2305 1030 0510 5092 68

Verwendungszweck:

Spendenaktion „Hilfe im Advent“

Die Namen der Spender werden in den LN veröffentlicht soweit bei der Überweisung der Spende nicht „anonym“ angegeben wird.

HILFE IM ADVENT

Jutta Hamann 30 Euro, anonym 25 Euro, Joachim Westerhaus 75 Euro, anonym 50 Euro, anonym 50 Euro, Dr. Christine Petersen 500 Euro, Andrea und Alexandra Hartmann 100 Euro, Cara Henze 20 Euro, Katrin Grefen 50 Euro.

Aktueller Spendenstand:

7858 Euro

Dabei würden die Mobber oft ausblenden, was systematisches Niedermachen mit den Betroffenen mache. Opfer von Mobbing seien oft Jugendliche und Kinder mit wenig Selbstvertrauen und wenigen sozialen Kontakten, weiß Ohrtmann. Durch Hänseleien über die Figur, das Aussehen, die Klamotten oder Beleidigungen sinke deren Selbstbewusstsein noch weiter. Oft geben sich Betroffene selbst die Schuld: ,Ich bin ja wirklich dick, kein Wunder, dass man mich ärgert.’ „Diese negativen Gedanken sich selbst gegenüber dürfen natürlich nicht sein“, betont Ohrtmann. Die Auswirkungen von Mobbing, gerade bei stärkeren Formen mit Gewaltandrohung, Diebstahl oder Erpressung, können aber auch schwerwiegender sein und reichen von Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Schulverweigerung oder sogar depressiven Tendenzen und Suizidgedanken.

Hier ist Hilfe angesagt. Gerade von Schulseite. Denn Mobbing könne man eigentlich nicht übersehen. „Wer wissen will, wer die Mobber sind, braucht nur drei Kinder zu fragen“, ist sich Ohrtmann sicher.

Für sie gehört das Thema Mobbingprävention an jede Schule. „Und viele Schulen machen auch schon viel.“ Es werden Konfliktlotsen ausgebildet, es gibt Schulsozialarbeiter und Präventionsprojekte, die das Thema aufgreifen – zum Beispiel für den Anti-Mobbingtag. „Je offener mit dem Thema umgegangen wird, desto eher reden auch die Opfer“, sagt Ohrtmann. Eine große Rolle bei der Prävention spiele auch Medienkompetenz. Denn die neuen Medien machten es noch leichter, andere anzufeinden, „ohne dem anderen dabei überhaupt ins Gesicht sehen zu müssen“.

Wer Mobbing erfährt und nicht weiterkommt mit elterlichen Tipps, wie das Ignorieren der Sticheleien, sollte sich auf alle Fälle Hilfe holen und Verbündete suchen, rät Ohrtmann. Ob beim Vertrauenslehrer, dem Schulsozialarbeiter, bei den Eltern oder einer guten Freundin. „Zu zweit ist man doppelt stark.“ Professionelle Hilfe gibt es zum Beispiel beim Kinderschutzbund. „Wir wenden uns in erster Linie an die Institution“, sagt Ohrtmann. Wie etwa bei einem Fall von zwei Segeberger Mädchen, die immer wieder Opfer von Schikanen wurden. Dann gibt es Gespräche mit den Mobbern, aber das Thema wird wie in diesem Beispiel nun in allen Klassen behandelt. Keine Rückmeldung über die Folgen ihrer Schikanen bei den Schuldigen sei eine der entscheidenden Gründe, warum Mobbing weitergeht und nicht aufhört, betont Ohrtmann.

Das Beenden einer Mobbing-Situation sei im Übrigen auch für den Mobber hilfreich, denn: „Es besteht eine vierfach erhöhte Chance bei Mobbern, später straffällig zu werden“, sagt sie, „weil erworbene Durchsetzungsstrategien eigener Ziele mit aggressiven Mitteln kontinuierlich verstärkt werden.“ Zumindest, wenn sie mit ihrem Verhalten durchkommen.

Was ist Mobbing?

„Wenn man einmal blöd angemacht wird, ist das noch kein Mobbing“, erklärt Silke Ohrtmann, Psychologin bei der Deutschen Kinderschutzbund gGmbH. Mobbing sei das systematische Niedermachen eines anderen über eine längere Zeit hinweg. Das reicht von Hänseleien über die Figur oder andere Schwachstellen der Opfer bis hin zu Gewalt, Bedrohung, sogar Erpressung. Mobbing ist der Missbrauch einer Machtstellung. „Für den Mobber ist das Verhalten oft ein Entlastungsventil für Aggressionen, er holt sich damit Anerkennung“, sagt Ohrtmann. Oft sei Mobbing auch ein Versuch, eigene Minderwertigkeitsgefühle an anderen auszulassen. Und Mobbing sei für diejenigen wichtig, die ein falsches Gemeinschaftsgefühl haben.

Mobbing lässt sich in Phasen einteilen. Am Anfang steht die Sündenbocksuche, es folgen psychische Verletzungen. In der dritten Phase wird das Mobbing von Außenstehenden bemerkt und es kann eine Gruppendynamik entstehen, wenn Schaulustige sich hinter den Mobber stellen. „Spätestens jetzt merkt man es“, betont Ohrtmann. Dies sei die Phase mit der letzten Möglichkeit, gezielt dagegen vorzugehen. In der vierten und letzten Mobbingphase ist das Opfer schon so stark belastet, dass psychische Schäden entstehen. „Wenn es bis zu Selbstverletzungen kommt oder Betroffene sich völlig isolieren, nicht mehr zur Schule gehen oder depressive Zustände bekommen – oder auch aggressiv werden und völlig ausrasten“, zählt Ohrtmann mögliche Folgen auf.

Wer gemobbt wird und nicht mehr weiter weiß, kann sich an das Kinderschutzzentrum des Kinderschutzbunds wenden, Telefon: 04551/888 88.

 Nadine Materne

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