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Segeberg Nach A 20-Baustopp: Doch ein Tunnel?
Lokales Segeberg Nach A 20-Baustopp: Doch ein Tunnel?
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23:10 07.11.2013
Ein Wahnsinnsprojekt oder die ideale Lösung? In Sachen A 20-Verlauf durch Bad Segeberg — ob als Tunnel, auf Stelzen oder unter Glas wie auf dieser Computeranimation — scheiden sich die Geister. Quelle: Initiative Nordbogen

Alles auf Anfang. Mit dem Baustopp der A 20 bei Bad Segeberg wird die Südumgehung in Frage gestellt. In Klein Gladebrügge, der erfolgreich klagenden Gemeinde gegen die bisher geplante Trassenführung, wurde nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes einmal mehr der Ruf nach einer Tunnellösung durch Bad Segeberg laut.

Seit Jahren trommeln die Klein Gladebrügger für diese Variante, die bereits Mitte der 90er Jahre von Bund und Land verworfen wurde. In Höhe des Fernsehturmes könnte der Verkehr in einen 450 Meter langen Tunnel geleitet werden. Etwa auf Höhe des Katasteramtes könnte er enden. Die Variante war auch in der Umweltverträglichkeitsstudie favorisiert worden. Unterstützung gab es von der Initiative Nordbogen mit Architekt Nic Pohlmann, der später noch eine andere Lösung für eine Stadtquerung vorstellte: eine Art hochgestellte gläserne Röhre. Auch Pohlmann kämpfte für einen Baustopp der Südumgehung. Der ist erreicht, doch das Tunnel-Projekt hat wenig Fans in der Politik. Einzig die Grünen-Fraktionssprecherin Annelie Eick sagte zum Urteil: „Ich freue mich für die Bad Segeberger, wir haben da oben ein landschaftlich attraktives Baugebiet.“ Gemeint ist Burgfelde, seit Jahren bietet die Stadt hier die Grundstücke wie sauer Bier an. Keiner will ein Haus bauen, wo womöglich in ein paar Jahren eine Autobahn verläuft. Die Problematik hat sich mit dem Urteil allerdings nicht verbessert. Denn alles ist nun offen, auch die abgelehnte Trasse. Eick jedoch könnte sich einen Tunnel durch die Stadt vorstellen. „Man bräuchte allerdings eine geschickte Anbindung an die A 21“, sagt sie.

Einen Tunnel kann sich auch Joachim Wilken-Kebeck, Fraktionsvorsitzender der SPD, vorstellen. Allerdings nicht unter der Stadt, sondern im Travetal. Die Technik sei inzwischen so weit, dass diese Variante nicht teurer als das bisher geplante Brückenbauwerk würde. „Das ist für mich die intelligenteste Lösung.“ Die Stadtautobahn dagegen sei für ihn gestorben. Hier bekommt er Unterstützung von der FDP: „Das sind veraltete Pläne“, so Fraktionschef Hermann Westphal, einst Anhänger der Tunnellösung. Nun müssten die Fehler der Planung behoben werden. Er sei immer noch geschockt vom Ausmaß

der Planungsfehler — und das „im Land der Ingenieure“. Auch Heino Pfeiffer vom BBS spricht sich gegen den Tunnel aus und für eine Korrektur der vorhandenen Trasse.

IHK-Vizepräses und Daldorfer Unternehmer Bernd Jorkisch glaubt nicht an einen Tunnel durch Bad Segeberg. Auch eine Trasse weiter im Süden hält er für unrealistisch. Verwaltung und Politik müssten jetzt ihre Kräfte bündeln und die Fehler der bestehenden Trasse beheben, damit der Zeitverlust so gering wie möglich ausfalle. „Wirtschaftliche Entwicklung und Bedürfnisse der Menschen können nicht immer extremer hinter Naturschutzinteressen gestellt werden“, mahnte Jorkisch. Der nun eingetretene Zeitverlust sei eine „bittere Pille“ für Menschen und Wirtschaft.

Nadine Materne

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