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Segeberg Polizei befreit Sperber aus illegaler Vogelfalle
Lokales Segeberg Polizei befreit Sperber aus illegaler Vogelfalle
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19:37 14.02.2019
Ein gefangener Sperber – ein in Deutschland streng geschützter Greifvogel – wurde aus einer Lebendfalle befreit.  Quelle: Privat
Groß Kummerfeld

Es ist Mittwochnachmittag, 13. Februar, als sich Mitglieder des Vereins „Komitee gegen den Vogelmord“ bei Segebergs Ordnungsbehörden melden und um polizeiliche Hilfe bitten: Auf dem Privatgrundstück eines Geflügelhalters in Groß Kummerfeld hätten sie eine sogenannte Leiterfalle entdeckt, in der sich ein gefangener Sperber befinden würden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Kiel erwirkte sofort einen Durchsuchungsbeschluss. Beim darauf folgenden Einsatz zusammen mit einem Amtsveterinär werden neben der Leiter- zwei weitere Fallen entdeckt und beschlagnahmt. Der Greifvogel sei nach Begutachtung durch einen Biologen unversehrt freigelassen worden.

Sperber in Lebendfalle: 76-Jähriger soll Wilderei begangen haben.

„Wir haben in diesen Tagen einen Tipp und Fotos der Falle bekommen“, sagt Axel Hirschfeld, Sprecher des Komitees. Zunächst habe man das Gelände gründlich auskundschaften wollen, „aber als wir den streng geschützten Greifvogel entdeckt haben, riefen wir sofort die Polizei“.

Greifvogel in der Leiterfalle

In eine Leiterfalle, die einer kleinen Voliere mit schrägem Dach ähnelt, konnte der durch Tauben angelockte Greifvogel zwar einfliegen, aber ein Ausfliegen scheiterte am nötigen Raum zum Starten, erklären die Tierschützer die Funktion. Als Köder waren nach ihren Angaben lebende Locktauben eingesetzt. „Das Aufstellen von Greifvogelfallen ist eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder hohen Geldstrafen geahndet werden kann“, betont Heinz Schwarz, Komiteevorsitzender aus Plön. Außerdem seien auf dem Grundstück weitere aufgestellte Fallen mit Eiern und Fleischabfällen sicher gestellt worden. „Sie eignet sich für viele Tiere, werden aber im Handel als Krähenfalle verkauft, deren Fang auch verboten ist“, ergänzt Axel Hirschfeld. Die Polizei in Bad Segeberg hat die Ermittlungen aufgenommen. Gegen den 76-jährigen Grundstückseigentümer wurde ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz und wegen Jagdwilderei eingeleitet.

Verein Komitee gegen Vogelmord

Sie starten Kampagnen gegen die illegale Vogeljagd im Libanon, organisieren Vogelschutz-Camps, spüren Greifvogelfänger auf und kämpfen gegen das Fangen von Drosseln, Rotschwänzen und anderer Singvögel, dort wo sie als beliebte Delikatessen gelten: Der Verein „Komitee gegen Vogelmord“. Seine Mitglieder sind in Deutschland, Spanien, Malta, auf Zypern und anderswo aktiv. Sie setzen sich gegen den Handel und die Jagt von Wildvögeln ein. Auf Sardinien konnten sie 2018 beispielsweise gemeinsam mit Ordnungsbehörden mehr als zwei Kilometern illegale Fangnetze für Singvögel abbauen. Aufmerksamkeit erregte eine Analyse des Vereins in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rat für Vogelschutz, die darlegt, dass trotz schrumpfender Bestände in vielen Ländern Millionen geschützter Feldlerchen, Turteltauben, Kiebitze oder Sumpfschnepfenarten geschossen werden. Seinen Hauptsitz hat der 1975 gegründete Verein in Bonn.

Verdächtigter beteuert Unschuld

 Der Senior, der Kraniche und anderes Ziergeflügel auf dem großen Gelände hält und züchtet, beteuert gegenüber den LN seine Unschuld. „Das sind alles Lebendfallen. Der Fuchs hat mit schon zwei Jungkraniche weggeholt und mit den Fallen fange ich vor allem Ratten. Das ist mein Privatgrundstück. Ich glaube nicht, dass man mir das verbieten kann“, sagt der Groß Kummerfelder und führt über das Areal. „Außerdem fange hier jeden Tag mehrere Ratten“, schiebt er nach und greift zum Beweis in einer Stallecke nach einer Falle, die wie eine größere Mausefalle aussieht und in der noch ein toter Nager steckt. „Die Polizei und das Veterinäramt waren sehr freundlich, aber die Tierschützer haben selbst das als illegale Schlagfalle bezeichnet. Die habe ich alle ganz legal gekauft.“

Die Leiterfalle auf seinem Grundstück stehe dort seit zehn Jahren. Tauben habe er dort nicht hinein getan, die könne sich ein Greifvogel auch so vom Grundstück holen, versichert der Mann. Er sei davon überzeugt, dass ihm ein bestimmter Nachbar, mit dem es schon mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen war, „etwas anhängen“ wolle. Andere, die den Geflügelhalter seit vielen Jahren kennen, können sich die Vorwürfe ebenfalls kaum vorstellen: „Der liebt Vögel, egal ob seine eigenen oder wilde, der würde denen niemals etwas antun“, ist ein Nachbar überzeugt. „Ich weiß, dass hier Wildvögel wegkommen, aber der hat damit nichts zu tun“, ist der Mittvierziger sicher. Das sieht Axel Hirschfeld vom Komitee gegen Vogelmord anders: „Nicht jeder Geflügelzüchter oder Jäger tut so was, aber vor Gericht stehen in solchen Fällen immer Geflügelzüchter oder Jäger.“

Seltene Greifvögel oft Opfer

Die Tat sei kein Einzelfall, hieß es von dem Vogelschutzverein. Seit 2010 seien in Schleswig-Holstein mindestens 40 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung mit 53 Opfern angezeigt worden. Betroffen waren unter anderem Seeadler, Habichte, Bussarde. Erst im vergangenen Sommer Monaten wurde im Kreis Segeberg in Norddeutschland sehr seltene Rotmilane vergiftet.

Heike Hiltrop

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