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Segeberg Neumünster: Outlet-Center eröffnet
Lokales Segeberg Neumünster: Outlet-Center eröffnet
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15:28 07.01.2013
Quelle: Lutz Roeßler

„Ich habe gerade gespart“, freut sich Noel Tzschicholtz (38) aus

Kiel. Er will wiederkommen in das künstlich gebaute Einkaufsdorf im

US-Stil unter freiem Himmel - und sein Geld künftig vielleicht lieber

hier ausgeben als vor seiner Haustür. Er entspricht damit dem

Kundentypus, um den sich der Streit und die Sorgen bei

Outlet-Ansiedlungen immer wieder drehen - mit gegensätzlichen

Ansichten und Prognosen von Gegnern und Befürwortern. Ungefähr zehn

Outlet-Center gibt es bundesweit, weitere sind geplant.

In umliegenden Städten und Kommunen hatte das Großprojekt auch im

Norden zu heftiger Kritik geführt. Die Stadt Rendsburg zog gar vor

Gericht. Die Angst: Das Outlet-Center mit seinen Markenwaren zu

verbilligten Preisen werde Kaufkraft aus den Innenstädten abziehen,

mit drastischen Folgen für den Einzelhandel. Wirtschaftsminister

Reinhard Meyer (SPD) dagegen spricht von einer „Chance für die

Region“. Das Outlet biete ein Premium-Segment an, das andere meist

nicht hätten. Hersteller von Markenware verkaufen Artikel aus der

Vorjahressaison sowie aus Muster- und Überproduktionen.

Der Minister hofft auf ein überregionales Einzugsgebiet mit Kunden

aus ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Dänemark. Die Betreiberfirma

McArthurGlen hat rund 5,9 Millionen Menschen im Fokus, die in

90-minütiger Entfernung leben. Zusätzlich nimmt sie mehrere Millionen

Urlauber ins Visier. Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras hofft

auf positive Effekte für Gastronomie, Tourismus - und Einzelhandel.

Dierk Böckenholt, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord,

findet „Panik überflüssig“, gibt sich aber skeptisch: „Wir müssen

jetzt aufmerksam sein und warten, wie es sich entwickelt“, sagt er.

Je nach Branche werde es für Kaufleute angesichts der Rabatte sicher

schwer.

In den kleinen Straßen des Outlet-Centers im US-Stil mit aufwendig

gestalteten Fassaden, Fachwerk und Klinkerbau flanieren zunächst auch

viele Besucher, die neugierig sind, aber nicht shoppen: „Nichts für

Otto-Normal-Verbraucher“, findet Mehmet Yakn (35) mit Blick auf

Preise im Schaufenster. Dass sich das Outlet-Angebot tatsächlich

abhebt, soll künftig ein Monitoring sichern. Regelmäßige

Überprüfungen des Sortiments sind vorgesehen. Wie wichtig so etwas

ist, betonen einige Fachleute auch mit Blick auf bundesweite

Erfahrungen. „Outlet-Center sind kein unbekanntes Tier mehr“, sagt

Joachim Will, Geschäftsführer der Firma „ecostra“, die auch Betreiber

von Outlet-Centern berät. Das erste entstand in Deutschland vor mehr

als zehn Jahren.

„So ein Monitoring kann sicherstellen, dass sich ein Outlet-Center

nicht schleichend zu einem normalen Shoppingzentrum wandelt“, sagt

Will. Sonst würde sich das Einzugsgebiet verkleinern, mit negativen

Folgen für Kaufleute in der Region. An den Erfolg eines Monitorings

könne man zum Beispiel auch die Genehmigung weiterer Ausbauphasen

knüpfen, sagt Will. In Neumünster seien direkt 20 000 Quadratmeter

genehmigt worden. „Das hätte ich anders gemacht“, sagt er.

Insgesamt zeigen die Erfahrungen nach seiner Darstellung, dass die

Ansiedlung von Outlet-Centern nur selten negative Auswirkungen habe.

Meist seien sie positiv, wie etwa in Wertheim in Baden-Württemberg,

oder neutral. Ein Negativbeispiel sei Zweibrücken in Rheinland-Pfalz.

Oftmals kämen aber mehrere Gründe für Umsatzeinbrüche zusammen. Die

Outlet-Center sollten „nicht zu Sündenböcken stilisiert“ werden. Beim

Handelsverband Deutschland dagegen sieht man die Ansiedlung „sehr

kritisch und negativ“. „Der Euro wird nur einmal ausgegeben. Es gibt

durch Outlet-Center eine Umsatzverschiebung“, ist sich Michael Reink

sicher. Die Beweisführung sei schwierig, weil sich Umsatzeinbrüche

auf ein großes Gebiet erstreckten.

Ein Monitoring hilft aus seiner Sicht kaum. Reink findet, dass

sich das Outlet-Angebot nicht ausreichend unterscheide. „Das ist für

Kunden nicht erkennbar, dass es sich nicht um einen normalen

Einzelhandel handelt und auch nicht relevant“, sagt er. Wie viele

Outlet-Center Deutschland noch verkraftet? Meyer findet: „Bundesweit

sehe ich noch Potenzial nach oben. In Schleswig-Holstein sollte es

bei dem einen bleiben.“

LN

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