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Segeberg Mordprozess beginnt im Oktober
Lokales Segeberg Mordprozess beginnt im Oktober
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22:30 09.08.2018
2. November 2017: Ein Großaufgebot von Polizeibeamten sucht in der Nähe des Fundorts der Leiche nach Spuren. Quelle: Foto: Materne*
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Schackendorf/Kiel

In dem auf acht Tage angesetzten Prozess will die Kieler Staatsanwaltschaft beweisen, dass er es gewesen ist, der seine Frau am 1. November 2017 an einem Wirtschaftsweg Nahe der A 21 mit einem „stumpfen Gegenstand“ – dem Vernehmen nach einer Holzlatte – tötete und ihre Leiche dort zurückließ. Um seine Tat zu verdecken, so die Überzeugung der Anklage, soll der 47-Jährige den Unterleib entkleidet haben, um so ein Sexualverbrechen an ihr vorzutäuschen.

„Ich werde darlegen, warum von der Unschuld meines Mandanten auszugehen ist.Dr. Jonas Hennig

Verteidiger

Der Beschuldigte hatte seine Frau am Abend des 1. November selbst bei der Polizei als vermisst gemeldet und einen Tag darauf den Fund ihrer Leiche bei der Polizei angezeigt, nachdem er sich – so jedenfalls seine Version der Geschichte – gemeinsam mit einem Nachbarn auf die Suche nach ihr gemacht hatte. Wegen dringenden Mordverdachts hatte die Staatsanwaltschaft ihn am 3. November dennoch festnehmen lassen.

Seither befindet sich der Vater des gemeinsamen dreijährigen Sohnes in Untersuchungshaft. Obwohl der Schackendorfer seine Unschuld beteuert, wiegen die Verdachtsmomente aus Sicht der Staatsanwaltschaft und des zuständigen Haftrichters jedoch so schwer, die Untersuchungshaft aufrecht zu erhalten. Ob diese Verdachtsmomente auch für eine Verurteilung wegen Mordes ausreichen, bleibt aber abzuwarten.

Der Angeklagte werde auf sein Anraten hin zu den Tatvorwürfen vor Gericht keine Angaben machen, kündigte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Jonas Hennig aus Lüneburg, gestern den LN an. „Ich werde aber ein halbstündiges Eröffnungsstatement halten und darlegen, warum von der Unschuld meines Mandanten auszugehen ist“, sagte Rechtsanwalt Hennig. Aus Sicht des Juristen habe die Anklagevertretung außer eines „Konglomerats an Anschuldigen“ bisher nichts vorgelegt, was eine Schuld des 47-Jährigen belegen könne. Zu gegebener Zeit wolle sich Hennig deshalb auch um die vorzeitige Entlassung seines Mandanten aus der Untersuchungshaft bemühen.

Erwartungsgemäß hat die Staatsanwaltschaft eine völlig andere Sicht der Dinge. Nach deren Ermittlungen habe es vor dem Tod der 34-jährigen Mutter „starke Spannungen“ zwischen den Eheleuten und damit ein Motiv für den Mord gegeben. Ebenfalls für die Schuld des Ehemannes spreche dessen verschwundene Kleidung. Kurz vor dem ermittelten Todeszeitpunkt der Frau war er von der Überwachungskamera einer Tankstelle aufgenommen worden. Allerdings waren die Kleidungsstücke, die der Mann zu diesem Zeitpunkt getragen hatte, später nirgendwo mehr auffindbar. Wurden sie entsorgt, weil möglicherweise Blutspuren an ihnen klebten?

Zu den weiteren Indizien, mit denen man die Schuld des Schackendorfers am Tod der jungen Krankenschwester beweisen will, hat sich die Staatsanwaltschaft bisher noch bedeckt gehalten. Der Umstand, dass das Gericht den Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen aber noch immer aufrecht erhält, die Untersuchungshaft Anfang Mai sogar um weitere sechs Monate verlängert habe, zeige jedoch, dass es entsprechend schwerwiegende Hinweise für die Schuld des Angeklagten gebe, sagte der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler.

In dem Prozess vor der Schwurgerichtskammer sollen insgesamt 37 Zeugen gehört werden. Das sei aber nur eine Auswahl aus den mehr als 90 in der Anklageschrift benannten Zeugen, sagte Karin Witt, Sprecherin des Landgerichts, den LN. Außerdem werden zwei Gutachter – ein Rechtsmediziner und ein Psychiater – an der Verhandlung teilnehmen. Allein für die Beweisaufnahme hat die Kammer fünf Tage eingeplant. Sofern der Zeitplan des Gerichts eingehalten wird, könnte ein Urteil am 14. Dezember fallen.

Oliver Vogt

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