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Nach Familiendrama: Oering unter Schock

Oering Nach Familiendrama: Oering unter Schock

40-Jährige stirbt vermutlich nach Angriff durch ihren Sohn — Polizei: „Messer spielte eine Rolle bei der Tat“.

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Für die 40-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Die Leiche der Frau sollte noch gestern Abend in der Gerichtsmedizin untersucht werden.

Oering. Ein Familienstreit in Oering hat ein tödliches Ende gefunden. Es war am Donnerstagabend gegen 18.45 Uhr, als die Polizei ein Notruf erreichte. Ein junger Mann teilte den Beamten mit, dass sein Bruder seine Mutter angreife. Als Polizei und Rettungswagen eintrafen, lebte die 40-jährige Frau noch — verstarb jedoch wenig später. Auch die sofort eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen konnten ihr Leben nicht mehr retten. Ein weiterer Familienangehöriger, wahrscheinlich der Vater des Opfers, hatte den 20-jährigen Täter, seinen eigenen Enkel, bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.

Laut Polizei hat bei der Tat ein Messer eine Rolle gespielt, doch offenbar noch ein weiterer Gegenstand. Die genaue Todesursache soll die Obduktion der Leiche klären. Bis in die späten Abendstunden waren Staatsanwaltschaft und Polizei gestern dabei, Aufklärungsarbeit zu leisten. Unklar war bis zuletzt allerdings, ob der 20-Jährige in Untersuchungshaft überstellt werden sollte oder aber in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht wird.

Seit 20 Jahren sollen die Spätaussiedler in dem großen, weiß verklinkerten Doppelhaus in Oering gewohnt haben. Im hinteren Bereich des Zweifamilienhauses lebten das Ehepaar Tatjana und Alexander K.

mit ihren zwei Söhnen. Den vorderen Teil des gepflegten Hauses bewohnten die Eltern des Opfers. Darüber hinaus aber hatte die Familie keinen großen Kontakt zu den Menschen in der Nachbarschaft.

Das große Polizeiaufgebot am Abend zuvor und die Nachricht vom Tod der 40-Jährigen, die in der Netto-Filiale in Itzstedt an der Kasse arbeitete, waren gestern die beherrschenden Gesprächsthemen in Oering. „Ich weiß aber gar nicht, wer die Frau ist“, sagte eine Verkäuferin der Bäckerei Michely, die nur wenige Meter vom Haus der Familie entfernt in der gleichen Straße zu finden ist. „Von der Familie hat man nicht viel mitbekommen“, betonte auch die Oeringerin Thea Groth. Selbst die unmittelbaren Nachbarn Margrit und Helmut Hengst beschreiben die Familie K. als zurückhaltend. „Eigentlich ist das eine ganz ruhige Familie. Wir haben uns gegrüßt, ansonsten aber war die Familie sehr für sich“, sagte Helmut Hengst (75). „Die beiden Jungen haben ungefähr das Alter unserer Enkel. Als sie kleiner waren, haben sie aber nie miteinander gespielt“, ergänzte Margrit Hengst (73).

Bürgermeister Thomas Steenbock kann einen Tag nach der Tat noch gar nicht fassen, was in seinem Dorf passiert ist. „Besonders wenn man bedenkt, dass vor nicht allzu langer Zeit eine Babyleiche im Nachbarort gefunden wurde. Das alles ist grausam“, so der Bürgermeister. Die Familie selbst kannte er nicht. „Sie ist hier nie in Erscheinung getreten.“ Dafür aber ist der vermeintliche Täter bei Gleichaltrigen in Oering bekannt. Eine 17-Jährige beschreibt ihn als „eigenartig“. Er habe viel Zeit mit „Ballerspielen“ verbracht und habe häufig so getan, „als würde er Leute erschießen“.

Alexander K., Ehemann der getöteten Frau, war zur Tatzeit nicht zu Hause. „Wenn ich dagewesen wäre, wäre so etwas nicht passiert“, ist er überzeugt. Fassungslos stand er gestern vor der Absperrung der Kriminalpolizei, die den ganzen hinteren Bereich des Hauses gesichert hatte. Er kann kaum nachvollziehen, was in seinem Haus passiert sein muss. Drogenabhängig sei sein Sohn nicht gewesen, dennoch kann es für Alexander K. nur einen Grund für die Tat des jungen Mannes geben: „Er muss etwas genommen haben.“

Das Motiv für die Tat des jungen Mannes ist derzeit noch vollkommen unklar. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat das Verfahren übernommen. Gemeinsam mit der Mordkommission Kiel, der Kriminaltechnik und der Kriminalpolizei Bad Segeberg werden nun die weiteren Ermittlungen zu dem Familiendrama geführt.

Petra Dreu

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