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Segeberg Patenschaften für Pfeifen und Tasten
Lokales Segeberg Patenschaften für Pfeifen und Tasten
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21:10 14.10.2015
Zinnfraß hat einigen Pfeifen zugesetzt.
Bad Segeberg

Die alte Orgel der Bad Segeberger Marienkirche hat schon seit vielen Jahren ihre Macken. Sogar ein Totalausfall kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. So weit wollen es die Mitglieder des neuen Orgelbauvereins aber gar nicht erst kommen lassen. Der Verein ist am Dienstagabend unter dem Namen „Neue Orgel für Marien“ gegründet worden. Mit großem Elan und vielen Ideen haben sich die 30 Gründungsmitglieder ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie wollen eine Million Euro sammeln, um der Marienkirche eine neue Orgel spendieren zu können.

Wie die aussehen wird, ob sie 30 oder wie von Fachleuten empfohlen 49 Register haben und wie teuer sie letztlich werden wird, steht noch vollkommen in den Sternen. Sicher ist bislang nur, dass eine neue Orgel auf der Empore nach vorne rückt. „Dort hat sie auch früher mal gestanden. Erst 1970 ist sie nach hinten gerückt. Man wollte eine größere Empore haben, hat dabei aber die Akustik vergessen“, sagt Kirchenmusiker Andreas J. Maurer-Büntjen. Er möchte in nächster Zeit verschiedene Orgeln ausprobieren, die in den vergangenen zehn bis 15 Jahren gebaut wurden. Erst danach soll eine Ausschreibung erfolgen und festgelegt werden, wie viele Register die Orgel letztlich haben soll.

Eine volle Million Euro wird der Verein allerdings gar nicht mehr sammeln müssen, denn es gibt bereits einen finanziellen Grundstock, der zweckgebunden in der Rücklage der Kirchengemeinde verbucht ist. 111 894 Euro liegen hier bereits auf der hohen Kante, gespendet von beiden Lions-Clubs, der Kabarettgruppe „Die Schwarzbunten“, vom Marinemusikkorps sowie die Erlöse aus der Veranstaltungsreihe „Musik zur Marktzeit“.

Aber ob nun eine Million oder 888 000 Euro: Der Arbeitsaufwand wird für die Menschen, die Geld sammeln wollen, groß werden. Sie gehen im günstigsten Fall davon aus, dass die Summe in sechs bis sieben Jahren komplett ist. Ihr Ziel erreichen wollen die Orgelfreunde, die am Dienstag den Segeberger Rechtsanwalt Hartmut Krüger zum Vorsitzenden, Winfried Schulz zu seinem Stellvertreter sowie Ines Reher zur Schatzmeisterin und Dr. Christiane Reinke zur Schriftführerin gewählt haben, unter anderem mit Tasten- und Pfeifen-Patenschaften, die für 300 bis 5000 Euro zu haben sind. Wenn‘s ein bisschen mehr sein soll, kann sogar eine Patenschaft für ein ganzes Register übernommen werden. Für ein Register allerdings muss man schon ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. Im Schnitt werden dafür 20 000 Euro fällig.

Auch erste Veranstaltungen sind bereits geplant, wie das nächste Neujahrskonzert. Um den Eintrittspreis sollen die Zuhörer dann würfeln. Motto-Konzerte sind ebenso angedacht wie besondere Konzerte mit überregionalen Künstlern oder Interaktionskonzerte und musikalische Services für Sponsoren.

Obwohl gerade erst gegründet, macht der Verein auf seiner Internetseite www.orgel-segeberg.de bereits kräftig Werbung für sich und die neue Orgel. Wer will, kann hier demnächst auf einer Patenschaftsliste vermerkt werden, außerdem besteht ein Blog mit Andreas J. Maurer-Büntjen, Zitate rund um die Orgel sollen hier gesammelt und natürlich auf Veranstaltungen hingewiesen werden. „Wir wollen die Orgel hip machen“, sagt Jochen Dähn, der die Website entwickelt hat und demnächst mit Leben füllen wird.

Brandgefahr, stumme Töne, schlechter Standort
Sachverständige hatten nach einer Begutachtung der Marcussen-Orgel bereits vor sieben Jahren Alarm geschlagen. Die Elektrifizierung der Orgel vor 45 Jahren sei zwar gut gemeint gewesen, weil aber die Kabel ohne Isolierung auf Sperrholztafeln gelötet sind, bestehe Brandgefahr. Ein zusätzlicher Schutzschalter wurde eingebaut, ein Feuerlöscher steht immer griffbereit.


Am Spieltisch brennen zudem des öfteren Kontakte durch. Die Folge: Einzelne Töne bleiben stumm. Bislang konnte alles wieder repariert werden, doch für manche Kontakte sieht selbst St.
Mariens Orgel-Experte Winfried Schulz keine Möglichkeiten mehr. Der größte Teil der Pfeifen ist aus minderwertigem Material, auf dem sich nun Zinnfraß breit macht.



Ein weiteres Manko: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Orgel dem damaligen Zeitgeist angepasst, dem Neobarock, was heute vielfach zu schrill klingt. 1970 wurde die Orgel versetzt, was der Akustik nicht förderlich war. Die neue Orgel soll wieder genau unter dem letzten Rundbogen des Kirchenschiffs stehen, um die Klangvielfalt ungehindert entfalten zu können.
pd

Petra Dreu

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