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Segeberg OLG weist Klage gegen Diedrichsen ab
Lokales Segeberg OLG weist Klage gegen Diedrichsen ab
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13:26 18.02.2016
2012 zeigte sich Sven Diedrichsen (l. mit seinem Rechtsanwalt Kai Kähler) erleichtert, als ein Richter den Juristen der MZH riet, die Strafanzeige gegen ihren Ex-Geschäftsführer„zu beerdigen“. * Quelle: Hiltrop

Allerdings erkannte Schleswig-Holsteins höchste richterliche Instanz jetzt im Berufungsverfahren eine gewisse Fahrlässigkeit beim ehemaligen Prokuristen Björn Pasternak. Deshalb änderte sie das Urteil des Landgerichts aus dem vergangenen Jahr, das die Schadensersatzklage abgewiesen hatte, dahingehend ab, dass er zu einer Zahlung von 10000 Euro nebst Zinsen verurteilt wird.

Seit 2012 beschäftigen sich Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte mit den Vorfällen rund um die Pacht des defizitären Spaßbades „Fehmare“ auf der Ostseeinsel Fehmarn durch die MZH. Die Gesellschaft wollte Schadensersatz in Millionenhöhe gegen ihren Ex-Geschäftsführer und Ex-Prokuristen einklagen und scheiterte. In erster Instanz hatten die Richter unter anderem bemängelt, dass die Kläger keine Tatsachen vorbringen konnten, aus denen ein Vorsatz ersichtlich sei. Auch ein Motiv zum „bewusst schädigenden Abschluss eines verlustreichen Geschäfts“ sei nicht deutlich geworden.

Darüber hinaus wurde von den Richtern immer wieder deutlich gemacht, dass die Rolle des damaligen Aufsichtsrats bei dem Desaster nicht unerheblich gewesen sei. Der Pachtvertrag wurde bereits 2006 geschlossen und, wenn auch im Nachhinein, von dem Gremium abgesegnet. Erst Jahre später, als sich Verluste für das Spaßbad abzeichneten, distanzierte sich der Aufsichtsrat von der Zustimmung. Man habe sich von Geschäftsführer und Prokuristen falsch informiert gesehen, die Konsequenzen seien so nicht offen von ihnen dargelegt worden.

Das, was von der Vorsitzenden Richterin am OLG, Hilke Hamann, gestern in zwei Minuten verlesen wurde, bietet weiter Raum für Diskussionen. So betont Stadtwerke-Geschäftsführer Luzian Roth, dass die Klageabweisung für ihn keinesfalls ein Freispruch sei: „Die Sache ist schlicht verjährt, das ist etwas ganz anderes.“ Und dazu, dass die von Pasternak zu zahlende Summe lediglich ein winziger Bruchteil der Schadensersatzforderungen darstellt, sagte Roth gegenüber den LN, dass dessen damaliger Arbeitsvertrag für diesen Fall eine entsprechende Klausel beinhaltet habe.

Dagegen zeigte sich Diedrichsens Anwalt Kai Kähler zufrieden: „Herr Diedrichsen ist damit aus dem Schneider.“ Seine Sicht der Dinge fasste Kähler gegenüber den LN so zusammen: „Der Aufsichtsrat hat auf ganzer Linie versagt. Und der neue Aufsichtsrat mit Herrn Schönfeld an der Spitze hat versucht, sich aus der Schusslinie zu nehmen, um das Bild der MZH und sein eigenes nicht zu gefährden.“

Eine Revision hat das OLG ausgeschlossen, und die Klägerin hat alle Kosten des Verfahrens zu tragen. „Wir warten die schriftliche Urteilsbegründung ab, dann sehen wir weiter“, so Wahlstedts Bürgermeister Matthias Bonse. Die Verfahrenskosten tragen die Städte Bad Segeberg und Wahlstedt anteilig nach den alten MZH-Verträgen. Ob die Stadtwerke Wahlstedt das Urteil so akzeptieren oder als letzte Möglichkeit eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde einlegen, werde man mit den Juristen prüfen, sagte Luzian Roth.

Heike Hiltrop

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