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Nach Todessturz: Kritik an Groß-Leitstellen

Bad Segeberg/Trappenkamp Nach Todessturz: Kritik an Groß-Leitstellen

Polizeigewerkschaft warnt vor mangelndem Know-how. Direktionschef betont professionelles Verhalten in der Unglücksnacht von Trappenkamp.

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„Die Arbeitsabläufe haben sich dramatisch verändert.“ Manfred Börner, stv. GdP-Landeschef

Bad Segeberg. Das Schicksal der tödlich verunglückten Evita R. bewegt die Menschen. Die junge sympathische Frau hatte sich vor zwei gewalttätigen Schlägern, die im vergangenen Oktober eine Trappenkamper Party stürmten, in panischer Angst — unbemerkt von ihren Freunden und den Tätern — auf den Balkon im zehnten Stock des Hochhauses geflüchtet. Von dort rief sie den Notruf der Polizei, das Wortlaut-Protokoll war im Prozess gegen die beiden 19 und 31 Jahre alten Täter vor dem Jugendschöffengericht in Bad Segeberg verlesen worden. In unserer gestrigen Ausgabe veröffentlichten wir Auszüge des Dialogs zwischen Evita R. und der Beamtin aus der verhängnisvollen Nacht. „Sie können davon ausgehen, das hat bei uns heute jeder gelesen“, hieß es gestern aus Polizeikreisen.

Mer zum Thema: Todessturz einer 18-Jährigen: Reagierte die Polizei falsch?

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„Die Arbeitsabläufe haben sich dramatisch verändert.“ Manfred Börner, stv. GdP-Landeschef

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Bereits während der Verhandlung gab es von allen Prozessbeteiligten Kritik am Verhalten der Leitstellen-Beamtin in Elmshorn. Sie habe nicht nur mangelnde Trappenkamper Ortskenntnisse offenbart, sondern auch darauf beharrt, dass die panische junge Frau den Polizisten die Tür öffnen müsse, damit diese ihr und ihren Freunden helfen könnten.

Das Verhalten der Einsatzleitstelle in Elmshorn sei „äußerst professionell“ gewesen, erklärte gestern der Leitende Polizeidirektor Andreas Görs auf LN-Anfrage. Höchstens an der Wortwahl der Leitstellen-Mitarbeiterin gebe es etwas auszusetzen. Kenntnisse jedes x-beliebigen Ortes müsse man bei den Mitarbeitern der Leitstelle nicht voraussetzen, so Görs. Die Leitstelle in Elmshorn ist für die Kreise Pinneberg, Segeberg, Steinburg und Dithmarschen und mithin für gut 700 000 Einwohner zuständig. Das sei wegen der neuen Technik aber unproblematisch, sagte Görs. Sofort, wenn ein Einsatz eingegeben werde, würden elektronisch die genauen Geodaten einlaufen.

Thomas Giebeler, Sprecher des Kieler Innenministeriums, informierte auf LN-Anfrage, dass eine weitere Zusammenlegung und damit ein noch größeres Einzugsgebiet der Polizeileitstellen nicht geplant sei. Dass große Flächenkreise wie Pinneberg und Segeberg von Elmshorn aus betreut werden, hält Giebeler wie auch Görs für unproblematisch. Fehlende Ortskenntnis hätte es auch geben können, wenn der Notruf in Bad Segeberg aufgelaufen wäre. „Das ist eine Frage von Ausbildung, Erfahrung und moderner Technik.“ Der konkrete Fall und die Gesprächsführung müssten allerdings polizeifachlich aufgearbeitet werden.

„An der Diktion des Gesprächs habe ich mich auch gestört“, das werde intern geklärt, versprach dann auch Andreas Görs, der sich gestern in Elmshorn informierte. „Die Polizei hat in diesem Fall gut gearbeitet, wie es der Bürger auch von uns erwarten kann“, unterstrich der Direktionschef. Die Beamtin habe im konkreten Fall äußerst professionell gearbeitet: „Aufnehmen, bewerten, Maßnahmen einleiten“ — das sei ihr Job, und innerhalb von nur einer Viertelstunde seien zwei Streifenwagen mit vier Polizeibeamten vor Ort gewesen: „Wir haben den Fall sehr ernst genommen.“

Sicher habe es dann eine unglückliche Verkettung gegeben; denn als die Beamten die jungen Leute in der Wohnung nach Evita R. fragten, hätten die geantwortet: „Die ist wohl schon weg.“ Niemand habe ahnen können, dass die junge Frau vom Balkon in den Tod gestürzt war. Erst am Morgen war ihre Leiche gefunden worden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht deutlich, dass sie von Anfang an vor einem zu großen Einzugsbereich der Leitstellen gewarnt habe. „Das ist durch Technik allein nicht auszugleichen“, sagte Manfred Börner gestern im Telefonat mit den LN. Sie mache nicht alles möglich. Die Arbeitsabläufe hätten sich dramatisch verändert, so der stellvertretende Landesvorsitzende der GdP. Fehlendes „menschliches Hinterkopfwissen“ sei nicht zu ersetzen. „Früher waren es langjährige, situationserfahrene Kollegen, die in die Leitstellen wechselten. Heute kennt man sich untereinander kaum noch.“

Börner betonte, die Zahl der Notrufe sei hoch, die Kollegen stünden extrem unter Stress.

Birgit Heß, Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, wollte sich gestern zu der unerwarteten Richtung, die der Prozess durch das Wortlaut- Protokoll genommen hatte, nicht äußern. Die Oberstaatsanwältin verwies auf Montag, das weitere Vorgehen der Behörde werde zurzeit geprüft. Ankläger Dr. Torsten Holleck hatte während der Verhandlung kritisch angemerkt, dass Evita R. von der Leitstellen-Beamtin das Signal bekommen habe, dass ihr eher nicht geholfen wird.

Martina Janke-Hansen und Lothar Hermann Kullack

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