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Segeberg Mordprozess um getötete Ehefrau in Schackendorf wird zum Marathon
Lokales Segeberg Mordprozess um getötete Ehefrau in Schackendorf wird zum Marathon
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10:36 18.12.2018
Am Landgericht in Kiel wird der Prozess um die ermorderte Frau aus Schackendorf verhandelt. Quelle:  
Kiel

Nach ihrer ursprünglichen Terminplanung hätte die Schwurgerichtskammer ihr Urteil im Fall Schackendorf schon am letzten Freitag verkündet. Doch der Prozess gegen den wegen Mordes angeklagten Ehemann Volker L. (48), der seine Frau Nadine (34) im November 2017 bei einem Spaziergang in der Feldmark „aus niedrigen Beweggründen“ erschlagen haben soll, entwickelt sich zum Marathon.

Am Montag verhandelte das Gericht bis in den frühen Abend und vertagte sich auf den 7. Januar. Ein Ende der Beweisaufnahme ist trotz disziplinierter Verhandlungsführung und knapp bemessener Pausen wohl erst in mehreren Monaten zu erwarten: Gestern stimmten die Prozessbeteiligten weitere Fortsetzungstermine bis Anfang April 2019 ab.

Detaillierte Zeugenbefragung

Für die Verzögerung ist auch die engagierte Verteidigung verantwortlich. Doch nicht nur Rechtsanwalt Jonas Hennig (Lüneburg) treibt die Zeugenvernehmungen durch beharrliche Nachfragen in die Länge. Auch die Strafkammer mit dem Vorsitzenden Jörg Brommann, Staatsanwältin Hanna Schmücker-Borgwardt und der Anwalt der Mutter des Opfers, Oliver Jürgens, achten auf jede Nuance. Immer wieder hinterfragen sie Zeugenaussagen, sobald sie von früher protokollierten Angaben bei der Polizei abweichen.

Gleichzeitig schöpft der Indizienprozess die ganze Bandbreite der Kriminaltechnik aus. Ob der Defibrillator des herzkranken Angeklagten in der Tatnacht eine erhöhte Pulsfrequenz und damit den Hinweis auf körperliche Anstrengung dokumentierte, ist nur ein Gutachter-Thema von vielen. Ein anderes ist der ominöse Fingerabdruck eines polnischen Straftäters auf der Tatwaffe, einem Zaunpfahl. Die Identität des 32-Jährigen ist bekannt, sein Aufenthaltsort nicht.

Minutiös arbeitet das Gericht die Vergangenheit des Angeklagten seit frühester Kindheit auf. Volker L. folgt der inzwischen neuntägigen Beweisaufnahme meist in gekrümmter Sitzhaltung. Die Stirn in die Hand gestützt, wendet dem Publikum im Saal den Rücken zu. Während sein Anwalt ihm gelegentlich aufmunternd zunickt, werden peinliche Details ausgebreitet.

Zur Sprache kommen die seit 20 Jahren drückenden Schulden, die unzähligen Umzüge, die Vorstrafen und kurzen Haftaufenthalte wegen nicht gezahlten Kindesunterhalts, Diebstahls, Betrugs und Unterschlagung. Volker L.s Lügen von einer angeblichen Erbschaft, sein jahrelanges Untertauchen nach einer durch falsche Versprechungen erlangten Haftverschonung. Doch von Gewalttaten wurde bisher nichts berichtet.

Videos zeigen Ehepaar

Als Volker L. in der Tatnacht vor einem Geldautomaten der Wahlstedter Volksbank steht, blickt er immer wieder kontrollierend auf beide Hände, im Fokus die Finger und Fingernägel. Das hält eine Überwachungskamera fest. Kontrolliert er hier auf Tatspuren? „Viele Menschen gucken sich ab und zu ihre Hände an“, sagt der Verteidiger.

Vor laufender Kamera agierten Volker L. und seine Frau auch während des kurzfristig angesetzten Urlaubs im Harz. Wie ein Video aus dem Hotelflur zeigt, verlässt Nadine L. keine zwei Tage vor ihrem Tod allein das Zimmer - in Socken, mit verschränkten Armen. Sie läuft auf dem Flur hin und her, bis der Angeklagte sie mit offensiven Handbewegungen zurück ins Zimmer dirigiert.

Die Kameras im Außenbereich des Hotels dokumentieren, wie die Eheleute auf Abstand gehen. Vorher bleiben sie auf dem Parkplatz lange in ihrem Mietwagen sitzen, einmal 20, einmal 40 Minuten. Kurz vor ihrer überstürzten Abreise holt Volker L. das Handy seiner Frau aus dem Pkw. Das Video zeigt, wie er damit herumhantiert, möglicherweise die SIM-Karte herausnimmt. Das Gerät wurde später von Hotelgästen am Parkplatz gefunden.

Keine 24 Stunden später starb Nadine L.. In ihrer zerschmetterten Stirn klaffte ein tischtennisballgroßes Loch, berichtet die Notärztin. Auf den ersten Blick erkannte die Zeugin, dass der Frau nicht mehr zu helfen war. „Sie lag verdreht, als ob alle Körperteile gebrochen wären.“ Der Angeklagte war angesichts der Leiche „sehr aufgebracht“, so die Zeugin. „Er war traurig, hat geweint.“

Eine öffentliche Prognose, ob die Indizien am Ende für eine Verurteilung reichen oder nicht, traute sich von den Beteiligten bisher nur einer zu: Der Verteidiger hat sich schon am ersten Prozesstag auf Freispruch festgelegt.

Thomas Geyer

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