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Noch immer rätselhaft: Vor 20 Jahren verschwand Landwirt Studt spurlos

Sülfeld Noch immer rätselhaft: Vor 20 Jahren verschwand Landwirt Studt spurlos

In Sülfeld wurden seinerzeit neben dem Trecker des Bauern große Blutlachen gefunden. Doch seither tappen die Ermittler im Dunklen, was dem Landwirt zugestoßen sein könnte.

Ein rotes Metallkreuz hat kurz nach seinem Verschwinden Hans-Werner Studts Mutter an der Stelle aufstellen lassen, an der der Trecker mit Blutspuren gefunden wurde. Der Landwirt war zu seinem Getreidefeld unterwegs.

Quelle: Petra Dreu

Sülfeld. Es war der 18. Oktober 1996, als Bauer Studt verschwand. Der damals 50-Jährige war mit dem Trecker auf dem Weg zu einem seiner Getreidefelder. Was dort geschah? Niemand weiß es. Eine große Blutlache wurde gefunden. Sie deutet darauf hin, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Eine Leiche jedoch wurde bis heute nicht gefunden.

LN-Bild

In Sülfeld wurden seinerzeit neben dem Trecker des Bauern große Blutlachen gefunden.

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„Ich glaube nicht, dass das Verbrechen nach so langer Zeit noch aufgeklärt werden kann.“ Volker Bumann, Schulkamerad

Um 13 Uhr verabschiedet sich Hans-Werner Studt von seiner Frau. Um 19 Uhr will er zurück sein. Hans-Werner Studt wohnt mit seiner zweiten Frau Karin in Nützen, ist aber in Sülfeld aufgewachsen. Jeder dort kennt ihn. Er ist im Dorf angesehen, denn er ist fleißig und hat seine Landwirtschaft im Griff. Die hatte er von seinen Eltern übernommen. Wie so oft, trägt er an diesem Tag eine blaue Arbeitshose, eine mit Fell gefütterte Cordweste und grüne Gummistiefel, als er sich auf den Weg macht, um Roggensaat auszubringen. Auf dem Weg zu seinem Getreidefeld kommt er an einem Schrebergärtner vorbei. Der Mann kennt ihn, hebt die Hand zum Gruß. Hans-Werner Studt grüßt zurück.

Dass im kleinen Sülfeld ein Verbrechen passieren könnte, daran mag damals niemand glauben. Auch die beiden Landwirte nicht, die auf dem Weg zu ihren Feldern an dem Traktor von Hans-Werner Studt vorbeikommen. Seinen blauen Trecker, der wenige Meter vor der Feldeinfahrt geparkt ist, haben sie gesehen. Auf dem Anhänger liegen noch die beiden Säcke mit Roggensaat. Einer der Landwirte denkt sich nichts dabei, fährt weiter. Der andere Landwirt aber steigt ab, um nachzusehen. Er wundert sich zwar, weil der Trecker immer noch läuft, Hans-Werner Studt aber kann er nirgendwo entdecken. Als er den Motor ausstellt, sieht er aber zwei große Blutlachen. An ein Verbrechen denkt der Landwirt immer noch nicht. Er vermutet einen Wildunfall und fährt weiter.

Als ihr Mann zum verabredeten Zeitpunkt nicht nach Hause kommt, macht sich Studts Ehefrau auf die Suche. Auch sie denkt offenbar zuerst an einen Unfall und telefoniert die nächsten Krankenhäuser ab.

Erst später am Abend alarmiert sie die Polizei, die gegen Mitternacht am Ort des Geschehens eintrifft. Neben den beiden Blutlachen am Boden entdecken die Beamten auch auf dem Trecker Blutspuren.

Noch in der Nacht findet eine groß angelegte Suchaktion statt. Dorfbewohner und Feuerwehr suchen die gesamte Umgebung ab. Bauer Studt aber bleibt verschwunden. Auch eine Sonderkommission mit mehr als 800 Helfern, Suchhunden und Hubschrauber findet Hans-Werner Studt nicht. Mehr als 250 Zeugen hat die Kriminalpolizei damals vernommen. Laut dem Henstedt-Ulzburger Rechtsanwalt Horst Schumacher, der vor 20 Jahren Karin Studt vertreten hat und immer noch vertritt, habe es damals starke Verdachtsmomente gegen eine Person aus der Umgebung Sülfelds gegeben. „Es gab aber keine Beweise. Deshalb wurde keine Anklage erhoben“, sagt der Jurist.

Dass eine Person verdächtigt werde, ein Verbrechen an Hans-Werner Studt verübt zu haben, ist Amtsvorsteher Volker Bumann neu. Er ist mit Studt zur Schule gegangen. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass Hans-Werner Studts Mutter, die einen Tag nach dem mutmaßlichen Verbrechen ein rotes Metallkreuz am Tatort aufstellen ließ, immer gesagt hatte: „Pass man op, den find se noch.“ Jahre nach dem Verschwinden ihres Sohnes hat sie sich in ihrem Haus erhängt, was für weitere Spekulationen im Dorf gesorgt hat.

Volker Bumann: „Ich glaube, da kommt nichts mehr. Nach so einer langen Zeit kann man das nicht mehr aufklären. Schlimm ist das natürlich für die Ehefrau.“ Das bestätigt auch ihr Rechtsanwalt: „Sie hätte gerne Gewissheit und braucht einen Ort, an dem sie trauern kann.“ Falls es Totschlag gewesen sein sollte, würde die Tat nach 20 Jahren, also jetzt, verjähren. So hoffen der Anwalt und seine Mandantin darauf, dass der Täter nach Rücksprache mit einem Juristen sein Gewissen doch noch erleichtern möchte oder dass sich ein Zeuge meldet, der den Täter damals nicht belasten wollte.

 Petra Dreu

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