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Segeberg Picknicken: Die Freizeitkultur des 19. und 20. Jahrhunderts
Lokales Segeberg Picknicken: Die Freizeitkultur des 19. und 20. Jahrhunderts
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20:21 14.05.2016
Romy Rölicke vom Norderstedter Stadtmuseum und Sammler Peter Fahrenkrug präsentieren hier einen Picknickkoffer mit besonders reichhaltiger Geschirr-Bestückung. Quelle: Fotos: Fuchs

Die Kultur des Essens und Trinkens an der frischen Luft in der freien Natur ist Thema der neuesten Ausstellung „Picknick – Freizeit und Genuss“ im Norderstedter Stadtmuseum, die noch bis zum 3. Juli zu sehen ist. Dort stellt der Sammler Peter Fahrenkrug 300 seiner 500 in den vergangenen 20 Jahren vornehmlich in England, Deutschland und Frankreich ersteigerten Picknickkörbe, -taschen und -koffer aus.

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Ausstellung im Norderstedter Stadtmuseum zeigt 300 einfache bis feinste Picknickkörbe und -koffer aus Frankreich, Deutschland und England.

Die Ausstellungstücke sind bis zu 150 Jahre alt und zum Teil sehr wertvoll. Ein Picknick-Koffer, der 2005 bei einer Auktion von Sotheby’s in London in seinen Besitz kam, gehörte sogar König Georg V., dem letzten König von Hannover vor der deutschen Reichsgründung.

Das Wort Picknick stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie etwas Kleines aufzunehmen. Die Engländer machten daraus eine regelrechte Esskultur, die sich bis heute in allen Schichten gehalten hat. „Bei schönem Wetter picknicken sie gerne auf großen Rasen- und Parkflächen“, weiß Sammler Fahrenkrug.

Es galt, die Speisen frisch und warm zu halten. Darum sind einige der mondäneren Picknick-Koffer mit einem Spiritus- oder sogar Eierkocher ausgestattet. Schließlich musste ja auch Wasser für den Tee gekocht werden, erklärt Fahrenkrug. Wieder verschließbare Gläser und Dosen hielten die Lebensmittel frisch. Und natürlich mussten auch Besteck, Teller, Tücher, Gläser und Becher sowie Stövchen, Teekanne und Gewürzstreuer in diesen Picknick-Koffern ihren angestammten Platz haben.

Die Ausstellung ist thematisch und in verschiedene Zeiten gegliedert. So gab es auch eine eigene Picknick-Kultur in der DDR, erzählt Sammler Fahrenkrug. Zum einen hatten sie in Thüringen bekannte Hersteller für Thermoskannen, die sogar international erfolgreich waren. Zum anderen gab es insbesondere an der Ostsee kaum Restaurants, so dass sie sich auch im Urlaub Speisen lieber selber mitnahmen, um unabhängig zu sein.

Sogar die damaligen Autos waren auf diese Kultur eingestellt. So waren die Koffer so konzipiert, dass sie auf die Gepäckfläche passten, wo sie festgeschnallt werden konnten. Und es gab praktische Abstellflächen oder Anhängemöglichkeiten für die kleine Zwischenmahlzeit unterwegs.

„Man muss etwas bekloppt sein“, um diesem Hobby des Picknick-Korbsammelns zu frönen, sagt Fahrenkrug, der von Beruf Tierarzt ist. Vor allem das Aufbewahren seiner vielen Sammlerstücke sei schwierig. „Das sind ja keine Briefmarken, die man leicht in Büchern stapeln kann.“ Er habe sich eigens ein großes Lager für sein verrücktes Hobby besorgt, das inzwischen regelrecht überlaufe. Neben dem Design und Material faszinierte ihn dabei die Kunstfertigkeit der patenten Koffer, in denen auf engstem Raum alles kunstvoll verpackt und vor Transportschäden geschützt werden musste.

Sein teuerstes Stück ist ein Art-Deko-Koffer aus den 1930er Jahren, eigens von einer Manufaktur in Leipzig für die Luxuskarossen Horch und Maybach gefertigt. 4000 Euro musste Fahrenkrug für diesen Luxuskoffer investieren, sagt der 63-Jährige und lacht.

Bis zum 3. Juli

Die Ausstellung „Picknick – Freizeit und Genuss“, die schöne Einblicke in die Freizeitkultur des 19. und 20. Jahrhunderts bietet, läuft bis zum 3. Juli. Das Norderstedter Museum im Friedrichsgaber Weg 290 ist mittwochs bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene, 2,50 Euro ermäßigt. Für Kinder bis zwölf Jahre ist er frei.

Burkhard Fuchs

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