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Segeberg Mit seiner Eifersucht machte er ihr das Leben zur Hölle
Lokales Segeberg Mit seiner Eifersucht machte er ihr das Leben zur Hölle
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12:43 05.12.2018
Der 48 Jahre alte Angeklagte (vorn) wird am fünften Verhandlungstag von Zeugen als ein von krankhafter Eifersucht getriebenen Kontrollfreak beschrieben. Quelle: Carsten Rehder/dpa (Archiv)
Kiel/Schackendorf

Neue Einblicke in die schwierige Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten brachte der fünfte Prozesstag um den Mord an der 34-jährigen Krankenschwester Nadine L. am 1. November 2017 in Schackendorf. Zeugen beschrieben Volker L. als einen von krankhafter Eifersucht getriebenen Kontrollfreak.

Er wollte wissen, ob da „noch andere Männer arbeiten“

Eine Kollegin der Getöteten aus dem Psychiatrischen Krankenhaus in Rickling berichtete dem Schwurgericht von andauernden Anrufen von Volker L. auf der Arbeitsstelle seiner Frau. „Es ging so weit, dass sie immer beide Stationshandys bei sich hatte, um auf seine Anrufe reagieren zu können“, schilderte die 51-jährige Krankenpflegerin. War Nadine L. beispielsweise auf einer anderen Station als Aushilfe eingesetzt, was bisweilen vorkam, habe er von seiner Frau wissen wollen, ob „dort dann auch Männer arbeiteten“. Auch im Gespräch unter Kolleginnen habe die junge Frau von den Eifersuchtsanfällen ihres Mannes berichtet, der ihr Affären unterstellte. „Gleichzeitig hat sie aber auch immer wieder gesagt, dass sie ihn trotz allem sehr liebte“, erinnerte sich die Zeugin. Dass es tatsächlich Affären gab, habe sie – einmal von ihren Kolleginnen direkt danach gefragt – verneint. Auch gewalttätige Übergriffe weder gegen sie noch den gemeinsamen dreijährigen Sohn durch Volker L. habe es gegeben, versicherte sie ihren Vertrauten im Krankenhaus. „Es war ambivalent bei ihr. Einerseits wollte sie an ihrer Ehe unbedingt festhalten, andererseits sprach sich auch mal von Trennungswünschen.“ Auch wegen ihres Sohnes, den sie über alles geliebt habe, habe sie sich das jedoch nicht getraut.

Ihr Mann „widerte sie nur noch an“

In den letzten Wochen vor ihrem gewaltsamen Tod sei diese Ambivalenz jedoch in offene Abneigung umgeschlagen. „Er widert mich mit seinem Verhalten nur noch an“, soll Nadine L. laut Zeugin über ihren Mann gesagt haben.

Damit hatte wohl auch zu tun, dass Volker L. sie offenbar genötigt hatte, ihren Sport – sie lernte Kung Fu in einer Sportschule – aufzugeben. „Dabei hat sie das geliebt und immer wieder gesagt, wie gut ihr das tue und sie sich das auf keinen Fall ,von ihm’ wegnehmen lassen wolle“, berichtete die Arbeitskollegin.

Mit Feuereifer, großem Ehrgeiz und Begeisterung sei Nadine L. dabei gewesen, sagte auch ihr Kampfsportlehrer (58). „Das sieht man so bei einem Schüler selten.“ Nach nur knapp acht Monaten sei sie bereit für die Prüfung für den gelben Gurt gewesen. „Normal sind zwölf bis 18 Monate“, so der Kung-Fu-Meister. Dennoch: „Gegen einen Angreifer verteidigen können hätte sie sich nicht“, stellte der 58-Jährige klar und widerlegte damit ein wichtiges Argument der Verteidigung. Anfänger seien dazu erst nach mehreren Jahren in der Lage.

Kurz vor der Prüfung habe sie dem Sport jedoch den Rücken gekehrt. Um ihre „Ehe zu retten“, wie sie damals gesagt habe. Der Lehrer vermutete aber noch andere Hintergründe. Mehrfach sei Volker L. während der Trainingsstunden seiner Frau in der Schule aufgetaucht, habe die Stunden beobachtet, ein düsteres Gesicht gezogen und schlechte Stimmung unter den Teilnehmern verbreitet. Er habe ihr Engagement für den Sport nicht gern gesehen, berichteten Arbeitskollegin und Trainer übereinstimmend.

Geliebten Hund in aller Heimlichkeit beseitigt

Konnte Volker L. nicht ertragen, dass seine Frau noch etwas anderes liebte als nur ihn und den Sohn? Dafür spricht auch die Episode mit „Molly“, dem ersten Hund seiner Frau. Eines Tages sei Nadine L. von der Arbeit nach Hause gekommen, wo ihr Volker L. eröffnet habe, dass die Hündin angefahren und auf dem Weg zur Tierklinik in Wahlstedt gestorben sei. Tatsächlich war Volker L. an diesem Tag bei der Tierklinik vorstellig geworden – allerdings ohne Hund, wie eine als Zeugin geladene Tierärztin schilderte. „Er hat uns erklärt, den Hund selbst überfahren zu haben, sei aber aus emotionalen Gründen nicht dazu in der Lage, das Tier vorbei zu bringen.“ Das würde ein Freund später erledigen, so die Veterinärin. L. habe aber darauf bestanden – gegen Quittung – eine Anzahlung von 50 Euro für die spätere Behandlung zu leisten.

Dazu kam es nicht. In Wirklichkeit erfreute sich das Tier nämlich bester Gesundheit: Über eine Internet-Kleinanzeige hatte der Angeklagte die Rassehündin heimlich für 950 Euro verkauft. „Er hat mir gesagt, er könne sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um den Hund kümmern, da seine Frau sich von ihm getrennt habe“, sagte die Käuferin (43) am Dienstag vor Gericht aus. Das sei ihr alles plausibel vorgekommen. „Er hat aber darauf bestanden, dass ich mich nie wieder bei ihm melden solle. Das fand ich schon etwas merkwürdig.“

Oliver Vogt

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