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Segeberg Messerstiche in Boostedt: Jetzt spricht der Angeklagte
Lokales Segeberg Messerstiche in Boostedt: Jetzt spricht der Angeklagte
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17:41 08.02.2019
Beim Prozess um Messerstiche in Boostedt war die Urteilsverkündung bereits geplant. Diese wurde nun verschoben. Quelle: dpa
Kiel/Boostedt

 Bisher hatte der Angeklagte im Prozess um die Messerstiche bei einer WM-Fußball-Übertragung in der Flüchtlingsunterkunft Boostedt geschwiegen. Doch gestern am Ende der Beweisaufnahme entschloss sich der 33-jährige Afghane überraschend doch noch zur Aussage. Er wies den Vorwurf des versuchten Totschlags zurück und erklärte, wie die damals bei ihm sichergestellte Tatwaffe in seine Tasche gekommen sei.

Urteilsverkündung verschoben

Die Staatsanwältin hatte ihr Plädoyer schon vorbereitet. Für Donnerstag, 14. Februar, war im Kieler Landgericht die Urteilverkündung geplant. Daraus wird jetzt nichts: Die Strafkammer will mindestens einen weiteren Zeugen hören. Auslöser der Verzögerung war eine Prognose des Strafverteidigers Markus Chilcott. „Er sagte, ich würde verurteilt werden“, teilte der Angeklagte mit. „Das hat mich geschockt.“

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Zeuge belastet den Angeklagten

Bei der TV-Übertragung des WM-Spiels Iran-Spanien war es im Juni 2018 zu einer Massenschlägerei gekommen. Die Iraner fieberten mit ihrer Mannschaft, eine Gruppe afghanischer Asylbewerber schlug sich auf die Seite der favorisierten Weltmeister. Als ein Zuschauer auf einen Tisch kletterte und anderen die Sicht nahm, entzündete sich ein Streit, der schnell zur Schlägerei eskalierte.

Mehrere Zeugen belasten Angeklagten

Ein 20-jähriger Afghane, der das Fernsehgerät angeblich zur Beruhigung der Gemüter mit einem Stuhl zertrümmerte, wurde später vor dem Gebäude mit vier Messerstichen in den Rücken verletzt. Einen Stich ins Kinn erlitt ein Landsmann des Opfers, der nach eigenen Angaben nur schlichten wollte.

Im Prozess hatten mehrere Zeugen den Angeklagten als Täter belastet. Doch dieser will nach dem Abbruch der Fernsehübertragung einen Schwarzafrikaner beobachtet haben, der das spätere Opfer vor dem Gebäude am Hals gepackt habe. Er selbst sei von vier bis fünf Afghanen angegriffen und mit Fäusten attackiert worden, so der Angeklagte: „Sie kamen wie die Wespen.“

Angeklagter bestreitet die Tat

In diesem Moment will der Angeklagte ein Messer auf dem Boden entdeckt und an sich genommen habe, „weil ich Angst hatte, dass die Afghanen es bekommen“. Dann habe er das Blut am Rücken des Verletzten gesehen. Den Ratschlag eines Freundes, er solle ihm das Messer geben, weil die Polizei ihn sonst für den Täter halte, habe er nicht befolgt. „Ich wollte es selbst der Polizei geben.“

Laut Gutachten hatte der alkoholgewöhnte Angeklagte zur Tatzeit zwischen 1,5 und 2,5 Promille im Blut. Für mildernde Umstände sah der Sachverständige aber keine Hinweise: Kein Zeuge habe irgendwelche Ausfallerscheinungen beobachtet.

Thomas Geyer

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