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Paketbote stiehlt 12000 Euro und bricht in Postzentrum ein

Bad Segeberg Paketbote stiehlt 12000 Euro und bricht in Postzentrum ein

14 Monate Haft auf Bewährung für den bisher straffreien 28-Jährigen.

Bad Segeberg. Eine große Last wurde Sascha B. (Name geändert) gestern mit einem Schuldspruch im Bad Segeberger Amtsgericht von den Schultern genommen. Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sprach Richterin Sabine Roggendorf für den ehemaligen Paketboten aus. Der 28-Jährige hatte zwischen April 2015 und 2016 die Einnahmen von 35 Nachnahme-Sendungen einbehalten, außerdem war er in die Paketzentrale in Bad Segeberg eingebrochen, hatte Dutzende Päckchen aufgerissen, um den Inhalt zu verkaufen. Der Gesamtschaden soll sich auf 22000 Euro belaufen.

„Ich bekenne mich schuldig“, sagte der Segeberger ohne Umschweife nach der Anklageverlesung. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, aber ich möchte es erklären“, begann Sascha B. sein Geständnis. „Ich habe damals den Bezug zur Realität verloren.“ Der Vater, zu dem B. gerade erst wieder Kontakt aufgebaut hatte, sei bei einem Unfall ums Leben gekommen: „Er ist mit einer Zigarette in der Hand im Bett eingeschlafen.“ Außerdem habe er seine Freundin verloren. „Ich habe damals sehr viel Alkohol getrunken.“ Und viel Zeit in der Spielhalle verbracht. „Teilweise täglich.“ Um die inzwischen angehäuften Schulden wieder auszugleichen, erklärte der 28-Jährige.

„Ich konnte noch nie gut mit Geld umgehen“, räumte B. ein. Damals sei es besonders schlimm gewesen. „Wenn ich am 15. Geld bekommen habe, war es am 20. schon wieder weg.“ Und nichts zu Essen im Kühlschrank. Zu groß war dann offenbar die Verlockung des Bargelds der Nachnahme-Zustellungen: „Anfangs habe ich versucht, mit dem Bargeld den Monat zu überbrücken“, erklärte Sascha B. Die Abrechnung aus dem Scanner habe er nach der Schicht dann einbehalten. Als es zwei, drei Wochen später wieder Gehalt gab, habe er die Zettel dann mit dem Geld in der Zentrale abgegeben. „Das hat natürlich nur ein, zwei Monate funktioniert“, so B. weiter. Irgendwann habe er die Nachnahme-Pakete nicht mehr eingescannt. Die einbehaltenen Beträge reichten in einem Fall von 2549 Euro bis hin zu kleineren Beträgen von 24,84 Euro – insgesamt 12610 Euro. „Da ging es dann darum, Geld für Brot und etwas zu Trinken zu bekommen.“

Aufgeflogen war der Betrug, als immer häufiger Pakete im Bad Segeberger Bezirk verschwanden und der Sicherheitsdienst verstärkt die Fahrzeuge der Boten kontrollierte. Am 11. Mai 2016 wurden sie bei B. fündig. Nach sieben Jahren bei der Post wurde der damals 27- Jährige fristlos entlassen. „Ich hatte mich eigentlich gewundert, dass es so lange gedauert hat“, sagte B..

Damals habe er auch einen Einbruch in das Bad Segeberger Paketzentrum gestanden am 1. April 2015. Er habe an dem Tag eigentlich nur eine Krankschreibung abgeben wollen, als er die ungewöhnliche Paketmenge im Verteilerzentrum bemerkte – bedingt durch einen Streik der Zusteller. Abends sei er dann durch ein offen gelassenes Fenster in der Damenumkleide eingestiegen – vermummt, mit Taschen und Rucksack. Handys nahm er mit, aber auch Dinge wie ein Mikrofaserbadetuch. „Ich schüttel darüber heute nur den Kopf“, sagte B.. Es sei nur darum gegangen, ein paar Euro zu kriegen. Damals habe er gedacht, er hätte sich an niemanden mit seinen Problemen wenden können. Heute wisse er, es gibt Freunde – Kollegen von der Post –, die trotz allem zu ihm gehalten haben.

Dass es soweit kommen konnte, irritierte Richterin Sabine Roggendorf trotzdem: „Es ist nicht aufgefallen, dass Sie erst Wochen später die Einnahmen der Nachnahme eingezahlt haben?“ „Ich habe mich selbst gewundert“, so B.. Ob niemand beim Empfänger der Sendungen nachgefragt habe, wollte Roggendorf vom zuständigen Sicherheitschef der Post wissen. „Eine Personenbeschreibung und Sie hätten ihn gehabt.“ Das sei nicht notwendig gewesen, befand der Zeuge. „Man hat es Ihnen verdammt leicht gemacht“, so Roggendorf bei der Urteilsverkündung zu B.. Zwar sei doch einige kriminelle Energie erkennbar bei der Häufigkeit der Vorfälle, doch sei das Geständnis sehr ehrlich gewesen. B. ist zudem nicht vorbestraft und will seine Schuld begleichen.

Nadine Materne

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