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Pediküre für „Holly“ und die anderen

Seth Pediküre für „Holly“ und die anderen

Wenn Klauenpfleger Asmus Meyer mit seinen Jungs kommt, heben die Kühe von Bauer Kuno Selk ab.

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Mit einem High-Tech-Gerät wird die Kuh hochgehoben - so kann der Klauenpfleger an die Hufe der Tiere.

Quelle: Spreer

Seth. Ein Offenstall am Ortsrand von Seth: 100 Kühe sind hier zu Hause. Heute haben sie besonderen Besuch. Asmus Meyer ist da, der Klauenschneider. Pediküre für die vierbeinigen Damen ist angesagt. Dabei geht es Meyer, der seine beiden Helfer Stefan Laarz und Nils Schulz mitgebracht hat, nicht um Kosmetik. Sondern um die Gesundheit seiner „Patientinnen“. Und um deren Milchproduktion.

Klauenpfleger Asmus Meyer sorgt für eine angemesse Kuh-Pediküre.

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Denn das alles gehöre zusammen, sagt der 38-Jährige. Seit zehn Jahren kommt er dreimal im Jahr auf den Hof von Kuno und Ute Selk. Etwa 3000 Euro lassen sie sich das kosten. Sie wissen: Ist die Kuh gesund, gibt sie Milch. Oder, wie Ute Selk sagt: „Klauen tragen die Milch.“ Mit anderen Worten: Wer seine Kühe nicht pflegt, der bestraft sich am Ende selbst. Oder: Hat eine Kuh kranke Füße, mag sie wegen der Schmerzen nicht aufstehen. Dann frisst und trinkt sie nicht — und dann liefert sie deutlich weniger Milch als im Normalfall, und das sind gut 30 Liter am Tag.

Meyer hat seinen mobilen Klauenstand aufgebaut, ein 900 Kilo wiegendes 40 000 Euro teures Hightech-Gerät. Er steht auf Rollen, überall sind Lampen angebracht, um beste Sicht im Stall zu haben. Stromanschluss für die Flex, Halterungen für Werkzeuge, Ablageflächen für Verbandmaterial: ein guter Arbeitsplatz. Die Kühe stehen im Treibegitter, warten geduldig in der Schlange, bis sie dran sind.

Ein paar Minuten dauert die Prozedur. Automatisch öffnet sich die Tür zum Klauenstand. Ist die Kuh drin, werden Gurte um ihren Bauch geschlungen, und damit wird das Tier auf Knopfdruck angehoben. Das sieht ulkig aus. Für das Tier eine verblüffende Situation — man scheint es ihm anzusehen. Ein Bein nach dem andern wird mit einem Strick fixiert und angewinkelt. Die Kuh hängt jetzt in der Luft, alle Viere von sich gestreckt. Sie ist ruhig. Genau die richtige Position für Meyer. Ohne sich bücken zu müssen, schleift er mit einer Flex die Hufe ab, modelliert sie, so wie wir es bei der Pediküre machen.

Wozu ist das nötig? Sind die Klauen unregelmäßig gewachsen? Sind sie zu lang? Haben sich Entzündungen gebildet oder Verletzungen? Das prüfen die drei Männer und legen Hand an. Hufe müssen regelmäßig beschnitten werden, damit sich beispielsweise keine Sohlengeschwüre bilden. Früher haben die Bauern das mit einem Messer selber gemacht. Aber bei 100 Kühen? „Das geht nicht mehr“, sagt Kuno Selk (56). Er weiß, was er an Meyer hat, der gerade einem Tier einen Entlastungsverband anlegt. Eine der beiden Klauen (Kühe sind Paarhufer) ist krank, ein Geschwür, das er freilegt. Das verursache dem Tier Schmerzen, „wie wir es von einer Nagelbettentzündung kennen“. Meyer erklärt seine Arbeit dem Reporter, indem er Parallelen zwischen Kuh und Mensch zieht.

Er hat Landwirtschaft auf dem elterlichen Hof gelernt, die Höhere Landbauschule besucht und in Kanada gearbeitet, bevor er sich als Klauenpfleger vor 14 Jahren selbständig gemacht hat. Um die Klaue zu entlasten, legt er auf die gesunde ein Unterlegstück, um sie zu erhöhen. Damit erspart er dem Tier das schmerzhafte Auftreten mit der kranken Klaue. 14 Tage bleibt die Erhöhung drauf.

Es ist laut im Stall, aber es herrscht keine Hektik. Kühe muhen, die Flex kreischt, Metallteile klappern aneinander. Dennoch gehen die meisten Kühe ruhig in die Box. Und wieder raus. „Die Holly ist ‘ne ganz Nervöse“, zeigt Ute Selk auf ein Tier. Es scheint Angst zu haben. „Wir kennen ja unsere Kühe“, sagt die Bäuerin. Sie lobt Meyer: „Er macht das ganz ruhig, da haben wir keine großen Milcheinbußen.“ Es gebe Kollegen von ihm, da würden die Kühe noch drei Tage danach aufgeregt sein. Und solche Kühe produzieren weniger Milch. Meyer stellt nüchtern fest: „Wenn eine Kuh danach wie auf Eiern geht, dann habe ich was falsch gemacht.“ Selk sagt: „Wenn wir eine kranke Klaue nicht behandeln würden und sie sich entzündet, dann geht die Kuh schlimmstenfalls nach zwei, drei Monaten zum Schlachter.“

Die vier Hufe sind verarztet, hydraulisch senkt sich der Pflegestand, die Kuh kriegt wieder Boden unter die Beine, die Gurte rutschen zur Seite, die Tür öffnet sich, und die Kuh kann nach vorne heraustreten. Bei den allermeisten Tieren scheint dies Routine zu sein. Oder liegt es an der Voraussicht des Ehepaares Selk? Das bereitet seine Tiere nämlich plietsch und ganz sutsche auf die Klauenpflegeaktion vor. „Heute Morgen haben wir sie für drei Stunden auf die Jogging-Weide gelassen — da wussten die ganz genau: Heute passiert irgendwas“, sagt Ute Selk. Kühe sind ja schließlich nicht doof.

Christian Spreer

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