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Segeberg Noch weitere Windkraft auf Pronstorfer Gebiet?
Lokales Segeberg Noch weitere Windkraft auf Pronstorfer Gebiet?
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20:25 20.03.2016
Die am Ende 20 Windkrafträder der Anlage Obernwohlde stehen sowohl auf Ostholsteiner als auch auf Segeberger Gebiet. Quelle: Fotos: Kullack

Gegen den Windpark Obernwohlde — von dessen 20 Anlagen acht auf Pronstorfer Gebiet angesiedelt sind — hatten die Pronstorfer nichts einzuwenden. So verlief jetzt auch die Aufstellung des B-Plans Nr. 9 — der grünes Licht für den Bau der drei noch fehlenden Anlagen bedeutet — einstimmig. Am Rande des ganzen Procederes aber tauchen dunkle Wolken auf: In der neuen Landesplanung werden zwei weitere Flächen bei Strenglin, Richtung Diekhof, als Windkraft-Eignungsgebiete ausgewiesen. Und das schmeckt manchen Gemeindevertretern gar nicht.

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Landesplanung sieht bei Strenglin weitere Eignungsgebiete vor — Bisher gibt es noch kein konkretes Interesse — Manche Gemeindevertreter sehen die Entwicklung kritisch.

„Die Planungshoheit

der Gemeinde

könnte in Gefahr geraten.“ Landschaftsplanerin Renate Krüger

Landschaftsplanerin Renate Krüger vom Planungsbüro Stolzenberg aus Lübeck erläuterte während der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Eilsdorf die Änderungen und Stellungnahmen zum B-Plan und warnte die Vertretung dabei eindringlich vor den Folgen der geänderten Landesplanung: „Die Planungshoheit der Gemeinde könnte dadurch in Gefahr geraten.“

Die alten Regionalpläne aus Kiel seien nämlich gekippt worden, weil bei der Beurteilung, ob ein Gebiet als geeignet für Winkraftanlagen gilt, nicht mit gleichen Maßstäben gemessen worden sei. Nach der Korrektur aus Kiel könne nun als Faustregel gelten, dass bis auf ganz genau definierte Tabuflächen jede Fläche, an der ein Investor Interesse bekunde, als geeignet zu gelten habe. „Eine solche Beurteilung etwa in der Art, dass Obernwohlde geht und das benachbarte Strenglin nicht, wird es künftig nicht geben“, erklärte die Landschaftsplanerin. Wolle die Gemeinde also noch Einfluss ausüben, was die beiden neuen bei Strenglin ausgewiesenen Eignungsgebiete angehe, müsse man rechtzeitig damit beginnen, sich konkrete Gedanken über das Gebiet zu machen.

Lange Zeit hatte auch der Windpark Obernwohlde — der noch zu Zeiten der alten Regionalplanung entwickelt wurde — so seine Probleme. Zuletzt gab es das Verdikt, die Anlage wegen des 15-Kilometer-Schutzradius‘ um Flugsicherungsanlagen herum deutlich abzuspecken. Das wurde dann nicht mehr nötig, denn im Dezember kam die Nachricht, dass die Deutsche Flugsicherung (DFS) ihre Anlagen nach Seedorf verlagern werde. Die fünf zuerst auf Pronstorfer Gebiet gebauten Anlagen sind vom Typ Enercon E-101 und haben 149 Meter Gesamthöhe und drei Megawatt Leistung.

Sieben Jahre lang hatte die Gemeinde Stockelsdorf darum gekämpft, im Windpark Obernwohlde auch gemeindeeigene Windräder aufstellen und betreiben zu können. Im Februar nun gaben die Stockelsdorfer diesen Plan auf und verkauften ihre Anteile an der Windkraft Stockelsdorf GmbH, an denen je zur Hälfte die Gemeindewerke Stockelsdorf und die Stadtwerke Lübeck beteiligt waren. Übernommen hat sämtliche Anteilke an den Windrädern die Firma Bayware.

Wenn alle 20 Anlagen des Windparks Obernwohlde errichtet seien, werde es im Mai 2017 ein großes „Windkraftfest“ für alle Beteiligten geben, gab Bürgermeisterin Bettina Albert eine Ankündigung des Betreibers weiter.

Bei der Abstimmung über den B-Plan 9 für die restlichen drei Anlagen auf Pronstorfer Gebiet mussten die Gemeindevertreter Bernd Boekhoff und Caspar Graf zu Rantzau den Raum verlassen, weil sie als befangen galten.

Von Lothar Hermann Kullack

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