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Offene Netze auf dem Dorf - Freifunker machen es möglich

Daldorf Offene Netze auf dem Dorf - Freifunker machen es möglich

Frei zugängliche Hotspots sind rar, zumal auf dem Land. Doch es gibt Menschen wie Jörg Davidsen und Gemeinden wie Daldorf, die ihren Anschluss frei zur Verfügung stellen.

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Zunächst hat Jörg Davidsen das Hotspot-Modell „Freifunk“ mit einem eigenen Router nur getestet für die Gemeinde. Inzwischen ist er überzeugter Freifunker und stellt einen von drei Hotspots in Daldorf.

Quelle: Fotos: Materne

Daldorf. Freies Internet ist vielerorts in Deutschland noch ein ferner Wunsch. „Wir sind ein Entwicklungsland, was das angeht“, sagt Jörg Davidsen, ein Freifunker aus Daldorf. Vor dem Fenster in seinem heimischen Büro im Hoken steht ein Router, auf dem er die Software der Internet-Gemeinschaft Freifunk Nord installiert hat. Wer nah genug an seinem Haus steht, kann nun über diesen ins Internet gehen. Ohne Registrierung. Kostenlos. Auch der Internet-Anschluss im Dorfhaus in Daldorf ist auf diese Weise seit einigen Wochen für die Öffentlichkeit zugänglich. Auf Beschluss der Gemeindevertretung. Dazu kommt ein Anbieter im Nordkamp. Drei Hotspots mitten auf dem Land in einem Dorf mit gerade 650 Einwohnern.

LN-Bild

Frei zugängliche Hotspots sind rar, zumal auf dem Land – Doch es gibt Menschen wie Jörg Davidsen und Gemeinden wie Daldorf, die ihren Anschluss frei zur Verfügung stellen.

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„Es kostet kaum etwas. Der Anschluss ist vorhanden, nur den Router muss man kaufen. Und 30 Minuten Arbeit für die Installation investieren.“ Jörg Davidsen über die Einrichtung eines öffentlichen Hotspots mit Freifunk

Daldorf ist seit knapp zwei Jahren mit Glasfasertechnologie versorgt. Auch gemeindliche Gebäude sind angeschlossen. Wie die alte Schule und die Feuerwehr. Irgendwann, erinnert sich Davidsen, selbst Gemeindevertreter, habe ein Bürger gefragt, ob man dort nicht einen Hotspot einrichten könne und verwies auf die Freifunk-Möglichkeit. Bis dahin hatte Davidsen davon noch gar nichts gehört. Freifunk steht jedem offen, der mitmachen will. Davidsen las sich in das Thema ein und kramte „zum Test“ einen alten Router aus, richtete ihn ein und ging im Sommer als Freifunker online. Auch er verfügt über Glasfaser-Bandbreite und gebe gern etwas davon ab. „Seither habe ich wirklich das Gefühl, dass vor dem Haus ab und an jemand anhält, um ins Internet zu gehen“, sagt er. Das einzige Manko sei die Reichweite.

Über eine Karte im Internet ist für jeden sichtbar, wo sich Freifunker-Punkte befinden. In Segeberg ist noch deutlich Luft nach oben, es gibt viele weiße Flecken. In Ballungsräumen dagegen beobachtet Davidsen eine kontinuierliche Zunahme der Freifunker. Für Smartphones gibt es eine App, die Davidson im Urlaub öfter mal nutzt, um einen Hotspot zu finden, damit er das begrenzte mobile Datenvolumen seines Handys schonen kann. In Hotels gebe es ja öfter W-Lan, in öffentlichen Cafés sei das aber schon keine Selbstverständlichkeit. Jedenfalls nicht in Deutschland. Das zeigen auch internationale Vergleiche: Laut dem Verband deutscher Internetwirtschaft gibt es in Deutschland knapp eine Million Hotspots – von denen jedoch lediglich knapp 15000 ohne Registrierung oder Identifikation nutzbar sein sollen. Das sind knapp zwei auf 10000 Einwohner. In Großbritannien etwa betrage dieses Verhältnis 29 zu 10000. In Südkorea seien es gar 37 freie Hotspots.

Das Daldorfer Dorfhaus wurde öffentlich vernetzt als Service für Besucher von Veranstaltungen. Seit Davidsen sich mit der Materie beschäftigt, ist er ganz begeistert von der Vision von Freifunk:

Irgendwann flächendeckendes kostenfreies Netz anzubieten. Demnächst will er einen stärkeren Router nutzen. Auch über eine Richtantenne hat er bereits nachgedacht.

Flächendeckendes freies Netz scheint derzeit ein weit entferntes Ziel beim Blick auf die Freifunk-Karte. Um die 75 sind es erst im Kreis, zumeist im Westen. Drei Punkte in Daldorf, drei in Rickling und dann weit und breit nichts. Flaute in Trappenkamp, Wahlstedt und Bornhöved – dort will die Gemeinde nun aber prüfen lassen, was nötig ist, um Hotspots an strategisch wichtigen Orten im Dorf einzurichten. Auch die rechtliche Lage soll geklärt werden. Ob Freifunk eine Option ist für die Gemeinde, ist noch unklar.

Die rechtliche Situation für das Thema freies W-Lan ist auch nach der jüngsten Gesetzesänderung für Davidsen unbefriedigend. Das Haftungsproblem sei nicht abschließend geklärt. Zwar müssten Anbieter offener Netzzugänge keine Schadenersatzforderungen mehr befürchten im Falle von Urheberrechtsverletzungen durch Fremde, das gelte aber nicht für Unterlassungsansprüche. „Das wird auch von Experten kritisiert“, so Davidsen. Freifunk umgehe dieses Problem. Der Zugang ins Internet erfolge über ausländische Server.

Dass Freifunk wirklich sicher ist in dieser Hinsicht, hofft auch Sülfelds Bürgermeister Karl-Heinz Wegner. Sieben Freifunk-Punkte gibt es im Dorf, einige davon auf Betreiben der Gemeinde.

Insbesondere in den Asyl-Unterkünften. Man wolle den Flüchtlingen die Möglichkeit geben, mit ihren Angehörigen zu kommunizieren, so Wegner. Dass die Freifunk-Hotspots für die Sülfelder oder gar Durchreisende interessant sind, kann er sich nicht vorstellen.

Wie oft die Hotspots im Gemeindehaus oder bei ihm zu Hause genutzt werden von Externen, ist Jörg Davidsen nicht so wichtig: „Es kostet ja fast nichts.“ Der Internetanschluss sei eh vorhanden für den internen Gebrauch. Lediglich der Router müsse gezahlt und eine halbe Stunde Arbeit zum Einrichten investiert werden. Und fertig ist ein neuer Freifunk-Hotspot.

Mehr zum Thema: www.freifunk.net

 Nadine Materne

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