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Segeberg Politiker für Waldrodung, damit Grünen-Kreischef bauen kann
Lokales Segeberg Politiker für Waldrodung, damit Grünen-Kreischef bauen kann
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21:24 03.03.2016

Zwei Gegenstimmen — Annelie Eick (Grüne) und Wolfgang Juhls (Unabhängige) — gab es im Bad Segeberger Bauausschuss bei dem mehrheitlich positiven Votum für eine Waldumwandlung auf einem städtischen Grundstück am Waldweg, um dort „einen erweiterten Neubau auf dem benachbarten Flurstück zu ermöglichen“. Wie mehrfach berichtet, sollen mindestens 20 Buchen gefällt werden, damit der Ex-Landesvorsitzende der Grünen und jetzige Sprecher des Kreisvorstandes, Peter Stoltenberg, einen Bungalow abreißen und einen größeren Neubau errichten kann. Ohne eine Waldumwandlung könnte er das aufgrund von Abstandsvorschriften nicht umsetzen.

Das kleine Vorhaben zieht immer mehr Kreise. Im Ausschuss saßen einige Interessierte im Plenum. Inzwischen ist nicht nur die Stadt damit beschäftigt, sondern auch die Forstbehörde und die Untere Naturschutzbehörde. Beide hatte Ausschussvorsitzender Wolfgang Tödt eingeladen, um ihren Rat zu hören. Fällen oder nicht fällen? Es handele sich um Wald, die Bestände seien 120 bis 140 Jahre alt, erklärte Christian Thomann von der Forstbehörde. Nur wenn der Nachbar dort sein Haus „im Bestand“ saniere, gehe das auch ohne Waldumwandlung. Für Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) geht es es nicht darum, „einen bauwilligen prominenten Politiker zu begünstigen, sondern die eigenen Interesse der Stadt zu berücksichtigen“. Schließlich profitiere die Stadt finanziell auch von der Fläche in sehr guter Lage, wenn sie bebaut werden dürfe.

Doch das sei kein Selbstgänger, machte Axel Timmermann von der Unteren Naturschutzbehörde deutlich. Drei streng nach EU-Recht geschützte FFH-Schutzgebiete (Ihlsee, Kalkberg, Travetal) seien in der Nähe: Wanderrouten von Fledermäusen könnten hier betroffen sein. Das sei „ernst zu nehmen“. Dann wurde er grundsätzlich: „Ich kann der Stadt nur empfehlen, bei Vorhaben in einem Radius von drei Kilometern vom Kalkberg aus auf jeden Fall eine FFH-Vorprüfung durchzuführen.“ Da gehe es in erster Linie um „Leit- und Grünstrukturen“ für Fledermäuse. Timmermann: „Das rate ich, damit der Investor später mit seinem Vorhaben nicht gegen eine Wand läuft.“

Einiges habe er selbst schon 2015 zum Halten bringen müssen. Wenn am Waldweg Wald verschwinden solle, sei „auf jeden Fall“ eine FFH-Vorprüfung vorzunehmen. Der Flugkorridor vom Segeberger See bis zum Travetal sei dort „maßgeblich“. Diese erfolgte FFH-Vorprüfung sei mit den Unterlagen abzugeben. Der Gutachter müsse klarstellen, dass erhebliche Auswirkungen auf das Schutzgebiet ausgeschlossen werden können. Sei das unklar, müsse zusätzlich noch eine aufwändige FFH-Hauptprüfung erfolgen. Auf Nachfrage der LN stellte Timmermann klar, dass seine Behörde kein Gefälligkeitsgutachten akzeptieren werde. Timmermann: „Wir fordern, dass das qualifizierte und neutrale Fachleute sind, sonst geben wir die Unterlagen zurück.“

Von Wolfgang Glombik

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