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Prozessauftakt Jahre nach Großrazzia

Norderstedt Prozessauftakt Jahre nach Großrazzia

Im Mai 2013 wurden unter anderem Löwen und Tiger vom Zirkus „Las Vegas“ beschlagnahmt — seit gestern steht der Tierhalter vor Gericht.

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K. (l.), hier mit seinem Rechtsanwalt gestern vor dem Amtsgericht, wird unter anderem Verstoß gegen Tierschutzgesetz vorgeworfen.

Norderstedt. Der 8. Mai 2013 war ein Mittwoch, den die Dompteure, Pfleger, die Artisten und Helfer vom Wanderzirkus „Las Vegas“ so schnell nicht vergessen werden:

Es war 6.30 Uhr, als ein Großaufgebot an Polizisten mit Vertretern der Staatsanwaltschaft Kiel und Veterinären des Kreises Segeberg eine Großrazzia starteten, die in Norderstedt Tierzelte des Zirkus‘

durchsuchten und einen Elefanten, zwei Tiger, zwei Löwen sowie einen Hund beschlagnahmten. „Verdacht des schweren Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“, hieß es von den Behörden. Mit angenommener Gefahr im Verzug rechtfertigten sie den Abtransport der Raubkatzen ohne richterlichen Beschluss. Für den Elefanten gab es ihn. Seit gestern muss sich Löwen- und Tigerhalter K. vor dem Amtsgericht in Norderstedt verantworten.

Dabei geht es allerdings nur noch um eine Löwin mit amputiertem Schwanz und die Papiere der Tiger. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Dompteur vor, er habe sein Tier gegen besseres Wissen nicht tiermedizinisch versorgen lassen und damit längere Zeit Leid und Schmerzen ausgesetzt. Zudem wird K. vorgeworfen, er habe die Tiere zur Schau gestellt, ohne die dafür nötige Genehmigung zu haben.

Mit seiner Ansicht, dass durch die lange Verfahrens-Verzögerung ein sogenanntes Verfahrenshindernis vorliege und somit der Prozess hinfällig sei, kam Verteidiger Frank Knuth nicht durch. „Sollte es zu einer Strafe kommen, wäre ein Teil verbüßt“, machte Richter Jan-Willem Buchert deutlich, dass er das für angemessener halte. Auch ein erneutes Gespräch, das der Richter mit Staatsanwalt und Rechtsanwalt kurzfristig angesetzt hatte, um unter Umständen doch noch eine Einigung herbeizuführen, wurde von beiden Seiten abgelehnt. Das hätte unter Umständen eine Verfahrenseinstellung bei Verzicht auf Schadensersatzansprüche sein können.

„Ich bin kein Tierquäler“, beteuerte K.. Bevor eine ganze Riege von Tierärzten zu Art, Dauer, Ausmaß und Behandlung der Schwanzwunde Auskunft gaben, ging es um die Ordnungsmäßigkeit der Dokumente zu den Raubkatzen. Tiger benötigen eine sogenannte CITES-Bescheinigung, die die Herkunft des Tieres dokumentiert und den kommerziellen Handel regelt. Sie gehört wie der Fahrzeugschein beim Auto zu solchen Wildtieren. Nur wenn die in Ordnung sind, gibt es vom Veterinäramt eine Bescheinigung zur „Schaustellung“ des besagten Tieres. Letzteres hatte K. zwar, doch in den europaweit gültigen CITES-Papieren stand der Vorbesitzer, und so wurde die Genehmigung in Frage gestellt. Die Dokumente waren in Griechenland auf Englisch für den belgischen Halter ausgestellt worden, der die Tiere später an K. verkaufte. Der wurde damals jedoch nicht als neuer Eigentümer eingetragen. Ein Umstand, der sich ohne große Probleme und jederzeit nachholen lasse, wie ein Fachmann während der Verhandlung klar machte. Zudem fehlte an entscheidender Stelle offenbar ein wichtiges Häkchen, was aber selbst keinem der vielen Veterinäre, die Dokumente in der Vergangenheit bei Kontrollen und gestern vor Gericht in Händen hielten, aufgefallen war.

Inwieweit die Verletzung des Schwanzes von Löwin „Sonja“ zu Tierleid geführt hat, soll bei der Fortsetzung des Prozesses heute durch weitere Zeugen geklärt werden.

„Sollte es zu einer Strafe kommen, wäre ein Teil verbüßt.“
Richter
Jan-Willem Buchert

Heike Hiltrop

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