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Peinlicher Vorfall: Blinder der Schlagernacht verwiesen

Bad Segeberg Peinlicher Vorfall: Blinder der Schlagernacht verwiesen

"Justizirrtum" am Kalkberg. Für den sehbehinderten Hartwig Lahann aus Grebin (Kreis Plön) entwickelte sich der erste Besuch der Schlagernacht zum Albtraum: Erst wurde der 68-Jährige von Betrunkenen belästigt, dann von Sicherheitskräften aus dem Stadion gezerrt. Die Verantwortlichen sind beschämt.

7500 Menschen kamen zur Schlagernacht am 6. Mai. Auch der Alkohol floss an dem Abend in Strömen.

Quelle: Dudek (rtn)

Bad Segeberg. Eigentlich hatten Hartwig Lahann und seine Frau Ute gehofft, in Ruhe ihren Schlagerstars lauschen zu können. Da der pensionierte Gärtner seit einigen Jahren vollständig blind ist, hatten sie zur Sicherheit Plätze in der letzten Reihe nahe dem Eingang gebucht. Dort hielten sich allerdings auch mehrere angetrunkene Feiernde auf, unter anderem eine knapp bekleidete Enddreißigerin mit ihren zwei Begleitern, wie Lahann später von seiner Frau erfuhr. „Nach dem Auftritt von Maite Kelly ist meine Frau kurz zur Toilette gegangen, und diese Dame hat sich einfach neben mich gesetzt“, schildert Lahann. Ihm sei das unangenehm gewesen. Wegen seiner Blindheit habe er ihre Absichten nicht einschätzen können. Von seiner Bitte, ihn in Ruhe zu lassen, habe sich die Betrunkene aber nur provoziert gefühlt. Sie kippte Bier über ihm aus, setze sich auf seinen Schoß. „Ich habe Angst bekommen, sie angeschrien und weggestoßen.“

LN-Bild

Erst wurde er von einer Betrunkenen belästigt, dann abgeführt: Hartwig Lahann (68) dürfte der Abend am Kalkberg lange im Gedächtnis bleiben.

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„Mir tut das sehr leid. Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände." Dirk Grube, Mebo Sicherheitsdienst

Ohne zu wissen, wie ihm geschieht, sei er dann von zwei Leuten gepackt worden. „Erst dachte ich, die gehören zu ihr und wollen mich verprügeln“, sagt Lahann. Tatsächlich handelte es sich um Mitarbeiter des Mebo-Sicherheitsdienstes, die ihm die Arme auf den Rücken gedreht und fortgezogen hätten. „Mehrmals habe ich gerufen: ,Ich bin blind, ihr brecht mir die Arme.‘ Aber niemand hat reagiert.“ Stattdessen sei er vor dem Stadion ausgesetzt worden. „Erst wusste ich gar nicht, wo ich war und habe laut um Hilfe gerufen.“

Ute Lahann fand den Platz ihres Mannes derweil leer vor. „Diese Frau ist dann auf mich zugekommen. ,Dein Mann hat mich belästigt, der ist abgeführt worden‘, hat sie zu mir gesagt“, berichtet die Plönerin. Im Sanitätszelt – Rettungssanitäter hatten sich Hartwig Lahann inzwischen angenommen – habe sie ihn dann wieder gefunden. Und obwohl sie beweisen konnten, dass Lahann tatsächlich nicht sehen kann, seien sie nicht mehr ins Stadion gelassen worden. „Es hat geheißen, wir seien eine Gefahr für die anderen Besucher.“

Dirk Grube, Leiter des Sicherheitsdienstes bei der Firma Mebo, ist zerknirscht. Das Ganze tue im sehr Leid. Es sei eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen, räumt Grube ein, nimmt seinen Mitarbeiter aber in Schutz. „Mehrere Gäste sind an ihn herangetreten und haben gemeldet, dass ein Zuschauer eine Frau schlagen würde.“ So habe sich die Situation für den Mitarbeiter vor Ort dargestellt. Der von den anderen Gästen beschuldigte Mann – Hartwig Lahann – sei laut Bericht des Kollegen aufgebracht und aggressiv gewesen. „Im Nachhinein betrachtet natürlich aus sehr nachvollziehbaren Gründen“, sagt der Sicherheitschef. So sei es aber zu der Fehleinschätzung gekommen. „Als ich meinem Mitarbeiter erzählt habe, dass der Betroffene blind ist, wollte er mir erst gar nicht glauben.“

Hartwig Lahann bestätigt, dass ihm die Blindheit tatsächlich nicht unmittelbar anzusehen sei. Zwar trägt er für gewöhnlich ein Blindensymbol. Das war in diesem Fall jedoch von einer Strickjacke verdeckt, die er sich kurz zuvor angezogen hatte. Aus diesem Grund kann er die Reaktion des Sicherheitsdienstes zwar teilweise nachvollziehen. „Aber ich finde es absolut nicht richtig, dass ich nicht mal die Chance hatte, mich zu rechtfertigen, sondern gleich rausgeschmissen und mir selbst überlassen wurde“, sagt der Rentner. „Dass ich mit meinen fast 70 Jahren keine Frauen belästige, hätte man zudem wissen können.“

Hartwig Lahann will der Schlagernacht trotzdem nicht den Rücken kehren. „Herr Grube und auch der Veranstalter Hans Scherer haben inzwischen Kontakt zu mir aufgenommen und sich entschuldigt.“ Scherer habe ihn für 2018 eingeladen und angeboten, hinter der Bühne die Künstler treffen zu können. „Ich würde das gern machen. Aber meine Frau ist da im Moment noch skeptisch.“

Oliver Vogt

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