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Segeberg Ein Bürgerwindpark für Rehhorst?
Lokales Segeberg Ein Bürgerwindpark für Rehhorst?
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16:58 08.11.2018
Hier könnten neue Windkraftanlagen gebaut werden. Im Hintergrund die bestehenden Windräder in Willendorf.  Quelle: mc
Rehhorst

Im Rehhorster Ortsteil Willendorf stehen bereits Windkraftanlagen, etwas weiter südlich in Havighorst ebenfalls. Und wenn es nach den Plänen des Landes geht, kommen weitere Windräder im Westen der Gemeinde dazu. Dort ist nämlich ein 83 Hektar großes Gebiet als Vorrangfläche ausgezeichnet worden. Mehr noch: Das zweigeteilte Areal ist als Standort für das sogenannte Repowering vorgesehen. Das heißt, dort werden größere (bis zu 200 Meter hoch) und leistungsstärkere Windräder aufgestellt. Bedingung: Für jede neue Anlage müssen zuvor zwei alte Windmühlen im betroffenen Planungsraum zwischen Fehmarn und Dithmarschen abgebaut worden sein.

Wie viele Windräder am Ende dort in ein paar Jahren stehen, ist derzeit noch nicht abzusehen. Es könnten zum Beispiel fünf sein, aber auch zehn. Auf jeden Fall bewegt das Thema die Gemeinde stark, vor allem die Bewohner des Ortsteils Neukoppel. Zu einer Einwohnerversammlung am Mittwochabend kamen fast 100 Rehhorster Bürger ins Dorfgemeinschaftshaus. Befürworter und Gegner kamen zu Wort, es wurde in geordneten Bahnen diskutiert. Am Ende könnte es sogar einen Bürgerwindpark geben.

„Schon seit dem Sommer haben die Flächenbesitzer Anfragen von Windfirmen“, berichtete Fried David, Landwirt aus dem benachbarten Dreggers (Kreis Segeberg) und selbst Inhaber von betroffenen Flächen. Etwa die Hälfte der Landbesitzer habe schon Nutzungsverträge mit Firmen unterschrieben, vor allem die im nördlich gelegenen Teil Richtung Stubben. 44 Hektar seien indes noch nicht vergeben.

Höhere Einnahmen bei der Gewerbesteuer

Und das soll laut Fried David auch so bleiben. „Wir Eigentümer sind uns einig, dass wir keine externen Investoren wollen.“ Stattdessen haben der Landwirt und seine Mitstreiter die Firma „Landwind Rehhorst“ gegründet und wollen mithilfe eines Planungsbüros selbst den Windpark entwickeln. „Und da die Geschäftsführung ihren Sitz in Rehhorst haben wird, bleibt auch die Wertschöpfung vor Ort“, betonte der Landwirt.

Landwirt Fried David stellte auf der Einwohnerversammlung die Pläne der Firma Landwind Rehhorst vor.   Quelle: mc

Dadurch werde die Gemeinde auch deutlich höhere Gewerbesteuer-Einnahmen haben. Denn dadurch, dass Rehhorst auf Schlüsselzuweisungen des Landes angewiesen ist, bleibt bislang von den jetzigen Windanlagen in Willendorf kaum etwas von der Gewerbesteuer übrig. „Die Einnahmen werden mit den Hilfszahlungen verrechnet“, erklärte Evelyn Böttger (SPD), Mitglied der Gemeindevertretung. Trotzdem habe Rehhorst von den bestehenden Windkraftanlagen in Willendorf stark profitiert. Rund 380.000 Euro seien in 17 Jahren zusammengekommen. Etwa 250.000 Euro stammten aus Pacht- und Nutzungsentschädigungen, rund 100.000 Euro aus Einspeisevergütungen.

Was wird aus den alten Anlagen?

Bis zum 3. Januar nimmt das Land Stellungnahmen zum überarbeiteten Regionalplan zur Windkraft entgegen. Im Kreis Stormarn gibt es neue Vorrangflächen in Rehhorst, Schadehorn, Steinburg, Lasbek und in der Gemeinde Großensee. Dort haben sich die Kommunalpolitiker jüngst gegen die Windpläne ausgesprochen.

Auch der Kreis Stormarn hat im Planungsausschuss eine Stellungnahme beschlossen. Er sieht den Standort Großensee ebenfalls kritisch, hat naturschutzrechtliche Bedenken. Außerdem bittet der Kreis unter anderem darum, dass das Land den Gemeinden mit schon länger bestehenden Windkraftanlagen beim Abbau von alten Anlagen behilflich ist. Die Nutzungsdauer von vielen Windrädern endet in einigen Jahren.

Die Besitzer der Flächen wollen indes, dass die Rehhorster noch mehr profitieren. Ihnen schwebt ein Bürgerwindpark vor. „So könnten alle Einwohner, die sich daran beteiligen, am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben“, sagt Fried David. Die Mindesteinlage könnte bei 1000 Euro liegen. Auf der Einwohnerversammlung ermutigte ein Vertreter der Bürgergemeindewerke Breklum (Kreis Nordfriesland) die Rehhorster, sich einem solchen Modell anzuschließen. Sie selbst hätten damit hervorragende Erfahrungen gemacht.

Die Eigentümer haben auch noch weitere Ideen. So sollen zehn Prozent der jährlichen Nutzungsentgelte für soziale Projekte in Rehhorst gespendet werden. Im benachbarten Neuengörs (Kreis Segeberg) wird es auch so gehandhabt. Durch den dortigen Windpark kommen jährlich rund 30 000 Euro für Vorhaben im Dorf zusammen.

Nur 600 Meter Abstand

Das alles kann jedoch nicht alle Bürger überzeugen, vor allem nicht die im Ortsteil Neukoppel. Die Siedlung liegt im sogenannten Außenbereich. Das heißt, dort muss nur ein Mindestabstand von 600 und nicht 1000 Metern gewährleistet sein. Eine Gruppe um Wolfgang Neumann und Ellen Liebmann stellte eine ganze Palette von Bedenken und Nachteilen vor wie die Umzingelung durch Windanlagen, Gefahren für den Vogelzug, Sichteinschränkungen oder auch Geräuschbelästigungen, Schall-Emissionen und gesundheitliche Gefährdungen. Rehhorst sei durch die Ostküstenstromleitung schon genug gebeutelt. „Das Landschaftsbild wird verschandelt, Lebensqualität für alle Rehhorster geht verloren“, sagte Ellen Liebmann.

Wie sich die Gemeindevertretung positioniert, ist derzeit unklar. Sie kann – wie auch alle Bürger – bis zum 3. Januar eine Stellungnahme im Online-Beteiligungsverfahren auf den Internetseiten des Landes abgeben.

Markus Carstens

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