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Segeberg Polizisten wollen nicht länger Prügelknaben sein
Lokales Segeberg Polizisten wollen nicht länger Prügelknaben sein
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21:12 17.03.2016
Bad Segeberg

„Diese Entwicklung macht uns ernsthaft Sorgen“, sagt Sebastian Kratzert, Regionalgruppenvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP): 50 Beamte wurden 2015 im Bereich der Polizeidirektion Segeberg im Dienst durch aggressive Täter zum Teil schwer verletzt. Die GdP spricht sich für einen neuen Paragraphen im Strafgesetzbuch aus, der bereits Bedrohung und Beleidigung von Polizeibeamten unter Strafe stellt.

„Das soll für alle in der Öffentlichkeit handelnden Dienste gelten — auch für Feuerwehr und Rettungsdienst“, sagt Kratzert. Denn auch solche Berufsgruppen würden beschimpft und aggressiv angegangen.

Bisher gibt es lediglich den Paragraphen 113 („Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“), der aber voraussetzt, dass der Polizist gerade eine Amtshandlung vollführte. „Das hilft nichts gegen Sprüche wie ,Du kannst mir gar nix, dann kriege ich eben zwei Stunden Sozialdienst aufgebrummt‘ oder ,Wir wissen, wo Deine Familie wohnt‘“, sagt der Regionalgruppenvorsitzende. Solche Sprüche müssten Polizeibeamte sich immer wieder anhören.

„Früher reichte oft das Erscheinen der Polizei, dann war Ruhe auf der Bildfläche — heute verbrüdern sich nicht selten zwei Gruppen, die vorher Streit hatten, gegen die Beamten“, sagt Kratzert. So wie etwa vor Wochen in seiner eigenen Dienstgruppe passiert: Als Polizisten dem Beteiligten an einer Disko-Schlägerei eine Blutprobe entnehmen wollten, verbrüderten sich die Streithähne und gingen gemeinsam auf die Polizei los. Sechs Streifenwagen und fünf Festnahmen waren am Ende nötig, einem Beamten sei so heftig ins Gesicht geschlagen worden, dass er für Tage dienstunfähig gewesen sei. Auch im Gerichtssaal würden manche Polizeibeamte vermissen, dass von der Justiz rigoros genug gegen Gewalttäter vorgegangen werde.

Die nackten Zahlen zeigen eine gefährliche Entwicklung auf: Landesweit gab es 2015 genau 1082 Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte. Im Bereich der Polizeidirektion Segeberg waren es 211 Straftaten, 104 im Kreis Segeberg und 107 im Kreis Pinneberg. In den beiden letztgenannten Zahlen sind auch Bedrohung, Nötigung und Beleidigung enthalten. Anzeigen wegen Körperverletzung gab es im Kreis Segeberg in 37 Fällen. „Da bleiben Narben bei den Kollegen“, so Kratzert. „Wir machen doch nur unseren Job. Und versuchen das für den Bürger möglichst gut zu tun.“ ark

LN

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