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Segeberg Handys unterschlagen: Norderstedter Paketbote verurteilt
Lokales Segeberg Handys unterschlagen: Norderstedter Paketbote verurteilt
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16:35 31.08.2018
Urteil vom Amtsgericht Norderstedt. Quelle: FOTO: NADINE MATERNE
Norderstedt

Das Norderstedter Amtsgericht hat einen 39-jährigen Fahrer eines Paketdienstes zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt. Nach Überzeugung von Staatsanwaltschaft und Gericht hatte dieser Anfang September 2017 innerhalb von fünf Tagen zwei Pakete mit Handys im Wert von rund 12000 Euro entwendet.

Nach einem vor Prozessbeginn zwischen den Beteiligten ausgehandelten sogenannten „Deal“ hätte der Angeklagte mit der Hälfte der Strafe davonkommen können, wenn er ein Geständnis abgelegt hätte. Sein Verteidiger versuchte noch, ihm diese Lösung schmackhaft zu machen – auf dem Gerichtsflur mithilfe eines Dolmetschers – für den aus Rumänien stammenden Mann, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Doch der Angeklagte ließ sich nicht überzeugen.

Verhandlung unterbrochen

Nach längerer Verhandlungsunterbrechung teilte der Anwalt dem Gericht mit, sein Mandant mache von seinem Schweigerecht Gebrauch. Gleichzeitig deutete der Jurist an, dass der Angeklagte erklärt habe, unschuldig zu sein. Er wolle nichts gestehen, was er nicht getan habe.

Im Rahmen der Beweisaufnahme ließen sich der Vorsitzende Richter Dr. Matthias Lohmann und alle Anwesenden vom Sohn des Firmenchefs der Zustellerfirma das Verfahren der Paketauslieferung erklären.

Ware und Zusteller werden gefilmt

Pech für den Angeklagten: Wie sich herausstellte, werden sowohl die gelieferte Ware als auch die Zusteller bei der Abholung der Pakete gefilmt. Außerdem wird die ankommende Ware mehrfach gescannt, beispielsweise, wenn der zuständige Fahrer sie bei Lieferung vom Transportband nimmt. Ein weiterer Scan erfolgt bei der Beladung des LKW sowie beim Kunden, der gleichzeitig den Erhalt bestätigt.

Auf diese Weise ließ sich verfolgen, zu wessen Tour die beiden fehlenden Pakete mit den teuren Handys gehörten. Diese Pakete waren zu keiner Zeit gescannt worden. Eine Auswertung des Videomaterials zeigte, dass der Angeklagte die später verschwundenen Pakete nach deren Ankunft separiert ablegte, bevor er die Ware in das Transportfahrzeug lud.

Bei dem Kunden, einem Hamburger Elektrodiscounter, kamen die Handys nie an. Versuche des Verteidigers Wege aufzuzeigen, wie die Pakete ohne Zutun des Angeklagten verschwunden sein könnten, überzeugten das Gericht nicht.

Hausdurchsuchung sagt wenig aus

Die Begründung: Ein solcher Zufall, dass ausgerechnet die vom Angeklagten auszuliefernden Pakete kurz hintereinander verloren gingen, sei nicht vorstellbar, betonte der Richter. Auch die Tatsache, dass bei einer Hausdurchsuchung beim Angeklagten keine Handys gefunden wurden, sage wenig aus, da diese erst drei Monate nach dem Vorfall stattgefunden habe.

Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend verhängte der Richter 180 Tagessätze zu zehn Euro. Für den Vater zweier Kinder, der ohne Ausbildung seine Familie mit einem Gehalt von knapp 1000 Euro durchbringen muss, ein hartes Urteil. Der nicht vorbestrafte Mann muss die Strafe in monatliche Raten von jeweils zehn Euro abstottern.

Martina Kausch

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