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Segeberg Nach Oktoberfest gestohlen: Goldmaries Hahn ist wieder da
Lokales Segeberg Nach Oktoberfest gestohlen: Goldmaries Hahn ist wieder da
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21:34 06.10.2017
Fahndungserfolg: Die Polizeisprecher Lars Brockmann (l.) und Arnd Habermann (r.) mit Jugendermittler Uwe Pawlowski und Hahn. Quelle: Fotos: Vogt/hfr
Bad Segeberg

Die etwa zehn jungen Männer – allesamt Mitglieder einer Landjugend aus dem Westkreis – sollen nach einem feucht-fröhlichen Besuch des Möbel-Kraft-Oktoberfestes die Schnapsidee gehabt haben, den Bronzevogel von seinem angestammten Platz vor der Sparkasse in Bad Segeberg abzubrechen, ins Auto zu verfrachten und mitzunehmen. „Alkoholbedingter Überschwang“ nennt Polizeisprecher Lars Brockmann den Grund für die Aktion. Den dürften sie inzwischen sehr bereuen, denn das Strafgesetzbuch hat für derartigen „Spaß“ überhaupt kein Verständnis. Da es sich um ein öffentliches Kunstwerk handelt, wertet das Gesetz die Tat als „besonders schweren Fall des Diebstahls“ und damit weit entfernt von der Kategorie Kavaliersdelikt. Bewehrt sind solche Taten zwischen drei Monaten und zehn (!) Jahren Gefängnis.

Das wird richtig teuer für die Jungs: Alkoholisierte Oktoberfestbesucher sind laut Polizei für den Diebstahl des Bronzehahns der Brunnenskulptur „Goldmarie“ verantwortlich. Donnerstag konnten Beamte die Täter ermitteln und den 35 Kilogramm schweren Metallvogel sicherstellen.

Hätten die jungen Männer das rechtzeitig erfahren und die Konsequenzen im Blick gehabt, wären sie wohl weniger offenherzig mit ihrer Unsinn umgegangen. Tatsächlich aber hatte einer von ihnen ein Foto des Kunstwerks in der 75 Mitglieder zählenden WhatsApp-Gruppe der Landjugend veröffentlicht. „Darauf war der Hahn aber nicht mehr vor der Sparkasse, sondern in einem Auto zu sehen“, sagt Brockmann.

Wie aus dem Chat-Protokoll ebenfalls hervorgegangen sei, hatte einige bereits das schlechte Gewissen wegen des Bier-umnebelten Vogelklaus geplagt. Pläne für die Rückgabe seien deshalb bereits „in Arbeit“ gewesen. Diese Erkenntnis kam allerdings etwas zu spät: Ein Mitglied der WhatsApp-Gruppe, das auf das Foto aufmerksam wurde, hatte es bereits einem Bekannten von der Polizei gezeigt. Bevor der Rückgabeplan reifen konnte, erhielt der Urheber des Fotos einen Anruf von der Polizei mit der Aufforderung, den Hahn „unverzüglich zu übergeben“ – was der auch höchst reumütig tat.

Vergeben und vergessen ist die Sache damit zwar längst nicht. „Es besteht aber die Chance, dass das Strafverfahren eingestellt wird“, sagt Uwe Pawlowski, Jugendermittler bei der Polizeidirektion Bad Segeberg. Unter Bedingungen jedenfalls: So müssten sich alle an der Tat Beteiligten dazu bekennen und gemeinsam eine Geldauflage von 1500 Euro an eine gemeinnützige Segeberger Organisation zahlen.

Außerdem ist eine Entschuldigung bei der Sparkasse als Eigentümerin fällig und – was voraussichtlich sehr teuer kommt – die Übernahme der Reparaturkosten.

Das Kunstwerk

Der Brunnen „Goldmarie“, der vor der Sparkasse in der Oldesloer Straße seinen Platz hat, wurde 1992 von dem Osnabrücker Bildhauer Hans Gerd Ruwe (1926 - 1995) geschaffen. Die Bronzeplastik zeigt eine Szene aus dem Märchen „Frau Holle“ der Brüder Grimm: Weil sie sich immer freundlich und hilfsbereit verhalten hat, wird die Goldmarie nach ihrem Abschied von Frau Holle mit einem Regen aus Gold überschüttet (im Gegensatz zur Stiefschwester, der Pechmarie). Der Hahn begrüßt die Heimkehrerin freudig: „Kickericki, kickericki! – da kommt die goldene Marie!“

 Oliver Vogt

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