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Segeberg Prozess um Tod in "Todesfelder Kurven" - 19-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Lokales Segeberg Prozess um Tod in "Todesfelder Kurven" - 19-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
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21:36 31.07.2018
Laut Anklage soll in der Rechtskurve der K 109 nicht die rechte Seite der Straße eingehalten worden sein. Als ihm ein Auto entgegenkam, hat der Angeklagte gebremst. Dadurch stürzte sein Krad nach rechts, kollidierte und verkeilte sich unter dem PKW. Die Beifahrerin verstarb kurz darauf an der Unfallstelle.  Quelle: Symbolbild LN-Archiv
Neumünster/Stuvenborn

„Wir haben ein äußerst tragisches Verfahren zu verhandeln gehabt“, sagte Jugendrichterin Brigitte Hrelja am Dienstag nach der Urteilsverkündung. Familienangehörige der Verstorbenen und des Unfallfahrers hatten den Prozess verfolgt. Auf beiden Seiten flossen Tränen.

Die Straße ist schmal und die Kurve schlecht einsehbar. Die konkrete Ursache jedoch dafür, warum das Motorrad am Abend des Pfingstmontags 2017 zwischen Stuvenborn und Todesfelde, einer als „Todesfelder Kurven“ bekannten Strecke, in einer Rechtskurve mit einem Auto zusammenstieß, konnte nicht geklärt werden. Normalerweise sei es möglich, so eine Kurve bei etwa 55 Stundenkilometern ohne Probleme zu fahren. „Es gibt also nur zwei Möglichkeiten“, so Hrelja. „Entweder haben Sie sich auf der falschen Fahrspur befunden oder Sie haben falsch gebremst. Das sind beides Dinge, die Fahranfänger mit Routine richtig machen. Doch diese Routine hatten Sie nicht. Es wird aber verlangt, sich in jeder Lage richtig zu verhalten“, so die Richterin. Sie sah den Tatbestand der fahrlässigen Tötung als gegeben an. „Ein rücksichtsloses Element konnten wir aber nicht feststellen.“ Der nun Verurteilte hatte zum Unfallzeitpunkt erst seit einem Monat den Motorradführerschein.

Laut Anklage soll in der Rechtskurve der K 109 nicht die rechte Seite der Straße eingehalten worden sein. Als ihm ein Auto entgegenkam, hat der Angeklagte gebremst. Dadurch stürzte sein Krad nach rechts, kollidierte und verkeilte sich unter dem PKW. Die Beifahrerin verstarb kurz darauf an der Unfallstelle. Der Motorradfahrer kam schwer verletzt mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus.

Der Autofahrer aus Stuvenborn blieb leicht verletzt.

An dem Tag war es sonnig und trocken gewesen. Der damals 18-Jährige und die 16-Jährige waren im Begriff, ein Paar zu werden. „Sie wollte unbedingt mitfahren, ich konnte nicht Nein sagen“, sagte er.

Beide trugen einen Helm, er überließ ihr zudem seine Motorradjacke. Doch entsprechende Hose und Schuhe passten nicht. „Sie ist nicht voll und ganz gesichert gefahren, darauf hätte er bestehen müssen“, mahnte Oberamtsanwalt Frank Möller. Die Zeugenaussagen des Autofahrers und seiner Freundin, die neben ihm saß, ließen zudem keinen Zweifel aufkommen: Das Motorrad sei auf ihrer Spur auf sie zugekommen. Die Aussagen deckten sich mit denen des Unfallanalytikers Boris Ivens. Bis auf die Position des Motorrads. „Es ist liegend in den Pkw gerutscht, eine Reaktion fand auf jeden Fall statt“, so Ivens. Er ging von einer Geschwindigkeit von etwa 55 Stundenkilometern aus, das Auto war etwa 60 Stundenkilometer schnell – die erlaubte Höchstgeschwindigkeit in dem Bereich.

„Letztlich ist der Grund auch egal. Der Unfall ist auf das Fehlverhalten des Angeklagten zurückzuführen, ein anderer Grund liegt nicht vor“, sagte Oberamtsanwalt Frank Möller im Plädoyer. „Kein Strafmaß kann gut machen oder einen Ausgleich schaffen, der den Angehörigen Linderung bringt.“ Das Strafmaß wurde schließlich vom Gericht auf 2000 Euro festgelegt und ist an das Diakonische Werk Neumünster zu zahlen.

Es sei eine Schocksituation und für alle stark belastend, sagte Verteidiger Claus Bornhöft. Doch sein Mandant habe den Mut aufgebracht auszusagen und sich dem Verfahren gestellt, betonte er. Kurz vor der Urteilsverkündung hatte sich der Angeklagte dann den Eltern der Verstorbenen zugewandt und sich entschuldigt. Während der Bedenkzeit der Richterin durchbrach der Vater der 16-Jährigen die Stille. „Du sagst, es tut dir leid. Wir wohnen nur zwei Straßen auseinander. Als wir am ersten Todestag meiner Tochter vom Friedhof kamen, hast du auf dem Hof dein Motorrad poliert.“

Von Irene Burow

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