Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Neuer Mörtel, neues Glück?
Lokales Segeberg Neuer Mörtel, neues Glück?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:17 08.07.2017
Bauhelfer Hennrik Zippel zeigt den Mörtel – ohne Kalkanteil – mit dem die Fassade der Kirche in Bornhöved stellenweise neu aufgebaut werden soll. Quelle: Fotos: Materne

Der nächste Sanierungsversuch an der Vicelinkirche St. Jakobi in Bornhöved hat begonnen. Durch den Verbau eines ungeeigneten Gips-Kalk-Mörtels vor nun 17 Jahren haben sich in den Außenwänden der Feldsteinkirche Treibmineralien gebildet. Stellenweise ist die Wand nach außen aufgegangen wie ein Hefeteig, wie es Architektin Christine Johannsen beschreibt. Bis zu 25 Zentimeter dicke Beulen haben sich im unteren Teil der Außenwand gebildet. Insbesondere an der Nordseite. Dort soll die Außenwand nun stückweise ab- und wieder neu aufgebaut werden.

Die Sanierung der Vicelinkirche St. Jakobi geht mit einem anderen Baumaterial in die nächste Runde.

Unter der Plane am Baugerüst arbeiten Maurer Mathias Zimny und Helfer Hennrik Zippel von der Firma Dorsch aus Rostock, sie ist spezialisiert auf Arbeiten an alten Gemäuern. Die Sanierung einer Feldsteinkirchenwand aus dem 12. Jahrhundert ist aber auch für die beiden Arbeiter Neuland. Zur Vorbereitung wurde der Wandabschnitt mit dicken Holzbalken von innen und außen gesichert. In den nächsten Wochen soll zwischen den Balken nach und nach die oberste schadhafte Feldsteinschicht mit dem Kalkmörtel abgetragen und mit einem reinen Gipsmörtel schließlich wieder aufgebaut werden. Damit die Wand dabei nicht zu sehr geschwächt wird, wurde die gut elf Meter breite Wand in sechs Felder eingeteilt. „Parallel können wir nur an zwei Feldern arbeiten“, erklärt Architektin Johannsen.

Drei Probebohrungen in der Wand zeigen das Problem. Maurer Zimny greift mit der bloßen Hand in das Loch und kann ohne Anstrengung einen großen Brocken Mörtel herausziehen. Hohlräume haben sich im Mauerwerk gebildet, das deswegen in der Vergangenheit bereits an verschiedenen Stellen mit Streben verstärkt werden musste. Grund ist ein verwendeter Muschelkalk bei der letzten Sanierung im Jahr 2000. „Der Stand damals war, dass das ein geeignetes Verfahren ist“, sagt Pastorin Ulrike Egener. Doch wenige Jahre später bildeten sich Risse, dann kamen die Beulen. Der Muschelkalk hatte mit dem Gips reagiert, Treibmineralien gebildet. Feuchtigkeit begünstigte die Schadentwicklung. „Im Innern ist die Wand nie ausgehärtet“, sagt Egener. Und Maurer Zimny bestätigt: „Das fühlt sich an wie Seife, wenn man da reingreift.“ In den Bohrlöchern sind die unterschiedlichen Färbungen des Mörtels zu sehen. Der Muschelkalk leuchtet weiß. Und der soll nun raus aus der Wand. Soweit das möglich ist.

Dazu wird die Oberfläche der Wand streifenweise bis zur Höhe der Fenstersimse abgetragen. Steine, die nicht komplett mit dem alten Mörtel umschlossen sind, sollen hinterher wiederverwendet werden.

Danach soll die Wand dann in mittelalterlicher Bauweise wieder aufgebaut werden. Dazu wird zunächst eine Verschalung gebaut, diese mit Steinen gefüllt und dann mit einem reinen Gipsmörtel ausgegossen, skizziert Johannsen. „So hat man das im Mittelalter gemacht.“ Das Verfahren wurde in Bornhöved bereits 2012 anhand einer Probewand getestet. Sie steht nur wenige Meter neben der Baustelle. Der gehärtete Mörtel sieht aus wie Beton, Treibeffekte wie an der Feldsteinkirche sind dort auch nach fünf Jahren nicht zu sehen. Glatt ist die Außenwand, wie die eines Hauses. Zu glatt.

„So soll unsere Kirche nicht aussehen“, betont Egener. Die Struktur der Feldsteine soll von außen noch zu sehen sein. So wie es jetzt auch ist. Und das Betongrau soll durch Strahlung deutlich aufgehellt werden. Auch dazu gab es erste Versuche. Mit dem Abbau des ersten Wandstreifens soll es nächste Woche losgehen. Unter den Augen der Architektin und des Tragwerkplaners. Alles soll dokumentiert werden.

Die Arbeit an der Bornhöveder Kirche soll auch bei Sanierungen anderer Feldsteinkirchen dienlich sein. Bis September, so hofft die Pastorin, sind die Arbeiten im ersten Bauabschnitt abgeschlossen.

Zum Erntedankfest. Es wird der erste Abschnitt von geplanten vieren sein. 141000 Euro kostet dieser, unterstützt auch mit Stiftungsgeldern. „Insgesamt rechnen wir mit Kosten von 920000 Euro“, so Egener. „Da müssen wir hoffen, dass wir weitere Unterstützung bekommen.“

Nadine Materne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Konzerte im Garten von Barbara Schütze sind inzwischen legendär und haben sich einen guten Ruf bis weit über die Grenzen Sülfelds hinaus verdient.

08.07.2017

Aktivregion Holsteins Herz veranstaltet den nächsten Workshop im Bad Segeberger Rathaus.

08.07.2017

310 Kinder traten in Wahlstedt beim Vogelpicken und „Heißen Draht“ gegeneinander an – Heute ist großer Umzug.

08.07.2017
Anzeige