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Nachwuchs in den Daldorfer „Highlands“

Daldorf Nachwuchs in den Daldorfer „Highlands“

Der Nachwuchs auf der Hauskoppel von Lorenzens ist da: Das Kalb von Galloway-Kuh „Annika“ ist das 20. der kleinen Daldorfer Zucht. Es heißt „Counselor“. Die Züchter Lars Lorenzen und Karsten Meier fahren am Feitag zur Welt-Galloway-Konferenz nach Schottland.

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Gerade eine Stunde alt ist das Kalb von Galloway-Kuh „Annika“. Es ist das 20. der kleinen Daldorfer Zucht. Es heißt „Counselor“, benannt nach dem Star-Trek-Charakter Counselor Deanna Troi.

Quelle: Fotos: Materne

Daldorf/Gretna. „Es geht los“, sagt Ute Breuer mit Blick auf „Annika“. Seit Tagen warten sie, ihr Mann Lars Lorenzen und das Ehepaar Meier darauf, dass die Geburt bei der Galloway-Dame einsetzt. Aufgeregt stehen die vier am Zaun und reichen ein kleines Fernglas herum.

Die schwarze Mutterkuh hat sich in die hinterste Ecke der Hauskoppel von Lorenzens in Daldorf verzogen. Hier nahm der kleine Zuchtbetrieb vor fünf Jahren seinen Anfang. Die vier sind dabei, ihre Herde langsam zu vergrößern. Tipps von den Profis holen sich die Männer ab Freitag auf der Welt-Galloway-Konferenz in Schottland, wo Galloways herkommen.

LN-Bild

Züchter Lars Lorenzen und Karsten Meier holen sich ab heute Tipps bei World Galloway Conference in Schottland.

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„200 Züchter aus der ganzen Welt kommen da zusammen“, sagt Lars Lorenzen. In Gretna Green, ein Dorf im Süden des Landes. Und mittendrin die Rookies aus Daldorf. Dass sie mal Galloway-Züchter werden würden, hätte keiner aus dem Quartett vor einigen Jahren gedacht. Lars Lorenzen ist Berufsfeuerwehrmann, seine Frau Internistin mit eigener Praxis. Den Bornhöveder Karsten Meier lernte Lorenzen im Rettungsdienst kennen, dessen Frau Sandra ist Steuerfachangestellte.

Die Galloway-Kühe „Bernice“, „Bones“ und „Birdie“ waren mal als Haustiere gedacht, erinnert sich Ute Breuer. Sie und ihr Mann lieben Tiere. Auf dem Grundstück des alten Forsthauses der Revierförsterei Alt Erfrade laufen Gänse, Katzen, Hunde, sogar Pfauen frei herum. Und dann stand die Koppel auf der anderen Straßenseite zur Pacht frei. Das Paar griff zu.

„Vor einem Bullen aber hatten wir Respekt“, sagt Breuer. Doch bei einem Fachgespräch am Rande einer Kochshow zu Gallowayfleisch schüttelten sie letzte Zweifel ab und bekamen 2013 den Bullen „Nero“ vermittelt. „Seine Lieblingsfrau ,Annika’ haben wir auch mitgenommen.“ „Annika“, die gerade wieder ein Kalb zur Welt gebracht hat. Pechschwarz wie der Vater. Es ist das 20. Bisher. Aus der Ferne beobachten die vier, wie „Annika“ das Kleine abschleckt. Es ist das vierte Kalb in dieser Saison. „Cinderella“ ist gerade zwei Wochen alt. „Commander“ einen Monat. Die Jungtiere begrüßen den Neuzugang aufgeregt. Auch „Crispen Red“. Der rote Jungbulle ist im Januar geboren. Mit ihm soll eine neue Zuchtlinie entstehen.

Mit Anstupsen versucht „Annika“, ihr Kalb zum Aufstehen und Trinken zu bewegen. Der erste Schluck Muttermilch sei sehr wichtig, erklärt Lorenzen. „Das ist wie eine Schutzimpfung.“ Auf der Galloway-Konferenz erhoffen sich er und Meier auch mehr Wissen über die Vererbung und die Haltung von Galloways. Viele verschiedene Herden werden sie sich anschauen. Es geht auch darum, ein gutes Zuchttier zu erkennen. „Ein Züchter wird einem ja nicht sofort sein bestes Tier zeigen“, weiß Karsten Meier.

20 Tiere zählt die kleine Herde, davon sechs Muttertiere, verteilt auf mehrere Flächen. 20 Hektar bewirtschaften die Männer neben ihren Hauptberufen. „Die Hälfte sind Futterflächen“, sagt Lorenzen. Diesen Sommer haben er und Karsten Meier erstmals eigenes Futter geerntet. Dafür hat sich Meier sogar einen Trecker angeschafft. „Statt einer Küche.“ Bis tief in die Nacht haben die zwei Gras gemäht und zu Ballen gepresst. „Dann saßen wir hier um vier Uhr und haben die Galloways bei Sonnenaufgang beobachtet“, schwärmt Lorenzen.

Idyllisch wirkt der kleine Betrieb. Die Tiere haben Platz, das Zupfen von Grasbüscheln ist ein permanentes Hintergrundgeräusch. Zwei bis drei Jahre bekommen auch die Schlachttiere Zeit zu wachsen. Die ersten beiden Bullen haben das Schlachtgewicht inzwischen erreicht. 600 Kilo. „Time to say goodbye“, sagt Lars Lorenzen. Die Tiere, die nie einen Stall von innen gesehen haben, sollen dann auf der Weide den Betäubungsschuss gesetzt bekommen. Auch das Ausbluten geschieht vor Ort. Das Genehmigungsverfahren dazu läuft. Alles andere wäre viel zu stressig für die Galloways, ist Lorenzen überzeugt. Die Tiere müssten ein ganzes Wochenende beim Schlachter im Stall verbringen. Das will er ihnen nicht zumuten.

Die erwartete Fleischmenge – knapp 200 Kilo pro Tier – ist bereits ausverkauft. „Wir haben sogar eine Warteliste“, ist Ute Breuer selbst überrascht vom Zuspruch. „Die Leute wollen regionale Produkte und geben dafür auch mehr Geld aus“, sagt Karsten Meier. Etwa zwölf Euro kostet das Kilo. „Unser Vorteil ist aber, dass wir nicht davon leben müssen“, sagt Lorenzen. Er habe großen Respekt vor der konventionellen Landwirtschaft, die die Ernährung der Bevölkerung sichert. Dafür sei ihr Modell nicht geeignet. Doch sie verfolgen ihre eigene Philosophie. Dazu gehört auch, Schlachttiere so gut es geht komplett zu vermarkten und Schlachtabfall zu vermeiden. Vielleicht gibt es ja auch dazu nützliche Tipps in Schottland. . .

Und während die Männer in Gretna Fachgespräche führen und ihr Netzwerk knüpfen, kümmern sich die Frauen in Daldorf um die Tiere. Zwei Geburten stehen noch aus. „Annikas“ Kalb stakst inzwischen munter über die Weide. In zwei Jahren wird es selbst Muttertier in Daldorf sein.

Welt-Galloway-Konferenz

Galloway-Züchter aus der ganzen Welt treffen sich von heute an bis Mittwoch in Gretna/Schottland zur „World Galloway Conference“ zum Erfahrungsaustausch. Auf dem Programm steht zum Beispiel morgen der Besuch einer Ausstellung, auf der die besten Zuchttiere des Landes gekürt werden. Außerdem besuchen die Teilnehmer verschiedene Herden im Umland mit teilweise Tausenden Galloways verschiedener Farben und Fellzeichnungen. Die Segeberger Lars Lorenzen und Karsten Meier wollen sich danach noch weitere Galloway-Farmen ansehen.

 Nadine Materne

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