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Segeberg Neuer Kindergarten für Bad Segeberg in Sicht
Lokales Segeberg Neuer Kindergarten für Bad Segeberg in Sicht
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22:23 28.08.2018
Eine Kita im Gewerbegebiet? Klingt ungewöhnlich, doch alle sind von der Lage der geplanten Kita (etwa rote Fläche) überzeugt. Quelle: Foto: Wilkening
Bad Segeberg

Beim Blick aus der Vogelperspektive kann man sich gar nicht vorstellen, wie der Kindergarten im weithin noch leeren Gewerbegebiet, Ecke Birkenring/Kaiser-Lothar-Allee, auf dem 5500-Quadratmeter-Grundstück einmal wirken wird. Aber diese Lage ist – auf den zweiten Blick – ideal. Denn in der Nähe sind Schulen, außerdem schließen sich nördlich des Gewerbegebietes Wohngebiete mit meist jungen Familien an. Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite der Kaiser-Lothar-Allee werden in einem Mischgebiet hauptsächlich Wohnungen entstehen. Hier sollen die Grundstücke seitens der Stadt schon verkauft sein.

ASB-Vorhaben geplatzt: Schönfeld setzt auf andere Investoren.
„Wir haben uns nach dem Bedarf der Stadt gerichtet.Sylvia Johannsen, Lebenshilfe

Jetzt muss die Politik nur noch der Aufnahme in die Kita-Bedarfsplanung der Stadt Bad Segeberg zustimmen – ein Selbstgänger, denn die Stadt benötigt bei steigender Einwohnerzahl vor allem Krippenplätze. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) wirkt begeistert von dem Kita-Projekt. „Wir werden auch darauf achten, dass in direkter Nachbarschaft zur Kita keine lärmintensive Werkstatt errichtet wird.“ Eine Bedarfsanalyse habe ergeben, dass durch den neuen Kindergarten Kitas anderer Träger in Bad Segebergs Südstadt nicht im Bestand gefährdet seien, stellt Schönfeld klar.

Auch Sylvia Johannsen, Geschäftsführerin der Lebenshilfe, ist glücklich trotz dieser eher unüblichen Lage für einen Kindergarten. Zu erwarten sei, dass sich das Grundstück durch die Randlage im Gewerbegebiet „naturnah gestalten lässt“, berichtet die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Bad Segeberg und Umgebung gGmbH den LN auf Nachfrage. Das Grundstück, das man der Stadt abkaufen werde, sei auch groß genug für einen Anbau. „Wir haben uns jetzt aber nach dem Bedarf der Stadt gerichtet.“Sie rechne auch mit Kindern aus den Umlandgemeinden Traventhal und Klein Gladebrügge.

Gebaut und betrieben werde eine Kita mit fünf Gruppen. Das sind zwei Krippengruppen, eine altersgemischte Gruppe sowie zwei Regelgruppen für insgesamt 75 Kinder. Die Betreuungszeiten seien „bedarfsorientiert“: Ganzjährig geöffnet bei einer „Kernbetreuungszeit“ von 8 bis 14 Uhr werde man Betreuung auch im erweiterten Kita-Betrieb oder – bei Bedarf auch unterhalb der jeweiligen Gruppenstärke – durch die Zusammenarbeit mit Tagespflegepersonen sicherstellen.

Die Lebenshilfe geht von einem Investitionsvolumen in Höhe von etwa zwei Millionen Euro aus. Zur Zeit arbeite man noch mit dem Architekten an Grobskizzen. Nach Rücksprache mit dem Kreis könne das Vorhaben mit einer Million Euro gefördert werden. Diese Mittel werden nach dem „Windhund-Verfahren“ vergeben. So hoffe man auf eine schnelle positive Rückmeldung aus der Politik.

Die Lebenshilfe ist als Träger von Kindergärten kein unbeschriebenes Blatt. Sie ist Träger von drei Kindertagesstätten in Wahlstedt und Trappenkamp für insgesamt 250 Kinder und betreibt in Bad Segeberg eine interdisziplinäre Frühförderstelle, heißt es im Bewerbungsschreiben für die Stadtvertreter. Die neue Kita werde durch zusätzliche Anwerbung von Mitteln der „Aktion Mensch“ komplett inklusiv gestaltet, kündigte Johannsen an. Baubeginn für die neue Kita werde nächstes Jahr sein. Sylvia Johannsen rechnet mit der Eröffnung im Jahr 2020. Momentan habe die Lebenshilfe kein Problem, für ihre Einrichtungen Personal zu finden.

Schönfeld rechnet nicht damit, dass die Stadt jetzt für ihren eigenen Kindergarten Konkurrenz fürchten muss: „Wir müssen ohnehin bis zum Jahr 2020 eine Lösung haben.“ Dann läuft der Mietvertrag mit der „Mühle“aus, die jetzt noch als Standort für Gruppen der städtischen Kita dient. Freie Trägerschaft sei für ihn „der richtige Weg“. Die Stadt bleibe der größte Anbieter von Kinderbetreuung.

ASB-Kita wird nicht gebaut

Mit dem Bau des Kindergartens der Lebenshilfe in Bad Segeberg ist längst noch nicht Schluss. Bürgermeister Dieter Schönfeld ist dafür, dass noch weitere Kindertagesstätten in Bad Segeberg entstehen.

Einen Rückschlag hat es hier aber gegeben: Das hochgehandelte Kita-Projekt für fünf Gruppen des Arbeitersamariterbundes (ASB) in der Dorfstraße ist geplatzt. Für das Vorhaben war sogar ein Bebauungsplan geändert worden. Doch, wie berichtet, gab es schon vor einem Jahr Differenzen zwischen Stadt und ASB. „Der ASB hat sich zurückgezogen, wir sind uns in den Vertragsverhandlungen nicht einig geworden“, teilte Schönfeld mit.

Der Träger des kleinen Kindergartens der Jüdischen Gemeinde hatte Interesse für einen Ausbau seiner interkulturellen Kita angemeldet. Doch es gibt andere Interessenten, darunter ein Anbieter, der für den nördlichen Bereich der Kreisstadt eine große Kita mit Krippe plant. Schönfeld setzt große Hoffnungen in dieses Vorhaben, das zeitnah verwirklicht werden soll. So ein Kindergarten koste 1,5 bis zwei Millionen Euro, das könnten nur Investoren mit entsprechendem finanziellen Hintergrund, ist Schönfeld überzeugt.

Nachfrage sei da: Es gebe viele berufstätige Eltern, die einen Krippenplatz suchten. Zumal die Einrichtungen in der Stadt auch viele Kinder aus den Umlandgemeinden betreuen.

Schönfeld: „So ein umfassendes Betreuungsangebot wie wir können Gemeinden mit 1000 Einwohnern gar nicht leisten.“

Bad Segeberg könnte mit noch mehr Kita- und Krippenplätzen seinen Spitzenplatz halten. Tatsächlich sieht der Kindergartenbedarfsplan des Kreises für Bad Segeberg im Krippenbereich, also für die Altersgruppe unter drei Jahren, eine Versorgung von 60 Prozent vor. Erreicht worden sind aber bisher nur 55,3 Prozent.

Wolfgang Glombik

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