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Pflegegesetz 2017 ist eine „Blackbox“

Bad Segeberg/Wahlstedt Pflegegesetz 2017 ist eine „Blackbox“

Wie viele Heimplätze braucht Bad Segeberg und Umgebung? – Andere Träger planen vorerst keine Anbauten.

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Sie fühlen sich wohl im Bad Segeberger Haus Parkblick: Käte Voegt, Walter Schümann und Hildegard Wittern (von links).

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg/Wahlstedt. Senioren über 65 Jahre im Kreis Segeberg sollen bereits in 15 Jahren ein Drittel der Bevölkerung stellen, sagen Experten. Da scheint der „Eichenhof“ mit der Aufstockung der Pflegeplätze von 69 auf 98 (siehe Artikel oben) gut aufgestellt zu sein für die kommende Generation an hochbetagten Pflegebedürftigen. Wie beurteilen das andere Anbieter – auch angesichts des neuen „Pflegestärkungsgesetzes II“?

„60 Pflegeplätze gibt es im Haus Parkblick. Für uns ist das eine gesunde Größe, mit der wir gut zurechtkommen.“ Ute Hoffmann, Haus Parkblick

Es wirkt wie eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit. Früher haben sich fitteste Senioren entschieden, ins Altersheim zu gehen, auch um nicht zu vereinsamen. Heute ist es meist eine persönliche Katastrophe, ein plötzlicher Sturz, ein Schlaganfall, eine Demenzerkrankung, ein längerer Krankenhausaufenthalt, die den alten Menschen mehr oder minder gezwungen ins Pflegeheim führt. So kann es passieren, dass eine über 80-Jährige alltagstauglich und ohne Pflegestufe gar keine Chance hat, aufgenommen zu werden. Auch wenn die Tochter befürchtet: Oma allein zu Haus – das geht gar nicht!

„Mit Anfang 80 ist ein Neuankömmling bei uns ein echtes Küken, das Durchschnittsalter bei uns liegt bei 87 Jahren“, berichtet Ute Hoffmann vom Haus Parkblick. „Wenn wir etwas frei haben, ist es schnell wieder belegt.“ Im privaten Heim stehen 60 Plätze zur Verfügung. Das reiche. „Für uns ist das eine gesunde Größe, mit der wir gut zurechtkommen.“ So kenne man nicht nur alle Bewohner gut, sondern auch deren Angehörige. Im Moment sei Haus Parkblick gut ausgebucht, sagt Ute Hoffmann. Anders als andere Häuser nehme man auch Menschen ohne Pflegestufe auf. „Wo sollen die sonst bleiben?“

Der Gesetzgeber möchte aber, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben. Dass dabei manchmal Einsamkeit drohe, werde nicht genügend beachtet. Ute Hoffmann: „Ich finde es schade, dass es so wenig Einrichtungen gibt für alte Menschen, die mehr Gesellschaft haben möchten.“ Ihr Bruder, Heimleiter André Hoffmann, wehrt sich gegen Vorurteile, dass in privaten Heimen beim Pflegepersonal Mangel herrsche. „Wir haben den Personalschlüssel mehr als voll erfüllt.“ Beim neuen Pflegegesetz sieht er „einen Riesenvorteil“ für die Betroffenen. Sie müssen zum Beispiel keine Angst mehr haben, dass durch eine Erhöhung des Pflegegrades (heute gilt noch die „Pflegestufe“) ihr Eigenanteil steigt, wie es jetzt noch der Fall ist.

Das Propsteialtenheim in der Bad Segeberger Südstadt hat zurzeit 83 Pflegeplätze plus zwei Kurzzeitplätze, erklärt die stellvertretende Leiterin Alexandra Simon. Im angegliederten kirchlichen Marienhof sind es 40 Plätze. Das Propsteiheim habe zurzeit Plätze frei. Das kommende Pflegestärkungsgesetz II sei noch „eine Blackbox“ für die Heimträger. „Wir können selbst noch nicht abschätzen, wie das mit der neuen Differenzierung der Pflegebedürftigen sein wird.“ Alexandra Simon sieht kommen, dass die ambulanten Pflegedienste durch das neue Gesetz erheblich gestärkt werden. „Die werden wesentlich mehr Mittel zur Verfügung haben.“

Sprecherin Regina Rocca vom Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein will nicht prophezeien, wie sich das neue Gesetz auf die Altenpflegeheim Rickling (125 Plätze) und das Paul-Gerhardt-Haus in Wahlstedt (92 Plätze) auswirken werde. Das werde die Praxis zeigen. Zurzeit seien beide Heime gut ausgelastet, „und für die Zukunft haben wir keine Sorgen“.

Fünf Pflegegrade

Wieder so ein Wort-Ungetüm: 2017 wird das „zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II)“ wirksam. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von erheblichen Leistungsverbesserungen. Insgesamt stehen ab 2017 jährlich fünf Milliarden Euro zusätzlich für die Pflege zur Verfügung. Der Beitragssatz der Sozialen Pflegeversicherung steigt dafür zum 1. Januar 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 bzw. 2,8 Prozent für Kinderlose, heißt es vom Ministerium.

2,7 Millionen Pflegebedürftige werden zum 1. Januar 2017 automatisch in einen der neuen fünf Pflegegrade übergeleitet. Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen „springen“ automatisch von ihrer Pflegestufe in den nächst höheren Pflegegrad. Menschen, bei denen eine dauerhafte erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt wurde, werden in den übernächsten Pflegegrad überführt. Wer bereits Pflegeleistungen bezieht, behält diese mindestens in gleichem Umfang weiter, die allermeisten erhalten mehr Unterstützung.

Ab 2017 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung ein einheitlicher Eigenanteil für die Pflegegrade 2 bis 5. Zudem erhalten alle Pflegebedürftige einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsangebote in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen.

Vonwolfgang Glombik

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