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Notruf für asthmakrankes Kind verweigert? – Freispruch

Bad Segeberg Notruf für asthmakrankes Kind verweigert? – Freispruch

Angeklagte soll Hilfe unterlassen haben – Gericht hat Zweifel und zu wenig Beweise.

Bad Segeberg. Aussage gegen Aussage stand es gestern vor dem Amtsgericht in Bad Segeberg. Unterlassene Hilfeleistung wurde Karin U. (abgekürzte Namen geändert) vorgeworfen. Die Verkäuferin soll trotz mehrfacher Aufforderung keinen Krankenwagen für einen asthmakranken Jungen gerufen haben, der von einer Wespe im Rachenraum gestochen worden war. Die 31-Jährige bestreitet das. „Bei mir hat keiner um Hilfe gebeten.“

„Ich habe sie mehrfach um Hilfe gebeten, sie ist nicht mal von der Leiter gestiegen.“ Gerda L., Oma des betroffenen Kindes

Aus dem

Amts-

gericht

„Bei mir hat keiner um Hilfe gebeten, ich habe selbst ein asthmakrankes Kind.“ Karin U., Angeklagte

Unabhängig davon sei sie sogar dienstlich verpflichtet, in einem solchen Fall einen internen Notruf abzusetzen, schilderte die Angeklagte. Für diesen Fall werde über das Mikrofon im Supermarkt die 100 durchgegeben. „Das ist der Erste-Hilfe-Code“, so U. Damit würden die Ersthelfer gerufen und parallel der Krankenwagen alarmiert. In den vergangenen zwei Monaten sei dieser Code durch sie zwei Mal abgesetzt worden. Einmal war ein Mensch vor dem Laden ohnmächtig geworden und nochmal nach einem Sturz eines Kunden. „Aber auch wenn ich nicht dazu verpflichtet wäre, hätte ich geholfen“, betonte die Frau. Sie habe selbst zwei Kinder, darunter einen Teenager, der ebenfalls an Asthma leide.

Also eine Verwechslung? Die Hauptbelastungszeugin Gerda L. ist sich sicher, dass es die Angeklagte ist, die sie am 28. August 2015 um Hilfe gebeten hatte. Demnach sei sie mit ihrem Enkel Dylan und ihrer schwerbehinderten Mutter am Rollator einkaufen gewesen. Beim Verstauen der Lebensmittel im Fahrradkorb soll Dylan dann die Wespe in den Mund geflogen sein und zugestochen habe. „Er würgte und hustete“, so die 53-Jährige. Auf der Suche nach Hilfe sei sie dann allein zurück an den Infostand gegangen. Unmittelbar dahinter soll die Angeklagte auf einer Trittleiter gestanden und Waren einsortiert haben. Doch auch auf mehrmalige Bitten den Notruf zu verständigen und Eis zur Kühlung bereitzustellen, habe diese nicht reagiert. „Sie ist nicht einmal von der Leiter gestiegen“, lautete der Vorwurf von L. Stattdessen habe Karin U. auf weitere Kunden im Laden verwiesen, die doch auch Handys hätten.

Da die Zeit knapp wurde, habe sich L. dann draußen von Passanten ein Telefon organisiert und die Tochter alarmiert. Diese habe dann den Notruf gewählt und alle medizinischen Unterlagen zusammengesammelt, begründete L. das Vorgehen. Anschließend sei sie mit Dylan und der Mutter auf dem Fahrrad beziehungsweise zu Fuß den kurzen Weg – etwa ein halber Kilometer – nach Hause gegangen.

Fast gleichzeitig mit dem Notarzt sei man am Haus eingetroffen, der Dylan „mit Blaulicht“ in die Uniklinik nach Lübeck brachte, wo er einen Tag zur Beobachtung blieb.

Dylan selbst ist bei dem fraglichen Gespräch am Infostand nicht dabei gewesen. Er habe nach dem Wespenstich Atemübungen gemacht, die aber nicht geholfen hätten. „Oma kam dann wütend aus dem Laden“, sagte der 15-Jährige aus. Anschließend sei er auf seinem Fahrrad langsam nach Hause gefahren, wo dann seine Tante den Notarzt gerufen habe. „In deinem Beisein?“, hakte Richterin Sabine Roggendorf nach. „Ja.“

Es war vor allem diese Unstimmigkeit in den Aussagen der beiden einzigen Zeugen, die auch bei der Staatsanwaltschaft Zweifel säten. Eine Videoaufnahme von dem Vorfall gibt es nicht. Oder sonstige objektive Zeugen. Demnach lasse sich der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung nicht aufrecht erhalten. Die Staatsanwaltschaft beantragte Freispruch – wie auch die Verteidigung.

Richterin Roggendorf sah keine andere Möglichkeit, als diesen zu bestätigen. Für eine Verurteilung gebe es keine hinreichenden Beweise. Vielleicht sei die Notlage der Angeklagten nicht richtig geschildert worden – wenn U. diejenige war, die L. angesprochen hatte. Auch verstand Richterin Roggendorf nicht, warum L. nicht selbst den Notruf 112 gerufen habe, nachdem sie sich ein Handy organisiert hatte. Stattdessen habe sie sich vollbepackt mit Einkäufen und mit zwei hilfsbedürftigen Personen auf den Heimweg gemacht. Auch glaubte Roggendorf der Angeklagten, die selbst ein asthmakrankes Kind hat. Roggendorf war überzeugt: „Keine Hilfe zu holen, wäre das Letzte, was sie tun würde.“

Nadine Materne

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