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Segeberg Niederlage für Denkmalschutz: Wollspinnerei wird zugebaut
Lokales Segeberg Niederlage für Denkmalschutz: Wollspinnerei wird zugebaut
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18:12 12.03.2016
Ohne großen Abstand zur denkmalgeschützten Wollspinnerei: Die Baugrube für den Wohnblock ist schon ausgehoben. Quelle: Glombik

Es brummt überall in der Kurhausstraße. Die denkmalgeschützte Wollspinnerei wird „eingekreist“: Schräg gegenüber, andere Straßenseite, entsteht der Wohnhof Wesche (15 Wohnungen, Gewerbe). Hinter der Wollspinnerei soll eine Wohnanlage mit zehn Wohnungen errichtet werden — und auf der Nordseite rückt nun „kackfrech“ ein 9,30 Meter hoher Neubau dem Zeugnis frühindustrieller Geschichte Anno 1852 auf die Pelle. Die Riesenbaugrube dafür ist schon ausgehoben.

„Diese Baugenehmigung ist nicht über unseren Schreibtisch gegangen, das hat der Kreis entschieden.“ Dr. Berthold Köster, Landesdenkmalpflege

Die befragten Experten in den Behörden sind sich einig: Ein derartiges Gebäude quasi auf Tuchfühlung zum eingetragenen Denkmal hätte so nicht erlaubt werden dürfen. Die Rede ist von einem „bitteren Fehler“ ja von „Glück“ für den Grundstückseigentümer, dass ihm im Jahr 2012 die Baugenehmigung so gewährt worden sei. Ist durchgeflutscht: Höhe Kurhausstraße 40 sollen acht Wohnungen in zwei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss entstehen, mit Tiefgarage. Zeichnungen davon werden nicht herausgerückt, und über den derzeitigen Eigentümer wird Stillschweigen bewahrt. Auch von Architekt Eckhard Meier. Die ehemalige Eigentümerin, das Unternehmen DS Immobilien, hat ihr Baustellenschild weggenommen. „Wir haben ein gutes Kaufangebot bekommen, das ist für uns sehr von Vorteil gewesen“, heißt es von dem Unternehmen. Das Grundstück sei mit der erteilten Baugenehmigung weiterverkauft worden.

„Diese Baugenehmigung ist seinerzeit nicht über unseren Schreibtisch gegangen, das hat der Kreis damals selbst entschieden“, weist Dr. Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalschutz jede Verantwortung von sich. Es habe erst nach Erteilung der Baugenehmigung Gespräche mit dem Eigentümer gegeben, anders zu bauen. Vergeblich. „Es ist bedauerlich“, ein Verwaltungsakt sei erlassen worden, der nicht mehr zurückgenommen werden könne, so Köster. Es gebe einen rechtskräftigen Bebauungsplan aus den 80er Jahren, da stand die Wollspinnerei noch nicht unter Denkmalschutz, damals konnte diese Hinterhofbebauung betrieben werden. Aber 2012 — als die Baugenehmigung erteilt worden war — stand die Wollspinnerei schon im Denkmalbuch. Köster: „Das war ein bedauerliches Missgeschick, und im Nachhinein können wir nichts ändern.“ Der Investor habe Rechtssicherheit.

Auch Stadtplanerin Ute Heldt berichtete im Bauausschuss, dass es heutzutage für ein derartiges Bauvorhaben „keine denkmalrechtliche Genehmigung“ geben würde. Schon die Höhe des geplanten Hauses von 9,30 Metern spreche dagegen. Im Bauleitverfahren für die andere geplante Wohnanlage im Westen der Wollspinnerei gebe es keine Bedenken der Denkmalschutzbehörde, weil hier geforderte Abstandflächen eingehalten werden.

Glücklich, wer im Besitz einer gültigen Baugenehmigung ist: „Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen“, bedauert auch der Leiter der Kreisbauaufsicht, Volker Rimka. Die 2012 erteilte Genehmigung gelte drei Jahre lang und könne um zwei Jahre verlängert werden, wenn sich die rechtlichen Voraussetzungen nicht geändert haben. Doch der Bauherr habe kurz vor Verstreichen der Drei-Jahres-Frist mit dem Bauen begonnen. Es ist nicht mehr dran zu rütteln, an der Wollspinnerei passiert etwas, was Denkmalschützer verhindern möchten: Ein sehenswertes Denkmal wird optisch zugestellt.

Von Wolfgang Glombik

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