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Segeberg Pferdequälerei: Allein diese Woche drei Fälle angezeigt
Lokales Segeberg Pferdequälerei: Allein diese Woche drei Fälle angezeigt
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20:10 29.06.2017
Seth/Kiel

Nach dem gestrigen Bericht über einen mutmaßlichen „Pferderipper“ in der Gemeinde Seth haben sich mehrere betroffene Pferdehalter in der LN-Redaktion gemeldet. Sie äußern erhebliche Zweifel an der Darstellung des Landeskriminalamtes (LKA) in Kiel, dass die an der Flanke verletzte Stute sich die Wunde womöglich selbst zugefügt hat.

Das LKA bleibt indes bei seiner Einschätzung, bestätigte aber jetzt noch einen anderen Fall im Kreis.

Markus Lange vom Betreiber-Paar des Pferdehofes in Seth, auf dem die betroffene Stute untergebracht ist, zeigte sich empört über die Aussage von LKA-Sprecherin Carola Jeschke. „Eine Beamtin der Polizei hat sich das Tier angeschaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Schnittverletzung eindeutig von einem Messer stammte“, so der 43-Jährige. Dafür sprächen auch noch andere Indizien: Am Dienstagmorgen, als die Verletzung passiert sei, habe ein Nachbar, der mit seinen Hunden unterwegs war, ein Pferd aufjaulen gehört. Da dessen Hunde umgehend angeschlagen hätten, seien der oder die Täter wohl verscheucht worden. „Ansonsten wären die Verletzungen wohl schlimmer gewesen“, vermutet Lange. Fußspuren, die das Paar später an einem Zaun im Matsch entdeckte, deuteten jedenfalls auf zwei Täter. Weiteres Indiz: Nicht nur die verwundete Stute, sondern auch die anderen sechs Pferde auf der Koppel seien verstört gewesen. „Sie standen dicht zusammengedrängt in einer Ecke der Koppel, haben sich offenbar gegenseitig beschützt“, sagt Lange. Selbst das zahmste Tier der Herde sei danach vor Menschen zurückgescheut.

Das LKA hält sich in der Sache weiter bedeckt, sieht jedoch bei diesem konkreten Fall weiter keinen Hinweis auf eine Straftat. Zwar treffe zu, dass eine Beamtin der örtlichen Polizei zunächst von einer absichtlich herbeigeführten Schnittverletzung ausgegangen war. Eine Ermittlerin aus Kiel, die sich laut LKA sehr gut mit Pferden auskenne, sei kurz darauf aber zu einem gegenteiligen Schluss gelangt. Das Tier habe sich die oberflächliche Wunde wohl bei einem Unfall selbst zugezogen.

Markus Lange und seine Lebensgefährtin glauben das nicht, sie wissen, was sie gesehen haben. Aus Angst, dass die Unbekannten zurückkommen, übernachten sie jetzt sogar regelmäßig in der Nähe der Weide.

Ob tatsächlich zehn Pferde in der Region verletzt worden sind, wie ein Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook behauptet, ließ sich bislang zwar nicht bestätigen. Fakt ist aber, dass bereits am Sonntag auf einer Koppel im benachbarten Borstel eine Stute an den Genitalien verletzt wurde. „Zwei Stunden musste sie danach operiert werden“, sagte die Halterin der 26 Jahre alten „Linda“ den LN. Dass sich der „Ripper“ ihre Stute ausgesucht hat, ist nach Angaben der 41-Jährigen dem Alter des Tieres geschuldet. „Sie hat kaum mehr die Kraft, schnell wegzulaufen.“

Das LKA bestätigte gestern auf Anfrage diesen Fall, hält ein Fremdverschulden dabei aber nur zu 50 Prozent für wahrscheinlich. Die Ermittlungen dauerten aber noch an. Definitv einem Tierquäler zuzuordnen sei aber ein verletztes Pferd in Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde), das der Polizei ebenfalls in dieser Woche gemeldet worden war. Ob und in welchen Orten es über diese Woche hinaus Fälle gegeben hat, lässt das LKA aus „ermittlungstaktischen Gründen“ aber weiter offen.

Hintergrund

Verstümmelungen von Pferden ist ein bundesweites Kriminalitätsphänomen. Häufig werden die Tiere an den Geschlechtsteilen verletzt. Forensiker gehen deshalb von psychisch oder sexuell gestörten Tätern aus.

In Grömitz (Ostholstein) wurde im August 2014 zum Beispiel ein 43-jähriger Stormarner von der Polizei gefasst. Er hatte dort mindestens vier Ponys misshandelt und im Genitalbereich verletzt.

In Tostedt, im Landkreis Harburg, wurde im Januar 2015 ein 20-Jähriger auf frischer Tat festgenommen. Er hatte zuvor mindestens 13 Stuten verstümmelt.

Oliver Vogt

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