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Segeberg Per Leseausweis in die Bücherei
Lokales Segeberg Per Leseausweis in die Bücherei
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11:27 10.11.2016
Stadtteilbüchereileiterin Brigitte Kukies zeigt, wie die registrierten Kunden mit dem Leseausweis die Tür zur Bücherei in Glashütte öffnen können. Quelle: Fotos: Fuchs

Die Stadt Norderstedt betritt Neuland, was das Büchereiwesen angeht. Als erste der 150 Bibliotheken in Schleswig-Holstein und als zweite der 2800 Bibliotheken in Deutschland führt die größte Stadt des Kreises Segeberg das Konzept der offenen Bücherei ein. Das bedeutet, dass zunächst in der Stadtteilbücherei Glashütte von den Nutzern Bücher und andere Medien gelesen oder ausgeliehen werden können, ohne dass ein Mitarbeiter vor Ort sein muss.

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Die offene Bücherei in Norderstedt ist ein landesweites Pilotprojekt und beschert Kunden längere Öffnungszeiten.

Die an sich geschlossene Bücherei am Glashütter Markt ist dann mit dem Leseausweis des Kunden selbstständig zu öffnen. Der müsse sich zuvor dafür registrieren lassen und volljährig sein, erläutert Büchereichef Ingo Tschepe das Pilotprojekt, das aus Dänemark übernommen wurde und vor zwei Jahren bundesweit erstmals in Hamburg-Finkenwerder eingeführt wurde.

In der Testphase erhöhen sich dadurch die Öffnungszeiten von zurzeit 24 um weitere elf Stunden pro Woche, weil es zunächst nur an den Öffnungstagen Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 8 bis 10 Uhr sowie in der Mittagspause zwischen 13 und 14 Uhr möglich sein wird, die personell unbeaufsichtigte Bücherei zu betreten. Wenn diese Erprobungsphase reibungslos verlaufe, werde sie Anfang 2017 auf alle Werktage von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr erweitert, kündigt Tschepe an. Und im nächsten Schritt wäre sogar eine tägliche Öffnung an sieben Tagen in der Woche von 8 bis 22 Uhr denkbar.

Dann hätten sich die jetzigen Öffnungszeiten auf 96 Stunden in der Woche vervierfacht.

Die Leser könnten in den automatisch beleuchteten Räumen ungestört in den Büchern schmökern, Bücher zurückbringen, sich neue Medien per Scanner ausleihen, erläutert Brigitte Kukies, Leiterin der Stadtteilbücherei, das Verfahren. Aber die Kunden sind nicht unbeobachtet. Videokameras zeichnen alles auf, was in den Räumen geschieht. Und diese Daten werden auch sieben Tage lang gespeichert. Das sei alles genau mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein so abgesprochen, der keine Einwände dagegen habe, betont Tschepe. Etwa 25000 Euro seien dafür allein in die Technik investiert worden.

Vorbild für dieses Konzept ist das sogenannte Dokk 1 in Aarhus in Dänemark, wo die Bewohner ihre Bibliothek jeden Tag bis in die Abendstunden besuchen können, die dort 35000 Quadratmeter groß

ist. Die in Glashütte bietet dagegen nur 13 000 Medien auf 350 Quadratmetern. Aber dieses Konzept solle auf alle vier Stadtteilbüchereien ausgeweitet werden, wenn es sich in Glashütte bewähre, kündigt Hans-Joachim Grote an. Der Norderstedter Oberbürgermeister ist ein absoluter Verfechter dieser Neuerung und ist stolz darauf, dass Norderstedt hierbei landesweit vorangehe. Denn er ist zugleich Vorsitzender des Landesverbandes des Büchereiwesens und Präsident des Deutschen Bibliothekverbandes. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Norderstedter dieses Vertrauen missbrauchen werden.“ Die Erfahrungen aus Dänemark und Finkenwerder zeigten, dass Diebstahl oder Vandalismus dabei so gut wie keine Rolle spielten.

Für Bibliotheks-Präsident Grote ist diese Öffnung der Büchereien ein Zukunftsmodell, das gesellschaftlich erforderlich sei. „Die Büchereien werden immer mehr zu einem sozialen Treffpunkt in der Stadt, wo die Bürger nicht nur die neuesten Zeitungen und Bücher lesen, sondern sich auch untereinander unterhalten können.“ Diese sozialen Treffpunkte in öffentlich geschützten Räumen würden zunehmend notwendig, um der Vereinsamung der Menschen zu begegnen. „Damit erfüllen die Büchereien eine ganz wichtige gesellschaftliche Aufgabe.“

 Burkhard Fuchs

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