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Neue Wahrheiten über Cannabis

Bad Segeberg Neue Wahrheiten über Cannabis

80 Drogen- und Jugendberater brachten sich jetzt bei einer Tagung in der Jugendakademie auf den neuesten Stand der Dinge - und debatierten lebhaft über den Umgang mit dem Rauschmittel

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Marion Laaser, Hans-Jürgen Tecklenburg, Beatrix Fay, Christine Brandes, Jean Hermanns und Hinnerk Frahm (v.l.).

Quelle: Vogt

Bad Segeberg. Am Thema Cannabis scheiden sich in der öffentlichen Debatte die Geister. Für die einen gehört der Joint am Wochenende ebenso zum Leben dazu wie das Glas Rotwein. Andere lehnen alle Liberalisierungsbestrebungen vehement ab, sehen im Konsum von Haschisch und Marihuana ein Spiel mit dem Feuer. Nicht einmal Fachleute aus der Drogen- und Jugendhilfe, die jetzt zu einer Tagung zum Thema in der Bad Segeberger Jugendakademie zusammenkamen, sind sich über den richtigen Umgang mit der Droge einig.

LN-Bild

80 Drogen- und Jugendberater brachten sich gestern auf den neuesten Stand der Dinge.

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„Eine einfache Antwort auf diese Frage existiert auch nicht“, betont Dr. Hans-Jürgen Tecklenburg, Leiter der Ambulanten und Teilstationären Suchthilfe (ATS), die die Fachtagung zusammen mit dem Kinder und Jugendschutz des Kreises Segeberg organisiert hatte. Das Wissen über die Droge basiere aber zum Teil auf Erkenntnissen, die nicht mehr dem Stand der Forschung entsprächen. „Cannabis – es gibt Neues“ daher auch der Titel der Veranstaltung.

Neues hatte unter anderem Dr. Jean Hermanns, Leitender Psychologe am Psychiatrischen Zentrum Rickling, im Gepäck. Das positive Image der Droge, insbesondere unter Jugendlichen, stehe mit der Wirklichkeit nicht mehr im Einklang, so eine der wichtigsten Botschaften des Mediziners. „Aktuelle Studien belegen zweifelsfrei, dass der Cannabis- Konsum während der Entwicklungsphase des Gehirns erhebliche negative Auswirkungen hat, die sich im späteren Leben nie wieder ganz rückgängig machen lassen“, erklärte Hermanns. „Erwachsenenfähigkeiten“ wie Impulskontrolle, Selbstdisziplin und Konzentrationsfähigkeit würden so nicht vollständig ausgebildet. Christine Brandes vom Kieler Gesundheits- und Sozialministerium fasste es einfacher zusammen: „Dass Cannabis dumm macht, ist nicht nur eine Vermutung – wir wissen das jetzt genau.“

Zu Wahrheit gehöre aber ebenso, dass die Droge sehr positive Gefühle und Stimmungen hervorrufe, die sich auf andere Weise nicht ohne Weiteres erzeugen ließen, ergänzt Psychologe Hermanns. Andernfalls wäre Cannabis heutzutage kaum so verbreitet, wie es der Fall ist. In der Präventionsarbeit könne es deshalb nicht darum gehen, mit den Konsumenten „zu schimpfen“, denn das bringe gar nichts. Vielmehr müssten sie selbst erkennen, welche Konsequenzen der Rausch kurz-, mittel- und langfristig auf ihr Leben hat.

Unter dieser Maßgabe wird die ATS nach dem Sommerferien zunächst in Kaltenkirchen ein Pilotprojekt starten. Das Sozialministerium sicherte dafür jetzt die Finanzierung zu. In dem Projekt will die ATS Schülern die Möglichkeit geben, sich kritisch mit ihrem Konsum auseinanderzusetzen. Die Teilnahme sei niedrigschwellig und sogar anonym möglich, kündigt ATS-Chef Tecklenburg an.

Aber auch für Erwachsene sei die Droge nur mit Vorsicht zu genießen. Eine dauerhafte Schädigung des Gehirns drohen ihnen durch die Einnahme zwar nicht mehr, erklären die Experten. Allerdings sei ein Joint dennoch nicht mit dem Glas Wein oder der Flasche Bier vergleichbar. Während Alkohol bei den meisten Menschen eine ähnliche, mehr oder minder kalkulierbare Wirkung entfalte, „ist Cannabis wie eine Wundertüte“, sagt Tecklenburg. Von gar keiner Wirkung über höchste Glücksgefühle bis hin zur Panikattacke und sogar einer dauerhaften Psychose reiche das Spektrum. Zudem schränke dauerhafter Konsum die Teilnahme am normalen Leben ein, da berufliche Leistungsfähigkeit und das sozialen Miteinander stark litten. Von den rund 18000 Klienten, die sich landesweit pro Jahre an die ATS wendeten, kämen 17 Prozent – also gut 3000 Menschen – wegen Cannabis.

Hintergrund

181,8 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren konsumieren weltweit Cannabis aus nicht-medizinischen Gründen, wie aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2015 hervor geht. 13,1 Millionen gelten als abhängig. In Industrienationen ist die Droge demnach weiter verbreitet als in Entwicklungsländern.

Cannabis bezeichnet Rauschmittel, die in Form von Haschisch oder Marihuana aus den Blüten der Hanfpflanze gewonnen werden. Der Wirkstoff ist Tetrahydrocannabinol (THC).

 Oliver Vogt

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