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Segeberg Nach van Elst: „Unglaublich, was uns da entgegenschlägt“
Lokales Segeberg Nach van Elst: „Unglaublich, was uns da entgegenschlägt“
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22:23 22.10.2013

Nach dem Treffen des Limburger Bischofs mit Papst Franziskus in Rom warten bundesweit empörte Katholiken auf Konsequenzen. Auch die Gläubigen in Bad Segeberg, Wahlstedt und Trappenkamp schütteln die Köpfe über den feudalen Bischof, der 31 Millionen Euro für den Ausbau seines Bischofsitzes ausgab. In der armen Diaspora des Nordens müssen die wenigen Katholiken Geld sammeln, wenn das Kirchendach leckt. So bescheiden geht es bei den Gemeindegliedern in Bad Segeberg, Wahlstedt und Trappenkamp zu. Zwar wurde das Thema bischöfliche Verschwendungssucht nicht in der Predigt von Pfarrer Paul Boon angesprochen, trotzdem gibt es Klartext. So klebte am Sonntag vor einer Woche im Schaukasten vor der Bad Segeberger Kirche eine Karikatur von Bischof Franz-Peter Tebartz- van Elst. Der Bischof trug auf seinem Brillengestell statt Gläsern Euromünzen. „Können diese Augen lügen?“ stand da als Sprechblase, berichtet Peter Rogge, Vizevorsitzender im Kirchenvorstand. Ein Novum in der Geschichte katholischer Schaukästen. Später sei die Bischofs-Karikatur wieder abgenommen worden.

Humor ist eine Art, mit dem Skandal umzugehen. Rogge: „Es ist unglaublich was uns da entgegenschlägt, schon weil wir selbst im Kirchenvorstand seit Jahren jeden Euro umdrehen müssen, bevor wir ihn ausgeben.“ Dass die Kirchenbesucher nun weniger in den Klingelbeutel werfen, glaube Rogge nicht. Meist sei das Geld ohnehin für die eigene Kirche bestimmt. Er fordert Offenlegung des kirchlichen Vermögens. Zumindest im relativ armen Bistum Hamburg werde das schon praktiziert. In der Bad Segeberger Kirchengemeinde kontrolliere der Kirchenvorstand die Finanzen. In Wahlstedt gebe es extra einen Förderkreis, der das örtliche Gotteshaus erhält.

Paul Boon, seit über 14 Jahren Pfarrer, gilt als liberal und bescheiden. Boon: „Ich habe mit Ordensschwestern gesprochen, die sind sehr traurig über diese Zustände.“ Er selbst verstehe nicht, dass so viel Geld ausgegeben werden konnte, ohne dass die Umgebung des Bischofs davon etwas mitbekam. Kirchensteuer habe Vorteile, „ohne sie wäre die Kirche aber glaubwürdiger“, meint Boon gegenüber den LN.

Die Kirche müsse sich auf ihren Kern besinnen. Ob der Finanzskandal zu Kirchenaustritten führen werde, wisse er nicht. „Wenn wir von der Behörde über Austritte informiert werden, schreiben wir neuerdings die Leute an und bitten, uns ihre Gründe zu nennen. Aber nur wenige schreiben zurück.“

Gemeindereferentin Gabriele Kief aus Trappenkamp berichtet, dass sie und Pfarrer Boon nur bis zu 500 Euro selbst ausgeben dürfen. „Für jede größere Summe brauche ich einen Beschluss des Kirchenvorstandes“, berichtet sie. Es sei für sie unvorstellbar, dass 31 Millionen Euro ohne Gremienbeschluss ausgegeben werden. Für sie gelte: „Mitarbeiter der Kirche, ob Bischof, Pfarrer, oder Gemeindereferentin, sollten kein überkandideltes Auto fahren und wohnen wie normale Bürger.“ Es werde sicher Katholiken geben, die nicht zu den Aktiven gehören und sich schon Gedanken gemacht haben, Kirchensteuer einzusparen. Die werden den Skandal möglicherweise als letzten Anstoß sehen, und nun austreten. „Die bei uns mitmachen wissen, dass wir nicht verschwenderisch mit Geld umgehen.“ Eines ist für Gabriele Kief sicher: Wenn Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Sitz in Limburg verlieren sollte, wird er sicher in keinem anderen deutschen Bistum einen Stuhl bekommen.

Wolfgang Glombik

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