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Mutter mit Messerstichen getötet - 21-Jähriger muss in Psychiatrie

Oering/Kiel Mutter mit Messerstichen getötet - 21-Jähriger muss in Psychiatrie

Nach der Tötung seiner Mutter hat das Landgericht Kiel für den Beschuldigten Martin R. (Name geändert) die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Spurensicherung und Kriminalpolizei sammelten am Tatort Beweise, um das Geschehen zu rekonstruieren.

Quelle: DanFoto (Archiv)

Kiel/Oering. Es gebe derzeit „keine Alternative“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Becker gestern Nachmittag in seiner Urteilsbegründung. Der 21-Jährige war zur Tatzeit am 14. Januar aufgrund einer psychischen Erkrankung „zumindest vermindert schuldfähig“, höchstwahrscheinlich aber auch ganz schuldunfähig.

Auf Totschlag – nicht auf Mord, wie es die Staatsanwaltschaft angeklagt hatte – entschied die 2. Große Strafkammer. Das einzig in Frage kommende Mordmerkmal „Heimtücke“ sei R. nicht nachzuweisen. Er habe krankheitsbedingt kein Motiv gehabt, als er in dem Haus in Oering mit einem Messer auf seine Mutter losging und sie tödlich verletzte. Auch bestünden Zweifel daran, dass sich R. der Arglosigkeit der Mutter in der Situation bewusst gewesen sei. R.s Angriff sei offen feindselig und von vorn, nicht etwa hinterrücks erfolgt, erklärte Stefan Becker. In seiner Steuerungsfähigkeit sei R. psychisch bedingt aber derart eingeschränkt gewesen, dass er nichts habe kontrollieren können, fasste der Richter die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters zusammen.

An der Täterschaft von R. bestünden indes keine Zweifel. Der Beschuldigte ist in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar mit seiner Freundin Karina P. (Name geändert) unterwegs gewesen. Sie konsumierten Cannabis. Schon hier verhielt sich R. auffällig, redete wirres Zeug. Gegenüber verschiedenen Zeugen verhielt sich R. an jenem Tag rüde, beschimpfte sie. Auch als er im Haus in Oering zunächst ein großes Frühstück für seine Freundin vorbereitete, dabei auch brennende Kerzen hinter der Gardine aufstellte, reagierte er auf die Warnung der Mutter über die Gefahren der Flamme erbost.

Später verließen Karina und Martin das Haus, rauchten wieder einen Joint, worauf R. keine klaren Sätze mehr zustande gebracht haben soll, schilderte der Richter den Tatverlauf. In diesem Zustand betrat R. gegen 18.40 Uhr das Elternhaus und traf im Wohnzimmer seine Mutter an, die mit ihrem Vater telefonierte. R. ging in die Küche, nahm sich ein Messer mit einer 15 Zentimeter langen Klinge und griff schreiend seine Mutter an. Auch die 40-Jährige habe noch geschrien, bevor ihr Sohn zustach.

Ein Stich verletzte ihre Lungenschlagader. Die 40-Jährige verblutete laut Rechtsgutachten binnen Minuten. Das Opfer hatte noch Zeit, ihren zweiten Sohn aufzufordern, einen Krankenwagen zu rufen. Ihr Vater kam aus dem Nachbarhaus zur Hilfe und überwältigte seinen um sich tretenden und obszön schimpfenden Enkel nur mit Mühe. Der eintreffende Rettungsdienst konnte dem Opfer nicht mehr helfen. R.

selbst war erst mit einem Beruhigungsmittel unter Kontrolle zu bringen, schilderte Richter Becker die Vorgänge, an denen keine Zweifel bestünden. Der Beschuldigte habe sich in dem Verfahren, das größtenteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit ablief, auf Erinnerungslücken berufen, die Tat aber für möglich gehalten. Zudem habe der Großvater seinen Enkel bei der Tat erwischt, auch wenn er die Stiche nicht gesehen habe, so Becker.

Seit der Tat befindet sich Martin R. in einer psychiatrischen Klinik und wird dort bleiben müssen, so Becker. Auch wenn er unter dem Einfluss von Medikamenten vor Gericht Beobachtern normal vorkomme. Laut psychiatrischem Gutachten leide R. an einer schizo-affektiven Störung. Womöglich forciert durch den Cannabiskonsum. Und wegen R.s Cannabissucht, die bisher nicht behandelt wurde, könne ein ähnlicher Angriff wieder geschehen, begründete Becker die weitere Unterbringung des Beschuldigten. R. sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, auch wenn die Verteidigung das anders sehe. Die Prognose des Gutachters hierzu sei schlecht. Zumindest mit Körperverletzungen durch R. sei zu rechnen. Und wie die Verhandlung ergeben habe, sei R. bereits 2015 gegenüber seinem Vater gewalttätig geworden. Damals ohne ernsthafte Verletzungen.

Da der Beschuldigte zur Tatzeit noch ein Heranwachsender war sowie unter Berücksichtigung seines gesundheitlichen Zustands war die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung bis zur Urteilsverkündung gestern ausgeschlossen worden. Gegen das Urteil kann die Verteidigung binnen einer Woche Revision einlegen.

 Nadine Materne

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