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Segeberg Nazi-Netzwerk im Knast: Drahtzieher war in Bad Segeberg aktiv
Lokales Segeberg Nazi-Netzwerk im Knast: Drahtzieher war in Bad Segeberg aktiv
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10:14 11.04.2013
Die Justizvollzugsanstalt Hünfeld - Ein mutmaßliche Drahtzieher des Nazi-Netzwerkes, der lange Zeit in der rechten Szene des Kreises Bad Segeberg aktiv gewesen sein soll, sitzt hier derzeit ein.
Bad Segeberg

Das haben Recherchen von NDR 1 Welle Nord und NDR Schleswig-Holstein Magazin ergeben. Ein Dokument belegt demnach die Mitgliedschaft des Mannes im sogenannten Freundeskreis nationaler Aktivisten.

Neo-Nazi-Netzwerk hat Maschen in Norden

Es handelt sich dabei nach Angaben von Kerstin Köditz, Sprecherin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, um den bekannten Neonazi Bernd T. Der 38-jährige hat in offiziellen Vernehmungen angegeben, Kontakte zu den Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds, NSU gehabt zu haben. Eine Zeugin bestätigt diese Angaben. Beide Aussagen liegen dem NDR vor.

Bernd T. ist mehrfach wegen schwerer Straftaten verurteilt worden, darunter schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Derzeit sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld in Hessen.

In seinem Namen war im Oktober 2012 in der Motorradzeitschrift „Bikers News“ eine Anzeige geschaltet worden, die für eine bundesweite rechtsgerichtete Gefangenenhilfsorganisation warb. Als Gründungsdatum der „AD Jail Crew 14er“ wurde der 20. April 2012 genannt. Neonazis feiern den 20. April als Geburtstag von Adolf Hitler.

Der Name und die Zahl 14 spielen auf rechtsextremistische Slogans an. Ausdrücklich sei in der Anzeige vor der Postkontrolle in Hünfeld gewarnt worden, sagte Hahn. Das hessische Landeskriminalamt ermittelt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts auf Bildung einer verbotenen Vereinigung. Inoffiziell hieß es, es gehe in Hessen um drei Verdächtige.

Das Justizministerium in Schleswig-Holstein erklärte auf Anfrage: Man habe bislang keine Erkenntnisse über rechtsextreme Netzwerke in den Gefängnissen Schleswig-Holsteins. Man stehe jedoch in Kontakt mit den hessischen Behörden und prüfe entsprechende Hinweise.

Das rechtsextreme Netzwerk hat auch Kontakt zu der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe gesucht. Ihr Name und die Anschrift in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf standen auf einer Liste, die in der Zelle eines verurteilten Neonazis im Gefängnis Hünfeld in Hessen gefunden wurde, wie Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) am Mittwoch in Wiesbaden berichtete.

Offen blieb zunächst, ob tatsächlich konspirative Post an Zschäpe ging, die zurzeit in München-Stadelheim sitzt. Hinweise auf das Netzwerk hatte die bayerische Justiz in ihren Gefängnissen gefunden.

In anderen Bundesländern wird noch nach Kontakten gesucht. In einem hessischen Gefängnis wurde ein Brief eines in Schleswig-Holstein einsitzenden Gefangenen aus dem Spektrum der rechten Szene gefunden, wie ein Sprecher des Kieler Justizministeriums der dpa sagte.

Für den Bund verwiesen Innen- und Justizministerium in Berlin auf die laufenden Ermittlungen und die Zuständigkeit der Landesbehörden. Aktivitäten zur Unterstützung rechtsextremistischer Gefangenen würden aber kontinuierlich beobachtet. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre sei damit zu rechnen, dass sich Extremisten auch weiter vernetzten, wenn einige von ihnen in Haft säßen.

Das Bundesinnenministerium hatte 2011 die „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene (HNG)“ verboten - eine neonazistische Gefangenenhilfsorganisation. In der Justizministerkonferenz solle sich der Ausschuss für Strafvollzug mit den Vorgängen befassen, forderte Hahn im Rechtsausschuss des Wiesbadener Landtags.

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass hessische Behörden von den Netzwerk-Plänen rechtsextremer Häftlinge erfahren hatten. Daraufhin wurden Zellen von Verdächtigen durchsucht und Postsendungen überprüft. Hahn bestätigte, dass es eine verschlüsselte Kommunikation in der Post von Gefangenen gegeben habe. Wann die Ermittlungen genau begannen blieb unklar. Ein aussteigebereiter Rechtsextremist soll dabei eine Rolle gespielt haben.

Der 38-Jährige Häftling aus Hessen hat angeblich schon bei früheren NSU-Ermittlungen eine Rolle gespielt. Er habe im Dezember 2011 kurz nach dem Auffliegen der Terrorzelle angeboten, „Informationen über diverse Netzwerke“ zu beschaffen. Er will 2006 auch die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel getroffen haben. Ermittlungen konnten die Angaben aber nicht erhärten. Dem NSU wird zur Last gelegt, 2006 einen türkischstämmigen Mann in Kassel ermordet zu haben. Insgesamt werden der Terrorzelle zehn Morde zur Last gelegt.

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