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Segeberg Nach Unfall in Bad Segeberg: Der Tanz zurück ins Leben
Lokales Segeberg Nach Unfall in Bad Segeberg: Der Tanz zurück ins Leben
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12:36 25.08.2017
Mutter und Sohn beim Rumba-Tanzen vereint: Luise und Ludwig Köppen in der Norderstedter Tanzschule „Die 3“. Quelle: Fotos: Fuchs
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Bad Segeberg

„Tanzen fällt mir sogar leichter als Laufen“, sagt Ludwig Köppen, dessen Lebensmut und die Hilfe seiner Familie ihn wieder ins Leben zurückgeholt haben.

Ludwig Köppen lag ein halbes Jahr im Koma, jetzt unterrichtet er wieder.

„Das Tanzen fällt mir viel leichter als das Laufen. Das ist irgendwie in mir drin." Ludwig Köppen, Tanzlehrer

„Das Erwachen des Tänzers“ hat Mutter Luise Köppen diese einschneidenden Erlebnisse für sie, ihren Mann und die drei Geschwister Ludwigs genannt, die sie jetzt in einem Buch zusammengefasst hat. „Es soll anderen Menschen Mut machen, dass sich selbst beim schrecklichsten Unglück der Himmel nie ganz zuzieht“, sagt die Biologielehrerin. „Ihnen möchte ich sagen: Ihr könnt euch gern auf andere verlassen.“

Rückblende: Aschermittwoch 2012. Ludwig war am Steuer seines roten VW Golfs eingeschlafen und in Bad Segeberg frontal gegen einen Lkw geknallt, wo er in der dortigen Filiale des Tanzzentrums „Die

3“ nach einem langen Tag am Abend etwas zu erledigen hatte. Mehrere Knochenbrüche, Milz- und Lungenriss waren die Folge. 40 Minuten bleibt er ohne Sauerstoff, liegt im Wachkoma in der Uniklinik Lübeck. Die Ärzte geben ihm keine Überlebenschance. Viermal rufen sie Mutter Luise Köppen zum Verabschieden ans Krankenbett, weil die Organe versagen würden.

Doch sie will sich nicht damit abfinden, glaubt an den unbedingten Lebenswillen ihres drittältesten Sohnes. Sie fährt täglich nach der Schule zu Ludwig in die Klinik und kommuniziert in dieser Phase ganz intensiv mit ihm, erzählt sie. Sie singt, liest ihm vor, geht seine Tanzchoreografien mit ihm durch. Sie habe ihm gesagt, als er so regungslos dalag, dass er ruhig gehen, für immer einschlafen könne. Wenn er aber bleiben wollte, würde sie ihr ganzes Leben für ihn da sein, habe sie ihm gesagt.

Im August, sechs Monate nach dem Unfall auf der B 206, wachte Ludwig wieder auf. Das sei so gewesen, als wäre er aus einem langen, tiefen Traum erwacht, sagt Ludwig selbst. Er kann sich weder an den Unfall noch an das Wachkoma erinnern, musste ein Jahr lang in weiteren Klinik- und Reha-Aufenthalten mühsam alles neu lernen. Seine linke Gehirnhälfte ist praktisch tot, weshalb seine rechte Seite noch gelähmt ist, er den Arm und die Hand nicht richtig bewegen kann und beim Laufen leicht hinken muss. Aber das mache nichts, sagt Ludwig, nach den richtigen Worten ringend, weil auch ein gesunder Mensch nur 40 Prozent seines Gehirns nutzen würde.

Mit Hilfe seiner Tanzschule, die ihn seine Tanzlehrerausbildung fortsetzen ließ, hat er auch sozial wieder ins Leben zurück- und Halt gefunden. Bereits eineinhalb Jahre nach dem Unfall nahm ihn Tanzlehrerkollege Dirk Ladewig ins Trainingslager nach Sylt mit. „Wie soll das nur werden? Ludwig kann kaum laufen“, machten sich seine Eltern Sorgen. Das war unnötig. Am Ende der Woche konnte Ludwig wieder alleine Rumba tanzen. „Ohne Tanzen wäre er nicht da, wo er heute ist“, glaubt Ladewig.

Heute lebt Ludwig Köppen wieder selbstständig ohne Hilfe in seiner Wohnung in Eppendorf, trainiert fünfmal die Woche in der Tanzschule in Norderstedt und leitet den ersten Tanzkurs für Behinderte, wo Max Kirchner und Hannah Mell mit Down-Syndrom mit ihm viel Spaß beim Tanzen haben, wie deren Väter bestätigen. „Sport ist für Hannah eine große Anstrengung“, sagt Ulrich Mell. „Aber beim Tanzen zur Musik fällt ihr plötzlich das sonst so schwere Feinmotorische spielerisch leicht – viel besser als es jede Behandlung oder Therapie bringen könnte.“

Eine Erfahrung, die Ludwig Köppen nur bestätigen kann: „Das Tanzen fällt mir viel leichter als das Laufen. Das ist irgendwie in mir drin.“

 Burkhard Fuchs

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