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Nordkirche bootet Itzstedter Glaskünstler aus

Itzstedt/Neukirchen Nordkirche bootet Itzstedter Glaskünstler aus

Streit um neues Kirchenfenster – Uwe Fossemer fühlt sich ungerecht behandelt.

Itzstedt/Neukirchen. Eine künstlerisch gestaltete „Lutherrose“ prangt seit Kurzem über einer Windfang-Tür der Antonius-Kirche in Neukirchen bei Heiligenhafen. An dieser Rose, geschaffen von seinem Berliner Kollegen Andreas Wolff, stört den Glas-Künstler Uwe Fossemer aus Itzstedt eigentlich gar nichts. Nur eines: „Hier hätte mein Fenster stehen sollen.“ Bereits vor zwei Jahren hatte Fossemer das Placet vom Kirchengemeinderat bekommen. Wenig später nahm ihm das Landeskirchenamt den Auftrag wieder weg.

Es hätte alles so unkompliziert laufen können: Als Michael Thermann, früher Pastor im Segebergischen Neuengörs und seit der Jahrtausendwende in Neukirchen tätig, sich Gedanken darüber machte, die schmucklose Verbindungstür – die von manchen Kirchenbesuchern sogar übersehen wurde – zwischen westlichem Turmraum und Kirchenschiff aufzuwerten, da fiel ihm aus seiner Segeberger Zeit der graduierte Künstler Uwe Fossemer ein. Der hatte schon vielfach künstlerische Glasfenster für Kirchen geschaffen, zum Beispiel für die Kirche in Nahe und für die in Oering, die mittlerweile sogar unter Denkmalsschutz steht – ebenso wie St. Antonius in Neukirchen.

Pastor Thermann konnte Fossemer dafür gewinnen, einen Entwurf einzureichen. Angesichts des Lutherjahres 2017 sollte es eine „Lutherrose“ (siehe Info-Text) sein, und Fossemer näherte sich dem Thema unter dem Motto „Luther in der Welt“.

Dem Neukirchener Gemeinderat gefiel’s, wie erstaunt aber waren die Kirchenvorsteher, als ihnen Dr. Heiko Seidel vom Dezernat Bauwesen des Landeskirchenamtes Kiel antwortete, dass es so nun nicht gehe. Beschluss hin oder her – eine solche Arbeit müsse ausgeschrieben werden. Unterm Strich: keine Ausschreibung, kein Geld von der Nordkirche. Die Neukirchener Gemeinderäte gaben klein bei und ließen die Arbeiten ausschreiben. „Da habe ich mich dann auch wieder beteiligt – und da hat dann die Landeskirche gegen ihre eigenen Bedingungen verstoßen: Die Entwürfe sollten doch geheim sein, und meiner war schließlich bekannt“, sagt Fossemer.

Pastor Michael Thermann versteht den Groll des Itzstedter Künstlers: Für Uwe Fossemer sei nach allem klar gewesen, dass er den Auftrag bekomme. Schließlich habe sich auch der Förderverein von St.

Antonius sehr angetan von dem Fossemer-Entwurf gezeigt.

Einen Auftrag, für den man schon einiges an Gehirnschmalz und Kunstfertigkeit investiert hatte und den man schon sicher wähnte, wieder entzogen zu bekommen, ist die eine Sache. Eine andere sind gewisse Formulierungen des Baudezernenten Dr. Seidel in dessen Brief an den Kirchengemeinderat (das Schreiben liegt den LN vor). In einigen Formulierungen spricht Seidel dem Itzstedter schlichtweg ab, ein Künstler zu sein: „Sie fragen nach der Genehmigung des Fossemer-Entwurfs. – Ich kenne Beispiele für sakrale Dekorationen (der Begriff Kunst scheint mir unpassend) von noch geringerer Qualität, die auch in jüngster Zeit noch in unseren Kirchen zur Ausführung gekommen sind.“ Harsche Worte, denn einige Sätze später heißt es: „Mein Urteil oder das des Kirchenamts zu einer neuen Gestaltung ist aber für eine kirchenaufsichtliche Genehmigung ohne Belang, da nicht eine Planungsqualität, sondern nur die formale Richtigkeit eines KGR-Beschlusses für eine Planung geprüft wird.“

Und deshalb, so Oberkirchenrat Jan Simonsen, Leiter des Baudezernates in Kiel, sei zu Recht auf die Kirchenbaurechtsverordnung (Ausschreibung) verwiesen worden. Zu den Zweifeln an Fossemers künstlerischer Befähigung schreibt der Oberkirchenrat auf Anfrage: „Herr Dr. Seidel war kein Jurymitglied und somit nicht an dem Verfahren beteiligt. Eventuelle Äußerungen Herrn Dr. Seidels zu möglichen anderen Entwürfen des Herrn Fossemer sind uns nicht bekannt.“

Uwe Fossemer wird jedenfalls immer, wenn er nach Neukirchen kommt, nicht frei und ungezwungen auf die Lutherrose in St. Antonius blicken können . . .

Lothar Hermann Kullack

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