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Segeberg Nilgänse verscheuchen die Störche
Lokales Segeberg Nilgänse verscheuchen die Störche
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22:46 13.05.2016
Frech, aggressiv: Nilgänse sind manchmal „zu faul“, selber ein Nest zu bauen. Sie besetzen einfach das anderer Vögel. Einige von denen ziehen sich dann zurück, andere entschließen sich zum Kampf. Quelle: Urbschat

Der Aufruf von Segebergs „Storchenvater“ Holger Möckelmann, die LN-Leser mögen ihm melden, wo sich Wildstörche zum Brüten niedergelassen haben, hat gefruchtet. Zu den 31 von Störchen besetzten Horsten im Kreis Segeberg (LN vom 30. April) sind durch Hinweise drei weitere hinzugekommen, und zwar in Hüttblek, Wakendorf II und Kükels. „Und am 8. Mai ist mir gemeldet worden, dass sich in Geschendorf ein zweiter Storch angesiedelt hat“, sagte Möckelmann. So weit die positive Nachricht. Doch in den letzten Jahren hat ein Phänomen an Bedeutung gewonnen, das Störchen ganz schön zusetzt: Andere Vögel, vor allem Nilgänse, machen ihnen zunehmend den Brutplatz streitig. Dabei geht es mitunter rabiat zu.

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Aggressive Nestbesetzer in Kükels und Hüttblek: Manchmal aber erobert Adebar seinen Horst auch wieder zurück.

Nilgänse sind eigentlich in Europa nicht heimisch, sondern in Afrika. Irgendwann wurden sie jedoch als Ziervögel in Großbritannien angesiedelt mit der Folge, dass sie sich in Mitteleuropa ausgebreitet haben. Die bis zu 75 Zentimeter großen Vögel mit 135 Zentimetern Flügelspannweite können sehr aggressiv werden, wenn es um die Verteidigung der von ihnen besetzten Storchennester geht.

Aber die „Hausbesetzer“ legen sich auch mit noch größeren „Kalibern“ als Störchen an. Möckelmann: „Sogar in Adlerhorsten haben sich Nilgänse schon breit gemacht.“ Bei denen herrscht Arbeitsteilung:

Während das Weibchen brütet, hält der Ganter andere Vögel, die dem Horst zu nahe kommen, auf Distanz.

Wie Möckelmann den LN berichtet, habe ihn Hüttbleks Bürgermeister Hans-Hinrich Thies die erste Ansiedlung eines Storchenpaares in seiner Gemeinde nach zwölfjähriger Wartezeit gemeldet. Es habe am 2.

Mai mit der Brut begonnen. Kampflos ging das allerdings nicht über die Bühne: Der erste Storch hatte zuvor die Nilgänse vertrieben, die auch in den Vorjahren den Horst besetzt und dort auch gebrütet hatten.

Auch in Kükels traf am 2. Mai der zweite Storch ein. Auch hier mussten Nilgänse weichen. Möckelmann: „Die Familie Kröger hat zuvor das Gelege von Nilgänsen aus dem Horst auf dem Dach ihrer Scheune entfernt.“ Dass der zweite Storch sich schließlich doch noch zu dem schon lange wartenden Einzelstorch gesellt hat und dass die beiden sich auch gepaart haben, habe bei den Krögers große Freude ausgelöst, teilt Möckelmann mit.

Wie aggressiv Nilgänse vorgehen können, zeigt ein Beispiel aus Saalfeld (Sachsen-Anhalt). Dort haben Nilgänse aus einem Storchenhorst die Jungvögel herausgeworfen, während die Altvögel unterwegs waren. Die Kleinen starben.

Großes Glück hat es in Wakendorf II gegeben: Dort hat der erste Storch 14 Tage auf seinen Partner warten müssen. Als der dann am 25. April kam, wurde er durch einen Hubschrauber wieder vertrieben.

Möckelmann: „Er kehrte dann glücklicherweise eine Woche später zum Horst zurück, und beide paarten sich erfolgreich.“

Storch-Hochburgen

Aktuell sind im Kreis Segeberg 34 Storchenhorste besetzt – in der Regel von einem Paar. Wie der Bruterfolg ausfallen wird, muss abgewartet werden. Zusätzlich sind auch die beiden Standorte im Kreis mit fütterungsabhängigen Störchen zu erwähnen, nämlich Hitzhusen, wo sich die Familie Schön um zahlreiche Vögel kümmert, und der Wildpark Eekholt. Zusammen nisten dort 31 wildlebende Paare, die sich da offenbar bestens versorgt fühlen.

 Christian Spreer

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