Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Möbelstücke aus dem Baum im eigenen Garten
Lokales Segeberg Möbelstücke aus dem Baum im eigenen Garten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:32 11.08.2018
Der Abtransport eines Baumes ist auch für Jens Rickert nicht immer einfach. 
Anzeige
Seth

Holz lebt. Es kann Geschichten erzählen und hält Erinnerungen wach: An den Großvater, der im Garten immer im Schatten des Kirsch- oder Apfelbaumes gesessen hat, oder an die Kinder, die dort zum ersten Mal geschaukelt oder auf seinen starken Ästen das erste Baumhaus gebaut haben. Von solchen Erinnerungen hört Thomas Rickert immer wieder, wenn er sich Bäume in den Gärten seiner Kunden ansieht und mit ihnen bespricht, was man aus deren Holz machen kann und was nicht.

Jahrzehntelang war der Kirschbaum im eigenen Garten Teil des Familienlebens. An ihm hängen Erinnerungen. Doch dann wird er krank und muss gefällt werden. Wem der Abschied schwerfällt, der ist bei Tischlermeister Thomas Rickert an der richtigen Adresse. Er verarbeitet Lieblingsbäume zu Möbelstücken.

„Im Grunde genommen kann man aus jedem Baum ein Möbelstück bauen. Nur sofort geht das nicht, denn jedes Holz muss trocknen, bis es weiterverarbeitet werden kann. Als grobe Richtung geht man von zwei Jahren aus“, erzählt der Tischlermeister, der die Tischlerei weiterführt, die sein Vater Jens aufgebaut hat. Ob der jeweilige Baum tatsächlich zur Bank, zum Tisch oder zur Garderobe taugt, sieht aber auch er erst während der Fällarbeiten. „Manchmal sehen Bäume von außen noch gesund aus, von innen aber sind sie hohl und somit für Möbel nicht mehr zu gebrauchen.“

Einen alten Baum aus einem Garten abtransportieren zu können, ist nicht immer einfach. „Was wir selbst machen können, machen wir. Mein Vater hat sogar schon mal ein mobiles Sägewerk um einen Baum herumgebaut, um ihn vor Ort in Bohlen zu schneiden und abtransportieren zu können. In manchen Fällen aber beauftragen wir ein Dienstleistungsunternehmen“, erzählt Rickert, der aber auch schon Kunden von einem solchen Vorhaben abgeraten hat. „In einem Fall hätten wir einen Baum nur mit einem Kran vom Grundstück bekommen, der den Stamm dann auch noch über das Haus hätte heben müssen. So ein Aufwand steht dann wirklich in keinem Verhältnis mehr zu dem Möbelstück, das daraus werden soll.“

Kunden, die ihren Baum zu einem Möbelstück verarbeitet haben möchten, haben meistens klare Vorstellungen, wenn sie Thomas Rickert anrufen. „Wir haben zwar auch schon Schlafzimmer aus Bäumen der Kunden gebaut, der Renner aber sind Tische, Bänke und vor allem Waschtische, bei denen die Waschschüsseln auf einem natürlich belassenen Brett stehen“, erzählt Rickert, der in solchen Fällen mit der Sanitärfirma „Alles Meyer“ aus Borstel zusammenarbeitet.

Doch genauso gebe es auch Kunden, bei denen die Vorstellungen erst heranreifen müssen. Dabei ist dem Tischlermeister einer besonders in Erinnerung geblieben: „Er hat zugesehen, wie wir die Bohlen aus seinemBaum geschnitten haben. Man konnte mit jedem Schnitt förmlich sehen, wie es in seinem Kopf gearbeitet hat und die Ideen gereift sind.“

Ungewöhnliche Kundenwünsche hat es bereits mehrere gegeben. „Eine Dame aus Norderstedt hatte bei uns angerufen. Wir sollten einen Kirschbaum zuschneiden, der dann bei ihr trocken gelagert werden sollte“, denkt Thomas Rickert zurück. Mit dem Holz hatte sie etwas ganz Besonderes vor. „Sie hatte mit dem Harfespielen angefangen und wollte sich aus dem Holz eine Harfe bauen lassen. So weit reicht unsere Musikalität leider nicht. Die Aufgabe hat ein Instrumentenbauer aus dem Wendland übernommen“, verrät der Tischlermeister, der es sich nicht nehmen ließ, dem Fachmann mit Musikverstand bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. „Das war sehr interessant. Die Kundin hatte ich gebeten, mit der Harfe ein Konzert in unserer Tischlerei zu geben. Das müsste eigentlich bald soweit sein.“

Manchmal ist Thomas Rickert selbst darüber erstaunt, wie kunstvoll die Natur ist und welche Kunstwerke sich in den Bäumen verbergen. Zwei solcher Kunstwerke sind in seinem Büro zu finden. Eins ist ein Schnitt einer Eibe aus seinem eigenen Garten. Jeder Betrachter sieht darin zwei jubelnde Menschen, deren Köpfe durch einen Ast entstanden sind. Das zweite ist ebenfalls ein Baumschnitt. Mit etwas Fantasie lassen sich darin die Cartoonfiguren Willi Kojote und Road Runner erkennen.

Von Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige